Erhebung

Studie zeigt: Ausländerfeindlichkeit in Deutschland nimmt zu

Deutschland wird ausländerfeindlicher – ein Drittel hat rechte Positionen.

Deutschland wird ausländerfeindlicher – ein Drittel hat rechte Positionen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin  Eine Studie zeigt: 40 Prozent der Deutschen würden ein autoritäres System unterstützen. Ein Drittel hat ausländerfeindliche Positionen.

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Manches sind Stammtischparolen, anderes ist ausgeprägter Rechtsradikalismus – doch egal, wo sich die Urheber verorten: Ein Drittel der Deutschen vertritt zumindest ausländerfeindliche Positionen.

Das hat jetzt die Universität Leipzig in einer Studie ermittelt. Mittwoch sind die Ergebnisse des Langzeitprojekts in Berlin vorgestellt worden. Es ging dabei um autoritäre und rechtsextreme Einstellungen. Einen besonders starken Zuwachs an derartigen Haltungen sei in Ostdeutschland zu bemerken, attestierten die ostdeutschen Forscher.

  • 36 Prozent der Deutschen stimmten der Aussage zu, dass Ausländer nur hierherkommen, um den Sozialstaat auszunutzen (Ost: 47,1 Prozent, West: 32,7 Prozent).
  • Mehr als ein Viertel würde Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken, wenn in Deutschland die Arbeitsplätze knapp werden (Ost: 32,4, West: 25).
  • Rund 36 Prozent hielten die Bundesrepublik durch Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet (Ost: 44,6, West: 33,3).
  • 40 Prozent wären bereit, ein autoritäres System zu unterstützen.
  • Der Aussage „Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich machnmal wie ein Fremder im eigenen Land“ stimmten 55 Prozent zu (2016: 50 Prozent; 2014: 43 Prozent).
  • Antisemtische Einstellungen sind leicht rückläufig.

Anstieg der manifesten Ausländerfeindlichkeit um vier Prozent

Im Vergleich zur letzten Erhebungswelle 2016 sei die geschlossene manifeste Ausländerfeindlichkeit, also die konsequenten Zustimmung aller Aussagen, bundesweit um knapp vier auf 24,1 Prozent angestiegen. In Ostdeutschland stieg der Zuwachs um sieben Prozent von 22,7 auf knapp 31 Prozent.

„Damit beobachten wir hohe Zustimmungswerte für die Einstellung, die in der Forschung als ‘Einstiegsdroge’ in den Rechtsextremismus gilt“, sagte Studienautor Oliver Decker. Die Hemmschwelle, diesen rechtsextremen Aussagen zuzustimmen, sei besonders niedrig.

Auch zur AfD hat die Studie etwas zu sagen: „Obwohl die AfD auch ihre Wählerbasis im konservativen politischen Milieu bedienen möchte, weisen die politischen Einstellungen der Wählerschaft stärker darauf hin, dass es die extrem rechte Rhetorik ist, die ankommt.“ Zuletzt hatte die Parteien damit zu kämpfen, dass einige Mitglieder den rechten Rand überschritten.

Für die Studie waren im Mai und Juni dieses Jahres bundesweit 2416 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. (ses/epd)

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