Kommunalpolitik

Stadt- und Gemeinderäte in NRW sind zu alt und zu männlich

Die Kommunalparlamente in NRW sind überaltert und werden von Männern dominiert. Nur elf Prozent sind 40 Jahre alt und jünger.

Die Kommunalparlamente in NRW sind überaltert und werden von Männern dominiert. Nur elf Prozent sind 40 Jahre alt und jünger.

Foto: Michael May (Archiv)

An Rhein und Ruhr.   Parlamente in NRW werden von Männern zwischen 56 und 70 Jahren dominiert. Politik-Experte befürchtet mögliche Ausfälle von Stadtratswahlen.

Männer zwischen 56 und 70 Jahren dominieren die Stadt- und Gemeinderäte in NRW. Das zeigt eine kürzlich vom WDR durchgeführte und veröffentlichte Studie. Unter 40-Jährige sind ebenso unterrepräsentiert wie Frauen. Für die Untersuchung wurden die Geburtsjahrgänge von 87 Prozent aller Ratsmitglieder in NRW erfasst.

Das Resultat: Nur elf Prozent davon sind 40 Jahre alt und jünger. Kein überraschendes Ergebnis für Michael Angenendt, Politikwissenschaftler an der Universität in Düsseldorf.

„Die Zahlen spiegeln weitgehend die Situation in den Landesparlamenten und dem Bundestag wider. Im Gegensatz zur jungen Generation weisen ältere Menschen häufig eine stärkere Parteibindung auf und engagieren sich deshalb auch eher in einer Partei“, sagt er. Die Überalterung der Stadt- und Gemeinderäte könnte im schlimmsten Fall in Zukunft zu Ausfällen von Stadt- und Gemeinderatswahlen führen, „wenn sich mangels Nachwuchs in den Parteien zu wenige Kandidaten um die zu vergebenden Mandate bewerben“, befürchtet Angenendt.

Kritisierten Zustand verändern

Um dem entgegen zu wirken, engagiert sich Markus Schulz seit seinem 18. Lebensjahr in der FDP-Fraktion in Mülheim. Der heute 26-Jährige ist eines der jüngsten Mitglieder im Mülheimer Rat. „Ich wollte mich nie nur beschweren, sondern aktiv daran arbeiten, diesen kritisierten Zustand zu verändern“, erklärt Schulz.

Auch Sonja Bongers ist früh, bereits mit 17 Jahren, den Jusos beigetreten. Heute ist die 37-Jährige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD in Oberhausen und zählt zu dem geringen Anteil von 32,3 Prozent Frauen im Oberhausener Rat. Ein Grund für den mangelnden Anteil: „Ich denke, dass ganz viele Frauen es mit der Doppelbelastung von Beruf und Familie einfach zeitlich nicht schaffen, sich dann auch noch in der Politik stark zu machen“, sagt sie.

Sie sieht in dem überdurchschnittlich hohen Anteil von Männern zwischen 65 und 70 Jahren die Einseitigkeit im Denken als größte Gefahr: „Ältere Männer sind einfach anders aufgewachsen. Viele denken noch sehr machtzentriert“, sagt sie. Deswegen sei es wichtig, junge Frauen, die projektbezogen an einer politischen Sache mitwirken, auch längerfristig binden zu können. Kein Problem, findet Markus Schulz: „Junge Menschen sind nicht unpolitisch. Ganz im Gegenteil. Das Interesse für Politik ist ungebrochen.“

Die Diskussion verlagere sich aber zunehmend in die digitale Welt wie etwa auf Facebook oder sonstige Plattformen, meint der 26-Jährige. Für ihn müssen neue Wege gefunden werden, um Inhalte zu transportieren, denn: „100 Seiten Wahlprogramm lesen sich wahrscheinlich die wenigsten durch, selbst nicht diejenigen, die sich besonders intensiv für Politik interessieren.“

Stattdessen wenden sich jüngere Menschen seit Jahren verstärkt unkonventionellen Partizipationsformen zu, „wie der Demonstrationsteilnahme, Unterschriftenaktionen oder der Mitarbeit in einer Bürgerinitiative“, nennt Politikwissenschaftler Angenendt Beispiele.

Junger Blick auf politische Themen

Für ihn werde der geringe Anteil von bestimmten Teilen der Gesellschaft erst problematisch, wenn damit verbunden auch deren Interessen im Stadt- und Gemeinderat wenig Gehör finden. „Das Gefühl, aufgrund meines Alters nicht gehört oder ernstgenommen zu werden, habe ich nicht“, sagt Schulz. Gerade junge Menschen hätten oftmals einen anderen Blick auf politische Themen als ältere Menschen, diese dafür in der Regel aber mehr Erfahrung. „So können beide Seiten voneinander profitieren“, meint der 26-Jährige.

Gleiches sagt auch Sonja Bongers und fügt hinzu: „Man wächst in die politische Männerwelt rein, muss als Frau manchmal aber natürlich stärker die Ellbogen rausfahren als Männer das vielleicht müssen.“ Davon sollten sich junge Frauen jedoch nicht abschrecken lassen: „Das ist kein leichter Weg aber ich denke, dass es genug starke Frauen gibt.“

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