Tanzschulen

Rückkehr zum Abi nach neun Jahre wäre Segen für Tanzschulen

Beruflich wie privat ein Paar: Regina und Wolfgang Stein.

Beruflich wie privat ein Paar: Regina und Wolfgang Stein.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Mitte.   Schüler sollen wieder mehr Zeit für Freizeitaktivitäten haben. Das hoffen Regina und Wolfgang Stein, die seit 25 Jahren Tanzlehrer in Hagen sind.

Spezielle Benimm-Kurse haben sie nie angeboten. „Aber wir achten schon auf die Einhaltung von Regeln“, sagen Wolfgang und Regina Stein. So soll während des Unterrichts kein Kaugummi gekaut und das Smartphone zumindest in den lautlosen Flugmodus geschaltet werden. „Eine starre Kleiderordnung wollen und können wir nicht vorschreiben“, unterstreicht das Tanzlehrer-Paar, das vor 25 Jahren das „Tanzcentrum Stein“ gegründet hat. „Aber Jungs in freizügigen Tanktops bitten wir schon, sich doch wenigstens die Schultern zu bedecken“. Was den beiden im Unterricht aber viel wichtiger ist: „Wir begegnen einander mit Respekt. Und in den Schülerkursen tanzt jeder mit jedem – auch wenn es nicht der Traumpartner ist.“

Die Steins blicken nicht nur auf ein Vierteljahrhundert Selbstständigkeit zurück – im Februar 1993 eröffneten sie im Grothe-Center in Wehringhausen ihre erste Tanzschule, 15 Jahre später folgte der Umzug aufs Elbers-Gelände –, sondern sie sehen auch Veränderungen in der Gesellschaft und in Hagen. So steigt der Anteil an Kindern in Hagen, deren Eltern ausländischer Herkunft sind, stetig an. Und bei fast 37 Prozent der Kinder wird laut statistischem Landesamt zu Hause nicht vorwiegend Deutsch gesprochen.

„Ob Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln zu uns kommen, hängt davon ab, wie kulturell-gesellschaftlich die Familie integriert ist“, ist sich Regina Stein sicher. In Hip-Hop-Kursen komme es zum Beispiel mehr und mehr zur Durchmischung; Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund würden die Kurse gleichermaßen besuchen, „Hip-Hop-Musik verbindet eben“. Und wenn zum Abschlussball eine muslimische Dame mit Kopftuch erscheine, sei das ein Zeichen dafür, dass der Wandel auch in der Tanzschule angekommen sei.

Ein Drittel der Schüler Jugendliche

Etwas sehnen die Steins förmlich herbei: „Wir hoffen, dass 2019 wieder zum G-9-Schulmodell zurückgekehrt wird“, sagt Wolfgang Stein. Denn wer neun Jahre (und nicht wie seit einiger Zeit nur noch acht Jahre) das Gymnasium oder eine weiterführende Schule besuche, habe nachmittags einfach mehr Zeit. Statt am Nachmittags-Schulunterricht teilnehmen zu müssen, könnten die jungen Leute dann auch wieder eher (und nicht erst ab 17/18 Uhr) zum Fußballtraining, Gitarrenunterricht oder eben zum Tanzkurs gehen. „G 9 wäre für uns und die ganze Freizeitbranche ein Segen“, sagt Regina Stein. Gut ein Drittel der Schüler sind Jugendliche, für den Rest gibt’s altersmäßig keine Grenze.

Beim Standort Elbers sehen die Tanzlehrer das historische Fabrikgebäude, in dem ihr Tanzcentrum untergebracht ist, und die Großzügigkeit der Räumlichkeiten (der Saal ist stattliche 350 Quadratmeter groß) als Vorteile, „außerdem ist die Lage mitten im Freizeitquartier mit Gastronomie und Kino ideal“. Was das Betreiberpaar auch nach 25 Jahren noch freut? Wolfgang Stein lächelt: „Wenn Männer, die vom Tanzen partout nichts wissen wollen und nur ihrer Frau zuliebe eine Tanzstunde besuchen, anschließend sagen ,Das ist ja ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe’.“

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