US-Botschafter

Richard Grenell: „Es wird keinen Handelskrieg geben“

Richard Grenell: Neuer US-Botschafter in Berlin

Der 51-jährige offen schwule Richard Grenell gilt als Hardliner und Vertrauter von US-Präsident Donald Trump.

Der 51-jährige offen schwule Richard Grenell gilt als Hardliner und Vertrauter von US-Präsident Donald Trump.

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Berlin  Der US-Botschafter, Richard Grenell, über die Krise in Nahost, das Verhältnis zwischen Trump und Merkel – und seinen persönlichen Stil.

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Es ist ein besonderer Empfang in der Residenz des US-Botschafters im Berliner Stadtteil Dahlem. Richard Grenell trägt Jeans und Freizeithemd, die Reporter begrüßt er an der Seite seines Lebenspartners Matt Lashey. Mit ihrem Hund Lola waren beide schon joggen am Grunewaldsee.

Der neue Botschafter, der mit einem Twitter-Appell an deutsche Unternehmen viel Kritik auf sich gezogen hat, beschreibt sich selbst als „unfassbaren Optimisten“. Als Grund nennt er eine Krebserkrankung, von der er wieder genesen ist. „Jeden Morgen wache ich auf“, sagt Grenell, „und danke Gott für einen weiteren großartigen Tag, den ich erleben darf.“

Herr Botschafter, wie gut kennen Sie Deutschland, wie gut kennen Sie Berlin?

Richard Grenell: Ich habe den Eindruck, dass ich Deutschland besser kenne als Berlin. Ich war oft in Deutschland, aber nur selten in Berlin. Das erste Mal nach dem College, um die aufregenden Zeiten hier zu erleben. Ich freue mich wirklich darauf, hier viel mehr Zeit zu verbringen. Mein Partner Matt hat als Kind in Deutschland gelebt, sein Vater war in der Air Force. Er erkennt schon einzelne Wörter wieder. (lacht)

Zwischen Ihrer Nominierung und Ihrer Ankunft in Berlin sind acht Monate vergangen. Wie haben Sie sich vorbereitet in dieser Zeit?

Grenell: Das Gute ist, dass ich viel Zeit hatte, mich vorzubereiten. Die Botschaft hat mir ein tägliches Briefing geschickt zu allen möglichen Themen. Und ich bringe viel Erfahrung mit: Ich war acht Jahre bei den Vereinten Nationen und habe die Deutschen dort sehr gut kennengelernt. Amerikaner und Deutsche sind genau auf der gleichen Seite in fast jeder Frage.

Wir sind enge Partner, wenn wir auf die Welt schauen. Wir sind für Demokratie, Menschenrechte und Kapitalismus. Die vielen Auseinandersetzungen bei den Vereinten Nationen haben mich darin trainiert, mit den Deutschen für eine gemeinsame Sache zu kämpfen.

Sie waren erst wenige Stunden im Amt, als Sie auf Twitter einen Appell absetzten: Deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte im Iran „sofort herunterfahren“. Ist das der neue Stil der US-Botschaft in Berlin?

Grenell: Wir alle wissen: Der Iran ist eine Bedrohung. Darin sind sich die Vereinigten Staaten mit den Europäern einig, das zeigt auch das gemeinsame Statement von Deuschland, Frankreich und Großbritannien. Die Mullahs sind der größte staatliche Sponsor von Terrorismus auf der ganzen Welt.

Es ist eine Frage des Stils, wie und wo man das deutlich macht.

Grenell: Nun, ich habe einen anderen Stil. Da will ich ganz ehrlich sein. Die Diplomatie, die im Gruppendenken verhaftet ist, hat großen Schaden angerichtet: Nordkorea ist auf dem Weg zur Atommacht – und in Syrien findet seit Jahren ein Völkermord statt. Ich bin gegen Gruppendenken in der Diplomatie.

