Inklusion

Riesige Probleme mit der Inklusion

Eine Inklusionshelferin betreut ein Grundschulmädchen mit Down-Syndrom. Viele Lehrer sind unzufrieden mit der Umsetzung der Inklusion.Foto:Oliver Berg/dpa

Eine Inklusionshelferin betreut ein Grundschulmädchen mit Down-Syndrom. Viele Lehrer sind unzufrieden mit der Umsetzung der Inklusion.Foto:Oliver Berg/dpa

Düsseldorf.   Umfrage unter Lehrern: Geforderte Doppelbesetzung in den Klassen ist die Ausnahme, Fachkräfte fehlen. NRW steht im Ländervergleich aber noch gut da.

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Über die Inklusion wurde im NRW-Wahlkampf heftig gestritten. Immer wieder hatten CDU und FDP der rot-grünen Landesregierung vorgeworfen, die Lehrer zu überfordern und die Schulen im Stich zu lassen. Eine repräsentative Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) bestätigt nun, dass viele Pädagogen extrem unzufrieden damit sind, wie der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung aussieht. Sie belegt allerdings auch, dass die Situation in anderen Bundesländern keineswegs besser ist.

Eine „Doppelbesetzung“ aus Lehrer und Sonderpädagoge ist demnach in inklusiven Klassen in NRW eher die Ausnahme. In zwei Drittel dieser Klassen muss ein Lehrer allein unterrichten, an Grundschulen ist die Doppelbesetzung noch seltener. Dennoch steht NRW im Bundesvergleich noch recht gut da. Immerhin 85 Prozent der rund 500 in NRW befragten Lehrer sagten, dass es an ihrer Schule zumindest zeitweise Unterstützung durch Sozial- oder Sonderpädagogen gebe. Bundesweit erklären dies nur 67 Prozent der insgesamt 2050 Befragten.

Akzeptanz in NRW höher

Noch etwas ist im Ländervergleich interessant: In NRW, das den gemeinsamen Unterricht früh einführte und wo es seit 2014 einen Rechtsanspruch auf Unterricht in einer Regelschule gibt, ist die Akzeptanz der Inklusion größer als anderswo: 60 Prozent der Lehrer finden den gemeinsamen Unterricht grundsätzlich gut. An Schulen mit inklusiven Klassen steigt die Zustimmung auf 65 Prozent.

Dennoch sind die Probleme aus Lehrersicht offenbar riesig. Die Personalsituation ist laut VBE schlicht „miserabel“. Dabei gebe es immer mehr und immer größere gemeinsame Klassen mit behinderten und nicht behinderten Kindern. Die Schulgebäude seien oft ungeeignet. Viele Lehrer berichten zudem, dass sie zum Teil nicht oder nur wenige Tage auf den Unterricht mit Behinderten vorbereitet wurden. „Die zukünftige Landesregierung ist gut beraten, die Umfrage-Ergebnisse ernst zu nehmen und einen Plan vorzulegen, wie sie die Probleme lösen will“, sagte VBE-Chef Udo Beckmann. Die Inklusion sei planlos eingeführt worden. „Die Politik hat die Chance verpasst, die Vorteile von Inklusion erlebbar zu machen“, so Beckmann.

Schwerpunktschulen keine Dauerlösung

Ein Moratorium zum Erhalt von Förderschulen, wie es der designierte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fordert, ist laut VBE zwar ein wichtiger Schritt, um Ruhe ins System zu bringen. Die Probleme würden so aber nicht gelöst. Forderungen aus CDU und FDP, den gemeinsamen Unterricht zunächst auf einige gut ausgestattete „Schwerpunktschulen“ zu beschränken, begegnet der VBE zurückhaltend. Das sei allenfalls vorübergehend sinnvoll. „Insgesamt widersprechen Schwerpunktschulen aber dem Grundgedanken der Inklusion“, sagte Beckmann.

Weil der Lehrermarkt derzeit „wie leergefegt“ sei und die benötigten Sonderpädagogen erst ausgebildet würden, müssten andere Lehrer auf die Arbeit mit Kindern mit Behinderungen vorbereitet werden. Dazu sollten sie zwei Jahre lang während der Hälfte ihrer Arbeitszeit qualifiziert werden.

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