Bildungspolitik

Studenten stören Vortrag an Ruhr-Uni - FDP-Chef Lindner reagiert souverän

Christian Lindner, FDP-Parteichef, war am Dienstag in die Ruhr-Uni Bochum eingeladen worden, um über das Thema Bildung in NRW zu sprechen - Studenten unterbrachen ihn.

Foto: Imago/Eibner

Christian Lindner, FDP-Parteichef, war am Dienstag in die Ruhr-Uni Bochum eingeladen worden, um über das Thema Bildung in NRW zu sprechen - Studenten unterbrachen ihn. Foto: Imago/Eibner

Bochum/Essen.  Aufgebrachte Studenten haben an der Ruhr-Uni Bochum einen Vortrag von Christian Lindner unterbrochen. Er reagierte souverän – und erhielt Applaus.

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An der Ruhr-Universität Bochum haben aufgebrachte Studenten einen Auftritt des FDP-Chefs Christian Lindner gestört. Sie protestierten mit Plakaten und Rufen gegen die Entscheidung der neuen Landesregierung aus CDU und FDP, in Nordrhein-Westfalen Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer einzuführen. Lindner reagierte souverän – und erhielt Applaus aus dem Hörsaal. Zu der Veranstaltung hatten die Jungen Liberalen (JuLis) an die Hochschule eingeladen. Videos der Szenen aus Bochum werden vielfach in den sozialen Netzwerken geteilt.

Der 38 Jahre alte FDP-Chef wollte in der Ruhr-Universität über das Thema Bildung in NRW sprechen, als eine Gruppe Studenten zu ihm nach vorne auf die Bühne des Hörsaals lief. Die jungen Leute hielten Plakate und Bettlaken hoch, auf denen sie „Freie Bildung für alle“ forderten und „Keine Chance für Rassisten“ skandierten.

Lindner reagierte gelassen und übergab dem Wortführer auf der Bühne sogar sein Mikrophon. Zwei Minuten dürfe er reden, sicherte Lindner dem Studenten zu, dann sei er selbst wieder dran. Der Demonstrant sagte über Lindner: „Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Nicht-EU-Ausländer jetzt wieder Studiengebühren bezahlen. Das finden wir scheiße.“

Lindner bringt Demonstrantin zum Lachen

Obwohl Lindner nicht an der NRW-Regierung beteiligt ist, hatte er als Landeschef und NRW-Spitzenkandidat für die FDP die Koalitionsverhandlungen mit der CDU nach der gewonnenen Wahl am 14. Mai in NRW geführt. Eines der ersten Ergebnisse war der Beschluss, dass Nicht-EU-Ausländer künftig an NRW-Hochschulen mit 1500 Euro pro Semester zur Kasse gebeten werden sollen.

Bereits nach einer Minute gab der Student das Mikro wieder ab. Als Lindner zur Antwort ansetzen wollte, wurde er wiederholt unterbrochen. Eine Studentin rief von der Bühne „Sie sind ja rassistisch, FDP verpiss dich.“ Lindner verzog nur kurz die Miene, sagte dann: „Ich hoffe darauf, dass ihr Linken euch an das Prinzip der Toleranz für andere Meinungen erinnert – jetzt kommt meine Meinung.“ Mit den Studenten im Saal musste selbst die junge Frau kurz lachen.

Buhrufe aus dem Publikum

Da sie den Bundespolitiker aber fortwährend unterbrach, buhte das Publikum bald, Lindner ermahnte die junge Frau schließlich mit dem Erfolg, dass sie sich meldete wie im Schulunterricht.

Der FDP-Chef setzte zum Monolog über ungerechte Bildungschancen an. Der Anteil von Arbeiterkindern an den Universitäten sei trotz kostenfreier Bildung im europäischen Vergleich niedrig. Lindner machte dafür die abgewählte rot-grüne Landesregierung verantwortlich, die Kitas seien ausgeblutet, der Unterricht an Schulen ausgefallen. „Da ist das Gerechtigkeitsproblem“, so Lindner. Seinen Wortschwall unterbrach er nur, als die Studenten hinter ihm langsam das Feld räumen wollten. „Ich habe Toleranz für andere Meinungen. Aber dass ihr euch nicht mal meine Meinung anhören wollt, spricht nicht für euch.“ Wenn man eine solche Veranstaltung stören wolle, dann richtig, so Lindner. Er animierte sie gar, die Plakate weiter hoch zu halten.

Das ganze Facebook-Video von Dirk Krogull gibt es hier:

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