Wenn man Krieg vermeiden will, verfügt man besser über Diplomaten, die bereit sind, hart zu sein. Das ist meine Aufgabe. Ich möchte nicht scheitern. Diplomat zu sein, bedeutet für mich, Klartext zu sprechen – gerade gegenüber Freunden ...

... die Ihren Umgang mit dem Iran für falsch halten.

Grenell: Amerika und Europa sind sich darin einig, dass der Iran ein Problem darstellt. Und das Atomabkommen ist ein schwaches Dokument. Es ist viel zu schwach. Selbst wenn der Iran sich Wort für Wort an das Abkommen hält, kann er immer noch Atomwaffen entwickeln.

Was soll mit deutschen Firmen geschehen, die Ihren Rat ignorieren und weiter Geschäfte mit dem Iran machen?

Grenell: Diese Frage muss die deutsche Regierung beantworten, nicht wir.

Welche Antwort erwarten Sie?

Grenell: Die Amerikaner sind der festen Überzeugung: Sanktionen funktionieren, wenn die internationale Gemeinschaft vereint ist. Das hat sich jetzt auch in Nordkorea gezeigt. Wir versuchen, die Iraner zurück an den Verhandlungstisch zu bringen.

Alle anderen Staaten müssen jetzt für sich entscheiden, ob sie Sanktionen für wirksam halten oder nicht. Wir erwarten von unseren Freunden und Verbündeten, dass sie uns dabei helfen, den Iran zurück an den Verhandlungstisch zu bringen.

Wie wollen Sie Kanzlerin Angela Merkel davon überzeugen?

Grenell: In den letzten Wochen haben wir auch von den Deutschen laut und klar gehört, dass der Iran eine Bedrohung ist. Also setzen wir unsere Gespräche über diese Bedrohung fort – und erklären, dass wir harte Sanktionen für den richtigen Weg halten. Ich habe jetzt von vielen Seiten gehört, dass es keine gute Idee ist, Geschäfte mit den Mullahs zu betreiben – auch von Schwulen und Lesben, von Menschenrechtsaktivisten und von Pro-Israel-Gruppen.

Kaum hatte US-Präsident Donald Trump das Iran-Abkommen aufgekündigt, drohte Teheran damit, die Uran-Anreicherung wieder aufzunehmen ...

Grenell: Glauben Sie im Ernst, dass die Mullahs in den vergangenen Jahren kein Uran angereichert haben? Die Unterzeichnung des Atomabkommens hat die Welt gefährlicher gemacht – nicht die Aufkündigung. Überprüfen Sie Ihre Fakten!

Welche Beweise haben Sie dafür?

Grenell: Wir haben Beweise. Und wir zeigen sie regelmäßig unseren Partnern.

Wie müsste ein Abkommen mit dem Iran aussehen, damit die USA zustimmen?

Grenell: Es muss ein Abkommen sein, das den Iran daran hindert, Atomwaffen zu bekommen.

Wollen Sie ein neues Abkommen – oder vielmehr einen Regimewechsel im Iran?

Grenell: Im Augenblick wollen wir, dass die Iraner an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Hat Trump eine Strategie für den Nahen Osten? Oder gießt er einfach Öl ins Feuer – wie mit der Verlegung der israelischen US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ...

Grenell: Die Strategie von Donald Trump ist immer Frieden – ob in Syrien, dem Iran oder in Nordkorea. Und die Sache mit der Botschaft wird doch hochgespielt. Wir können als souveräne Nation entscheiden, wo unsere Botschaft ist. Und wir wollen sie in Jerusalem haben. Unterliegen Sie nicht dem Gruppendenken in den Medien!

War es so ein großes Problem, die Botschaft in Tel Aviv zu haben?

