Groscheks Rückzieher

Chef der NRW-SPD will doch kein Schulz-Vize werden

Anders als seine Vorgängerin Hannelore Kraft strebt Michael Groschek, Vorsitzender der NRW SPD, nun doch nicht den Posten des stellvertretenden Vorsittzenden der Bundes-Partei an.

Foto: Marcel Kusch

Anders als seine Vorgängerin Hannelore Kraft strebt Michael Groschek, Vorsitzender der NRW SPD, nun doch nicht den Posten des stellvertretenden Vorsittzenden der Bundes-Partei an. Foto: Marcel Kusch

Düsseldorf.   Der 60-jährige Ex-Verkehrsminister Michael Groschek kündigt überraschend seinen Verzicht auf die Kandidatur beim Bundesparteitag an.

Noch Ende September ließ die nach Landtags- und Bundestagswahl gebeutelte NRW-SPD keinen Zweifel an ihrem unverminderten Machtanspruch. Bei einer Klausurtagung in Neuss stellte der mitgliederstärkste Landesverband der Sozialdemokratie per Vorstandsbeschluss klar: Man werde beim Bundesparteitag Anfang Dezember in Berlin den neuen Landeschef Michael Groschek als Stellvertretenden Vorsitzenden vorschlagen. Zudem sollten die ebenfalls aus NRW stammenden Martin Schulz und Dietmar Nietan als Parteichef und Schatzmeister in ihren Ämtern bestätigt werden.

Sechs Wochen und zahlreiche interne Diskussionen später klang das am Dienstag plötzlich ganz anders. Groschek kündigte überraschend an, doch nicht für einen Vize-Posten zu kandidieren.

„Inzwischen ist klar, dass an Männern in der Parteispitze kein Mangel herrschen wird. Deshalb verzichte ich auf die Kandidatur zum Stellvertreter und bin froh, dass mehr Frauen für den Vorstand kandidieren“, sagte Groschek unserer Zeitung. Die NRW-SPD sei ja mit Schulz und Nietan an der Spitze „stark vertreten“.

SPD will jünger und weiblicher werden

Hinter Groscheks Rückzieher steckt offenbar die Erkenntnis, den NRW-Bogen in der gegenwärtig tristen Lage nicht überspannen zu dürfen. Der angeschlagene Kanzlerkandidat Schulz will sich selbst dadurch stabilisieren, dass er die verbliebenen Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig sowie die bayrische Hoffnungsträgerin Natascha Kohnen als stellvertretende Vorsitzende hinter sich versammelt. Die SPD will ja „jünger und weiblicher“ werden.

Für die verbleibenden drei Vize-Posten gelten Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, Hessens Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der unverwüstliche Ralf Stegner oder Niedersachsens Wahlsieger Stephan Weil als Anwärter.

Groschek fehlt die politische Bühne

Die Aussichten des 60-jährigen Groschek dagegen verdüsterten sich zuletzt rasant – trotz der Wucht an Delegiertenstimmen aus NRW bei jedem Bundesparteitag. Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die seit 2009 SPD-Bundesvize war, hatte alle Ämter bereits kurz nach der ersten Prognose am Landtagswahl-Abend des 14. Mai niedergelegt. Für den dringend benötigten Neuanfang in NRW ist Groscheks Rückzieher ein schlechtes Signal. Der frühere Verkehrsminister ist zwar an der Basis beliebt, verfügt jedoch über keinerlei politische Bühne. Groschek gehört keinem Parlament an. Im Landtag wiederum führt weiterhin Norbert Römer (70) die Fraktion, seine Nachfolgeaspiranten Thomas Kutschaty, Marc Herter, Martin Börschel und Sarah Philipp scheinen sich gegenseitig zu belauern.

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