Semestergebühren

"Heimliche Studiengebühr" - Studieren wird in NRW immer teurer

Die Hörsäle sind voll, die Kosten fürs Studieren saftig gestiegen.

Foto: Markus Joosten

Die Hörsäle sind voll, die Kosten fürs Studieren saftig gestiegen. Foto: Markus Joosten

Düsseldorf.   Die Semestergebühren an den Universitäten und Fachhochschulen in NRW sind stark gestiegen. Die zuständige Ministerin wehrt sich gegen Kritik.

Die Studenten an Rhein und Ruhr werden für die Semesterbeiträge immer stärker zur Kasse gebeten. Seit 2010 betrug die Kostensteigerung vielerorts 30 Prozent und mehr. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine FDP-Anfrage hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

An der Hochschule Ruhr West in Mülheim verdoppelte sich der Beitrag sogar fast auf rund 300 Euro. Etwa 300 Euro werden inzwischen auch an der Ruhr-Universität Bochum, an der Hochschule Gelsenkirchen und an der Universität Duisburg-Essen für Studierende fällig.

Die Personalkosten sind drastisch gestiegen

„Seit Jahren weisen die Studierendenwerke darauf hin, dass der Landesanteil an der Finanzierung der Studierendenwerke nicht mehr ausreicht. Diese Lücke müssen nun die Studierenden selbst schließen“, sagte FDP-Fraktionsvize Angela Freimuth dieser Redaktion. Jörg Lüken, Sprecher der Studierendenwerke NRW, bestätigt auf Nachfrage: „In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Sozialbeitrag um zweihundert Prozent nach oben bewegt, der Zuschuss des Landes aber nur um fünf Prozent.“

Die Studierendenwerke müssten immer höhere Beiträge verlangen, weil unter anderem ihre Personalkosten drastisch gestiegen seien. Auch der Bochumer Asta-Vorsitzende Simon Lambertz fordert von der Landespolitik, die Studierendenwerke finanziell viel besser auszustatten.

Lambertz ärgert sich aber vor allem über die ständig steigenden Preise für das Semesterticket, die den größten Teil der Semesterbeiträge ausmachten: „Die Verkehrsbetriebe setzen uns Studierenden die Pistole auf die Brust.“

Der Semesterbeitrag als heimliche Studiengebühr

Vor sechs Jahren mussten zum Beispiel Studenten in Dortmund und Bochum weniger als 130 Euro im Semester für das Ticket bezahlen. Heute sind es 182 Euro, Tendenz steigend. Viele Studenten empfinden den Semesterbeitrag inzwischen wie eine heimliche Studiengebühr.

Der Semesterbeitrag, den fast alle Studenten zahlen müssen, setzt sich zusammen aus Zahlungen für die Studierendenwerke, für die Studentenvertretungen (Asten) und für das Ticket. Die Studentenwerke sind auf dieses Geld angewiesen, um Mensen, Wohnheime und Kindertagesstätten betreiben zu können. „Der Zuschuss des Landes beträgt nur zehn Prozent von unserem Gesamtbudget“, erklärt Jörg Lüken.

Die Ministerin wehrt sich

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) verweist in ihrer Antwort darauf, dass die Studierendenwerke und die Asten für den Semesterbeitrag verantwortlich seien. Besonders für das Geld, das in das Semesterticket fließe, bekämen die Studenten „nicht unerhebliche Leistungen“. Die rot-grüne Landesregierung habe den jährlichen Zuschuss an die Studierendenwerke seit 2010 insgesamt um mehr als sieben Millionen Euro erhöht.

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