Grenell: Für uns ja. Präsident Trump hat die Verlegung der Botschaft in seinem Wahlkampf angekündigt. Sie sollten nicht überrascht sein, dass er das jetzt umsetzt. Donald Trump ist sehr authentisch, und er tut, was er sagt. Das honorieren die Menschen. Außerdem ist er völlig unideologisch. Er schaut unvoreingenommen auf die Dinge und versucht, die beste Antwort zu geben. Donald Trump passt in keine Schublade. Er ist Republikaner und hat einen schwulen Mann zum Botschafter in Berlin gemacht.

Wie groß ist Ihr Einfluss auf Trump?

Grenell: Jeder, der einmal mit Donald Trump gearbeitet hat, weiß natürlich: Er trifft die Entscheidungen selbst. Daher überlasse ich ihm auch die Beantwortung dieser Frage. Ich habe früh erkannt, dass Donald Trump bei der Wahl einen großen Sieg einfahren wird. Als schwuler Konservativer habe ich lange auf einen solchen Präsidenten gewartet. Er ist der erste Präsident der Vereinigten Staaten, der die Heirat von Homosexuellen befürwortet hat, als er ins Amt gekommen ist. Donald Trump ist einfach anders.

Sein neuer Ansatz hat die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika an einen Tiefpunkt geführt ...

Grenell: Schauen Sie: Ich habe an den Treffen von Präsident Trump und Angela Merkel teilgenommen. Die Chemie zwischen den beiden ist großartig. Angela Merkel hat einen tollen Humor und kann gut mit dem Präsidenten scherzen. Donald Trump hat die Kanzlerin persönlich durch den Teil des Weißen Hauses geführt, in dem er tatsächlich lebt.

Angela Merkel hat sogar das Wohnzimmer und das Schlafzimmer des Präsidenten gesehen. Das war sehr persönlich. So etwas hat ihr kein Präsident vorher gezeigt. Donald Trump und Angela Merkel haben eine sehr herzliche Beziehung.

Das merkt man nicht immer.

Grenell: Sicher gibt es in manchen Fragen unterschiedliche Ansichten – etwa bei den Verteidigungsausgaben. Wenn man in der Nato ist, muss man einfach zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Das ist eine Verpflichtung, die Deutschland nicht ignorieren kann. Aber Donald Trump hat einen unglaublichen Respekt vor Angela Merkel.

Trotzdem droht Trump den Deutschen mit Strafzöllen. Geht man so mit Verbündeten um?

Grenell: Der Präsident sagt: Wir wollen freien und fairen Handel. Solange andere mit Zöllen arbeiten, tun wir das auch. Die Deutschen machen beim Handel einen phänomenalen Job. Und Donald Trump tut alles, um mehr für sein Land und seine Arbeiter herauszuholen. Wir wollen nur ein ebenes Spielfeld haben.

Sie steuern auf einen Handelskrieg zu.

Grenell: Es wird keinen Handelskrieg geben. Diese Vorstellung ist falsch. Wir sprechen mit unseren Freunden, um ein Problem zu lösen. Wir haben einen gesunden Respekt vor der deutschen Autoindustrie. Ich habe mein ganzes Leben einen BMW gefahren. Das sind bewundernswerte Autos – und sie werden auch in South Carolina produziert. Wir verstehen, dass unsere Ökonomien eng miteinander verflochten sind.

Die USA haben eine Frist bis zum 1. Juni gesetzt. Was muss bis dahin passieren?

Grenell: Wir hatten schon eine Deadline, und wir wurden gebeten, sie noch einmal zu verlängern. Die Europäer wollen einen Plan vorstellen. Wir warten.

Was ist Ihr wichtigstes Ziel als Botschafter?

Grenell: Ich möchte Amerikaner und Deutsche an ihre solide Freundschaft erinnern. Wenn es eine große Krise gibt auf der Welt – wir sind auf derselben Seite.

Trump vergibt wichtige Posten zuweilen für sehr kurze Zeit. Auf wie viele Monate in Berlin stellen Sie sich ein?

Grenell: (lacht) Ich diene dem Vergnügen des Präsidenten.

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