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Rente: Zehntausende Rentner müssen nun Steuern zahlen

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Rentenerhöhung 2022: Die wichtigsten Infos

Rentenerhöhung 2022- Die wichtigsten Infos

Die Rente soll Mitte 2022 stärker ansteigen als eigentlich erwartet. Daher haben die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland Grund zur Freude.

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Berlin.  Die Rentenerhöhung führt dazu, dass Zehntausende Rentner zum ersten Mal Steuern auf ihre Bezüge zahlen. Der Fiskus kassiert Millionen.

  • Auf Renten müssen in Deutschland Steuern gezahlt werden
  • Das wird immer mehr Rentnerinnen und Rentner auch in diesem Jahr betreffen
  • Grund dafür ist die satte Rentenerhöhung

Eigentlich dürfen sich die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland in diesem Jahr auf eine Rekorderhöhung ihrer Bezüge freuen. Die Zahlungen aus der gesetzlichen Altersrente steigen Mitte des Jahres um 5,35 Prozent im Westen und um 6,12 Prozent im Osten. Es ist die höchste Anpassung seit dem Jahr 2000. Und sie fällt deutlich stärker aus als zunächst erwartet worden war.

Gerade nach der Corona-bedingten Nullrunde bei der Rente im Westen und dem Mini-Plus im Osten im zurückliegenden Jahr ist die Rentenerhöhung im Prinzip eine gute Nachricht für die Ruheständer. Für eine Rentnerin oder einen Rentner mit 1000 Euro brutto im Monat bedeutet die Erhöhung ab 1. Juli 53,50 Euro mehr im Monat. In Ostdeutschland ist es ein Plus von 61,20 Euro.

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Aber bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass das erwarteten Rekordplus den Menschen im Alltag weniger bringt als vielleicht erhofft. Das hat mehrere Gründe. Da ist zum einen die Inflation, die ebenfalls auf Rekordhöhe ist und durch die massiv gestiegenen Energiepreise befeuert wird.

Rentner sind trotz steigender Energiepreise von der Entlastungspauschale ausgenommen

Auch die Preise für viele Lebensmittel haben zuletzt angezogen. Das hat zur Folge, dass das Rentenplus durch Kaufkraftverlust und Teuerung wieder aufgefressen wird. Ohnehin ist die Stimmung in der älteren Generation derzeit schlecht. Denn sie wird vom Entlastungspaket der Ampel-Regierung teilweise ausgenommen - anders als Millionen Erwerbstätige.

Während Letztere vom Staat eine steuerpflichtige Energiekostenpauschale in Höhe von 300 Euro bekommen sollen, um die gestiegenen Strom- und Gaspreise auszugleichen, geht die überwiegende Mehrzahl der Ruheständler leer aus.

Nur die wenigen, die auch im Rentenalter weiter einen steuerpflichtigen Job ausüben, profitieren. Der Rest muss die Teuerungen im Alltag aus eigener Tasche ausgleichen. Viele Senioren – gerade mit schmaler Rente – sehen darin eine große Ungerechtigkeit. Die hohen Energiekosten treffen sie ja auch.

Zehntausende Renten nach Erhöhung erstmals steuerpflichtig

Nun kommt eine Sache hinzu, die für zusätzlichen Unmut bei zehntausenden Rentnerinnen und Rentnern sorgen dürfte. Denn mit der Erhöhung der Altersbezüge überschreitet ein Teil der Ruheständler erstmals die Schwelle, ab der Steuern auf die Rente fällig werden. Das ist der Fall, wenn der jährliche Freibetrag überschritten wird.

  • Er beläuft sich im Jahr 2022 für Alleinstehende auf 9.984 Euro, für Verheiratete auf 19.968 Euro.
  • Liegt die Rente darüber, greift der Fiskus zu. Und das ist nach der jüngsten Rentenerhöhung bei Zehntausenden erstmals der Fall.
  • Anders gesagt: Auf das Rentenplus folgt das Steuerminus.

