Kommentar

Sri Lanka zeigt: Gegen Terror gibt es nur ein Hilfsmittel

In Sri Lanka starben an Ostern fast 300 Menschen bei einer Anschlagsserie.

In Sri Lanka starben an Ostern fast 300 Menschen bei einer Anschlagsserie.

Foto: DINUKA LIYANAWATTE / Reuters

Berlin  Nach den Anschlägen von Sri Lanka muss die internationale Zusammenarbeit noch enger werden. Richtige Signale gibt es weltweit bereits.

Grausamer hätte ein Terroranschlag kaum ausgeheckt und durchgeführt werden können als die Serie brutaler Attacken in Sri Lanka. Menschen, die während der Ostermesse ein Fest des Friedens feiern, werden in den Tod gerissen. Nur, weil sie ihrem christlichen Glauben nachgehen. Fast zeitgleich werden Menschen, die in Hotels ein paar entspannte Stunden genießen wollen, durch Selbstmordattentäter hingerichtet. Es ist die perverse, menschenverachtende Handschrift des Terrors.

Auch wenn Motiv und Täter noch nicht definitiv feststehen: Indizien weisen auf islamistische Drahtzieher. Sprengstoffgürtel, mit denen die Attentäter sich und ihre Mitmenschen in die Luft jagen, sind ein bevorzugtes Mittel der Dschihadisten.

Im Visier der Schergen von Sri Lanka: die Gotteshäuser der Christen, im Jargon der Terroristen gern als „Kreuzritter“ verunglimpft; und die verpönte westliche Lebensweise von Freiheit, Liberalität und Selbstbestimmung, die mit den Luxusherbergen der Tropeninsel verbunden wird.

Tatmuster von Sri Lanka passt zum IS wie zu Al-Kaida

Nach Einschätzung der sri-lankischen Regierung gehen die Terroranschläge auf die einheimische radikalislamische Gruppe National Thowheeth Jama’at zurück – sie war bislang nicht auf dem Schirm der Sicherheitsbehörden. Gleichzeitig verweist der Premierminister auf internationale Hintermänner.

Das Tatmuster könnte sowohl auf das Terrornetzwerk Al-Kaida als auch auf die Todesmilizen des „Islamischen Staats“ (IS) passen. Sri Lanka pflegt gute Beziehungen zu Pakistan, wo die verbleibende Führung von Al-Kaida vermutet wird. Die USA werfen der pakistanischen Regierung vor, dass sie den Nachfahren von Osama bin Laden Unterschlupf gewähre. Was wir bisher über die Attacken von Sri Lanka wissen.

Warnung der Polizei wohl aus Eifersüchtelei nicht weitergeleitet

Der IS hat zwar in den vergangenen Jahren sein Territorium im Irak und in Syrien Zug um Zug verloren. Doch im Internet sind die selbsternannten Gotteskrieger unverändert aktiv. Der IS hat angesichts des weggebombten Kalifats im Nahen Osten sein Augenmerk verstärkt nach Asien verlagert, über einen Ableger in Sri Lanka ist bisher aber nichts bekannt. Es gibt allerdings Berichte, dass der IS in der Vergangenheit seine Fühler auch nach der Tropeninsel an der Südspitze Indiens ausgestreckt habe.

Dies ist der sri-lankischen Regierung möglicherweise entgangen. So gab es Warnhinweise vor der Terrorserie am Ostersonntag. Ein entsprechender Bericht des stellvertretenden Polizeichefs wurde offenbar nicht weitergeleitet. Der Präsident hatte den Premierminister nicht informiert – wohl aus Eifersüchtelei und machtpolitischer Rivalität.

Hintergrund: Sri Lanka: Eines der Opfer hatte auch deutschen Pass

Weltweite Solidarität ist ein ermutigendes Zeichen

Dennoch würde man es sich zu einfach machen, mit dem moralischen Zeigefinger das Kleinklein der Politik des Inselstaats anzuprangern. Das Fanal der Anschläge von Sri Lanka heißt: Gegen den Terror gibt es nur ein Hilfsmittel. Die internationale Zusammenarbeit von Geheimdiensten, Polizeien und Sicherheitsdiensten muss noch enger werden.

Die Zeichen der weltweiten Solidarität sind ermutigend. So blieben die Fußballer von Real Madrid für eine Schweigeminute stehen. Die Lichter am Pariser Eiffelturm wurden über Nacht ausgeschaltet. Und das Rathaus in Tel Aviv leuchtete in ungewöhnlichen Farben.

Regierungen müssen Terroristen einschränken – physisch und digital

Das sind die richtigen Signale. Alle, die an einer Welt der Humanität und des friedlichen Nebeneinanders arbeiten, sitzen in einem Boot. Die Regierungen müssen den finsteren Apologeten des Terrors ihren physischen Bewegungsspielraum nehmen und sie dingfest machen.

Und sie müssen ihre kriminellen digitalen Kanäle zuschütten – durch Überwachung und Informationsaustausch. Ohne Kommunikation gibt es keine Propaganda-Plattform. Und damit keine Möglichkeit der Rekrutierung.

(Michael Backfisch)

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