Homophobie

Initiative „Schlau“ gegen Ausgrenzung im Klassenzimmer

Sebastian Kleine (24, li.) und Kai-Uwe Diel von „Schlau Duisburg“.  Die Gruppe ist ein Zusammenschluss aus Schwulen, Lesben und Transmenschen, die ehrenamtlich in Schulen gehen,  um aufzuklären.

Foto: Frank Oppitz

Sebastian Kleine (24, li.) und Kai-Uwe Diel von „Schlau Duisburg“. Die Gruppe ist ein Zusammenschluss aus Schwulen, Lesben und Transmenschen, die ehrenamtlich in Schulen gehen, um aufzuklären.

Duisburg.   Vorurteile gegen Schwule oder Lesben gibt es in Schulen auch weiterhin. Die Leute von „Schlau Duisburg“ gehen deshalb in Klassen und klären auf.

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Auf deutschen Schulhöfen hat sich das Wort „schwul“ längst als Schimpfwort etabliert. „Homo- und Transphobie sind fester Bestandteil in Klassenräumen und Freizeiteinrichtungen“, wissen Kai-Uwe Diel und Sebastian Kleine, die sich in der Initiative „Schlau Duisburg“ engagieren. Genau dagegen wollen sie und ihre Mitstreiter ankämpfen. Sieben Ehrenamtliche gehen regelmäßig in Schulen und Jugendeinrichtungen, um aufzuklären, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung anzugehen. In diesem Jahr haben sie bisher bereits über 1200 Schüler in Duisburg erreicht, ab dem kommenden Schuljahr wollen sie auch Schulungen für Lehrer und Sozialarbeiter anbieten.

Duisburger Gruppe gibt es seit fünf Jahren

Die Wut war es, die Kai-Uwe Diel dazu antrieb, sich gegen Homophobie einzusetzen. „Mit 14 Jahren wurde ich von einer Mitschülerin, der ich mich anvertraut hatte, zwangsgeoutet“, berichtet der heute 21-Jährige. Mitschüler mobbten ihn daraufhin. „Ich konnte mich entscheiden: Entweder ich bleibe in der Opferrolle oder trete den Kampf nach vorne an.“ Er entschied sich für letzteres und schloss sich mit 16 Jahren der Gruppe „Schlau“ an, „auch, damit anderen nicht dasselbe passieren muss wie mir“. Heute engagiert er sich hauptamtlich bei Schlau, die der Duisburger Aidshilfe angegliedert ist. „Schlau“ ist die Abkürzung für „Schwul Lesbisch Bi Trans*Aufklärung in NRW“ und ist eine Vernetzung von lokalen Aufklärungsgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen. Die Duisburger Gruppe gibt es bereits seit fünf Jahren, seit anderthalb Jahren hat ein festes Team die Arbeit intensiviert.

Regelmäßig gehen sie in alle weiterführenden Schulen ab Klasse 7, um den Jugendlichen Infos zu liefern, Rollenspiele mit ihnen durchzuführen. Die Idee dahinter: Dass Vorurteile und Klischees durch die direkte Begegnung hinterfragt und abgebaut werden können. „Wir möchten die Jugendlichen mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen ins Gespräch bringen“, sagt Diel.

Zunächst war es allerdings nicht einfach, Freiwillige zu finden. „Man muss schon Einiges von sich preisgeben“, weiß Kai-Uwe Diel. Denn die Schüler wollen viel wissen: Details zum eigenen Outing, zur Sexualität, zu diskriminierenden Erfahrungen. „Da gehen wir sehr offen mit um. Es gibt allerdings Grenzen für uns“, sagt Sebastian Kleine (24). „Jedoch ermuntern wir die Schüler auch, möglichst ehrlich zu sagen, was sie denken – nur so können wir offen diskutieren und Vorurteile abbauen.“ In Workshops thematisieren sie Diskriminierungsmechanismen, geben Einblicke in gleichgeschlechtliche Lebensweisen und vermitteln Akzeptanz gegenüber der Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe. Zudem können die Jugendlichen anonym Fragen stellen und lernen Ansprechpartner kennen.

Noch viel Aufklärungsarbeit

Zum siebenköpfigen Team gehören eine Transperson, eine lesbische Frau, eine bisexuelle Frau, zwei schwule Männer und zwei pansexuelle Menschen – eine sexuelle Orientierung, bei der Personen in ihrem Begehren keine Vorauswahl nach Geschlecht treffen. „Wir sind froh, dass es so weitgefächert ist und sind stets auf der Suche nach weiteren Mitstreitern, die sich engagieren möchten“, sagt Kai-Uwe Diel.

Denn es gibt viel zu tun: „In Sachen Homophobie gibt es noch viel Aufklärungsarbeit an Duisburger Schulen zu leisten – gerade in den Problemstadtteilen.“ Dort sei die Bereitschaft, Homophobie im Klassenzimmer als Problem anzuerkennen, eher gering. Daher würde er sich wünschen, dass mehr Schulen den Mut haben, sich bei Schlau zu melden. Großes Ziel der „Aufklärer“ ist es aber, „dass es uns irgendwann gar nicht mehr geben muss“. Bis dahin sei es allerdings noch ein sehr weiter Weg.

>> SCHLAUE WORKSHOPS

Schlau Duisburg ist in sozialen Medien aktiv, etwa auf Instagram, Facebook oder mit einem eigenen Newsletter auf Whatsapp, erreichbar unter der Rufnummer 0176 - 73 74 56 05.

Angegliedert ist die Initiative an die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel an der Bismarckstraße 67 in Neudorf, wo der Verein sein Büro hat. Finanziert wird die Arbeit der Ehrenamtlichen aus Eigenmitteln.


Ab dem Schuljahr 2018/19 bietet Schlau Workshops für Pädagogen und Sozialarbeiter an. Ehrenamtliche werden weiterhin gesucht, sie sollten queer sein, zwischen 16 und 35 Jahre und vormittags Zeit haben. Kontakt: duisburg@schlau.de, 0203-66 66 33.

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