So werden nach der Erhöhung im Sommer rund 103.000 Rentnerinnen und Rentner erstmals in die Steuerpflicht rutschen. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht. Die Antwort liegt unserer Redaktion vor.

Besteuerung der Renten bringt dem Staat über 730 Millionen Euro ein

Der Staatskasse beschert dies nach Angaben des Ministeriums mindestens 730 Millionen Euro zusätzlich. Die Gesamtzahl der besteuerten Renten summiert sich laut Finanzministerium nach der Erhöhung auf fast sechs Millionen. Es ist ein neuer Rekord. Bei einer monatlichen Rente von 1200 Euro beispielsweise werden demnach künftig rund 10 Prozent der Erhöhung an Einkommenssteuer abgezogen.

Bei Bezügen von 1500 Euro sind es rund 14 Prozent des Rentenplus. Wer eine monatliche Bruttorente von 2000 Euro erhält, muss mehr als 17 Prozent an Steuern auf den Erhöhungsbetrag zahlen. Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung kommen separat dazu. Diese Entwicklung ist insofern nicht völlig überraschend, als sich die Systematik der Rentenbesteuerung derzeit in einer Umbauphase befindet.

Während bis vor einigen Jahren die eingezahlten Rentenbeiträge der Versicherten besteuert wurden, sollen bis ins Jahr 2040 die ausbezahlten Bezüge zu 100 Prozent der Steuer unterliegen. In den Jahren des schrittweisen Übergangs steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente mit jedem Jahr. 2022 ist ein Anteil von 82 Prozent steuerpflichtig. Entscheidend ist jeweils der Zeitpunkt des Renteneintritts.

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Rente in Deutschland - Fakten und Geschichte

  • System: Die gesetzliche Rente funktioniert nach dem Äquvivalenz- und dem Solidarprinzip.
  • Renten-Arten: Es gibt noch die Grund-, die Erwerbsminderungs- und die Hinterbliebenenrente.
  • Ausnahmen: Eine große Mehrheit der Selbstständigen und Freiberufler sind von der Versicherungspflicht befreit.
  • Finanzierung: Die gesetzliche Rente in Deutschland ist grundsätzlich umlagenfinanziert.
  • Probleme: Die Probleme der Unterfinanzierung ergeben sich hauptsächlich aus der zunehmend älter werdenden Bevölkerung in Deutschland.
  • Drei Säulen: Die Altersvorsorge in Deutschland fußt auf drei Säulen. Dazu gehören die gesetzliche, betriebliche und die private Altersvorsorge.
  • Ursprung: Sie wurde am 22. Juli 1889 unter Reichskanzler Otto von Bismarck offiziell eingeführt.

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Linke: Rentner durch Inflation und Ausschluss von Energiepauschale „doppelt gekniffen“

Selbst wenn der schrittweise Systemwechsel nicht neu ist, dürften es viele betroffene Senioren dennoch ärgern, wenn sie erstmals von der Besteuerung betroffen sind. Denn das bedeutet, dass es neben dem aktuellen Kaufkraftverlust nun auch noch Steuerabzüge gibt. Das Rentenplus fällt damit deutlich schmäler aus.

„Rentnerinnen und Rentner sind doppelt gekniffen“, kritisiert der Sozialpolitiker und Ostbeauftragte der Linke im Bundestag, Sören Pellmann. „Dass sie keine 300 Euro Energiekostenpauschale erhalten, ist inakzeptabel und grenzt an Altersdiskriminierung“, sagt er unserer Redaktion. Die Rentenerhöhung sei nicht mehr als ein Inflationsausgleich.

„Gleichzeitig rutschen über hunderttausend Rentner neu in die Besteuerung. Davon sind überproportional Ostrentner betroffen“, kritisierte Pellmann. Angesichts dieser Entwicklung verlangte der Linken-Politiker, die Energiekostenpauschale müsse auch an Rentner gezahlt werden. Und: „Kleine und mittlere Renten sollten gerade angesichts der explodierenden Preise von der Steuer befreit werden“, forderte Pellmann.

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.

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