50 Jahre "NC"

Hoher NC – Sieben Jahre Warten aufs Medizinstudium

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Castrop-Rauxel.  Ist ein Abi mit 1,9 gut? Ja – aber nicht gut genug fürs Medizinstudium: Vor 50 Jahren wurde der Numerus Clausus (NC) eingeführt.

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„Dass ich den Numerus Clausus (NC) für Medizin nicht erreiche war mir schon klar. Dass meine Chancen auf einen Studienplatz so schlecht stehen, hatte ich aber nicht erwartet“, erzählt Paulina Schlehenkamp. 2013 hat sie ihr Abitur in Castrop-Rauxel gemacht. Mit Durchschnitt 1,9. Der NC für ein Medizinstudium liegt bei 1,1.

„Die Auswahl ist nicht gerecht“, sagt Schlehenkamp. Das Verfahren der Studienplatzvergabe schmeißt alle Bewerber erst einmal in einen Topf. Abitur mit 1,9 oder 3,7? Egal: „Die Wartesemester bleiben dieselben“, sagt Paulina Schlehenkamp. Auf 14 bis 15 davon – also rund sieben Jahre – muss man sich einrichten, wenn man diesen Weg gehen will. Zehn Wartesemester hat Paulina Schlehenkamp bereits hinter sich. Es bleiben vier bis fünf, sprich zwei bis zweieinhalb Jahre Wartezeit.

Ausbildung zur Krankenpflegerin in der Wartezeit

Einen Plan B hatte Paulina Schlehenkamp nach der Schule schon in der Schublade liegen. „Ich habe keine Zeit verschwenden wollen und hatte mich um eine Ausbildung zur Krankenpflegerin beworben.“ Mit Erfolg: drei Jahre lernte sie bei der St.-Lukas-Gesellschaft, schloss die Ausbildung 2016 ab.

Während dieser Zeit lernte sie auch, dass „die Schulnoten relativ wenig über die Eignung für das Medizinstudium aussagen.“ Es gebe natürlich auch gute Ärzte, aber genauso auch viele, die wenig emphatisch seien. „Auf einer Laborstelle geht das ja noch, aber wenn ich täglich Patientenkontakt habe und dann die Zähne kaum auseinander bekomme?“

„Es wäre besser, wenn die Unis grundsätzlich Auswahlgespräche mit den Medizinstudenten führen würden“, sagt Schlehenkamp. Dass das nur schwer umsetzbar sei, wisse sie aber selbst.

Viele junge Menschen mit dem Wunsch Medizin zu studieren, wählen den Weg der Ausbildung im medizinischen Sektor, wenn der NC zu hoch ist. Denn neben der Auswahl über die Bestenquote (60 Prozent) und den Wartesemestern (20 Prozent) gibt es eine dritte Alternative, regulär an einen Studienplatz zu kommen.

Das sogenannte Verfahren nach Auswahlkriterien, das ebenfalls 20 Prozent der Studienplätze in einem Semester ausmacht. Hier können über bestimmte Qualifikationen, wie Berufsverwandte Ausbildung oder den Medizinertest, NC-Punkte gesammelt werden, die auf den eigenen Durchschnitt angerechnet werden. Die Ausbildung von Paulina Schlehenkamp macht, je nach Uni, 0,4 bis 0,5 NC-Punkte aus. „Das ist schon ein sehr guter Wert, reicht aber nicht“, sagt sie.

Also tat sie nach der Ausbildung das, worauf die jüngere Paulina nach dem Abitur verzichtet hatte, um keine Zeit zu verlieren: „Ich bin drei Monate nach Australien gegangen. Die Wartesememster liefen ja sowieso weiter.“

Berufliche Qualifikation hilft nur bedingt weiter

Seit sie wieder zurück ist, arbeitet sie im katholischen Krankenhaus Dortmund West - Vollzeit. Seit Februar 2017 als Intensivschwester. „Ich bin dort für Komapatienten zuständig, muss mich mit Laborwerten und Blutgasanalysen auskennen und in akuten Situationen auch die Medikamente der Patienten anpassen können“, sagt Schlehenkamp. Trotz der größeren Verantwortung und der zusätzlich notwendigen Fachkenntnisse: Ihre Chancen bei der Studienplatzbewerbung verbessert das nicht. „Ich kann bei der Bewerbung nur angeben, dass ich Krankenschwester bin.“ Was genau sie mache, auch ob sie Voll- oder Teilzeit arbeitet, spiele dabei keine Rolle.

Als letzten Ausweg, um doch noch früher ins erste Semester zu kommen, versuchte Paulina Schlehenkamp sogar, sich ins Studium zu klagen. Das ist teuer, kostet den Klagenden mehrere tausend Euro und läuft über Anwälte, die darauf spezialisiert sind. Die versuchen auf dem Rechtsweg, die Universitäten zur vollen Ausschöpfung ihrer Studienplätze zu zwingen. Das heißt: Wenn 102 Studienplätze da wären und nur 100 besetzt werden, kann man dagegen vorgehen. „Die Erfolgsaussichten, so sagte man mir, lägen bei 30 bis 60 Prozent“, sagt Schlehenkamp. Die Klage blieb ohne Erfolg.

Traum vom Arztberuf weiterverfolgen

Am Ende stellt sich die entscheidende Frage: Bleibt Paulina Schlehenkamp bei ihrem Traum vom Arztberuf? „Ja, ich will das Studium noch antreten, wenn die Wartesemester vorüber sind“, sagt sie. Auch wenn es eine große Umstellung für sie wird. „Klar, ich muss mich wieder daran gewöhnen zu lernen und kein volles Gehalt mehr zu beziehen.“

Wenn alles so weiterläuft wie bis jetzt, beginnt sitzt sie voraussichtlich mit 26 Jahren im ersten Semester. „Einige meiner Freunde schließen gerade ihren Master ab. Da könnte ich auch schon stehen“, sagt sie. „Das ist schon deprimierend.“

Auch in Hinblick auf die Tatsache, dass der Weg bis zum Facharzt im Optimalfall elf bis zwölf Jahre dauert.

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