Sozialdemokraten

Regionalkonferenz der SPD: So machten sich die Kandidaten

Die Kandidaten für den SPD-Vorsitz im Foyer der Saarbrücker Congresshalle (v.l.): Ralf Stegner, Norbert Walter-Borjans, Alexander Ahrens, Saskia Esken, Karl-Heinz Brunner, Gesine Schwan, Klara Geywitz, Simone Lange, Olaf Scholz, Petra Köpping, Boris Pistorius, Nina Scheer, Karl Lauterbach, Dierk Hirschel, Hilde Mattheis, Christina Kampmann und Michael Roth.

Die Kandidaten für den SPD-Vorsitz im Foyer der Saarbrücker Congresshalle (v.l.): Ralf Stegner, Norbert Walter-Borjans, Alexander Ahrens, Saskia Esken, Karl-Heinz Brunner, Gesine Schwan, Klara Geywitz, Simone Lange, Olaf Scholz, Petra Köpping, Boris Pistorius, Nina Scheer, Karl Lauterbach, Dierk Hirschel, Hilde Mattheis, Christina Kampmann und Michael Roth.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Saarbrücken.  Wer wird SPD-Chef? Die Kandidaten präsentieren sich am Mittwoch bei der ersten Regionalkonferenz in Saarbrücken. So machten sie sich.

Mit dem perfekten Klassenfoto ist das so eine Sache. Mittwoch, 15.03 Uhr, in der Saarbrücker Congresshalle. Auf diesen Moment hat die SPD zwei sehr lange Monate gewartet. Über Marmor schreiten acht Frauen und neun Männer auf einen kreisrunden roten Teppich zu. Thorsten Schäfer-Gümbel, der kommissarische Parteichef der Sozialdemokraten, strahlt wie ein Klassenlehrer, dass er seine Schäfchen beisammen hat. „Wir sind froh, dass es endlich losgeht“, ruft TSG.

Die Fotografen sind unglücklich. „Herr Scholz, man sieht Sie gar nicht“, ruft einer dem Vizekanzler und Finanzminister zu. Er ragt nicht körperlich, aber qua Amt und Erfahrung aus der Bewerberschar um den SPD-Vorsitz heraus. Scholz, ganz Gentleman, versteckt sich erst mal ganz hinten und schaut fast schüchtern seiner jungen Partnerin Klara Geywitz über die Schulter.

Mit viel Zureden wird der 61-Jährige weiter nach vorne bugsiert. Da findet er schließlich seinen Platz zwischen der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange und der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping.

Danach ruhen sich die Kandidaten in einem klimatisierten Raum im Congresszentrum aus. Andere wie Scholz gehen über die Straße, trinken beim Italiener einen Kaffee. Um Punkt 18.00 Uhr startet die Regionalkonferenz. Der Saal ist rappelvoll. 300 Gäste erwartete die SPD, es sind um die 700. Viel weißes Haar, aber auch etliche Jüngere. Alle sind gespannt, welche Rezepte die Bewerberteams für die SPD-Spitze zur Rettung der ältesten deutschen Partei dabei haben.

Was war die größte Überraschung?

Es dauert keine halbe Stunde, da zieht das erste Team zurück. Simone Lange, die Flensburger Oberbürgermeisterin, die mit ihrem Amtskollegen Alexander Ahrens aus dem sächsischen Bautzen ins Rennen ging. Beide werben jetzt dafür, dass Ex-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Saskia Esken die Doppelspitze werden. Lange/Arends galten zwar als chancenlos. Aber ihre Entscheidung stärkt Scholz-Gegner Walter-Borjans, für den schon Juso-Chef Kevin Kühnert trommelt. Aber noch kommen 22 Konferenzen, bis die knapp 430.000 Mitglieder abstimmen. Da kann viel passieren.

Wer waren die Publikumslieblinge?

Das Oldie-Gespann Ralf Stegner und Gesine Schwan. Witzig, selbstironisch, klug. Sie fordern klare Kante bei sozialer Gerechtigkeit, Abrüstung, Grundrente. Professorin Schwan lockt das Publikum charmant auf ihre Seite: „Ich möchte bitten, nur zum Schluss zu klatschen, weil das alles von der Zeit abgeht.“

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Der beste Spruch in Saarbrücken..?

...kam von Stegner. Er habe Respekt für die Altvorderen in der SPD, aber: „Diejenigen, die früher mal in Verantwortung waren, können heute ruhig mal die Klappe halten“, sagt Stegner und jeder weiß, dass er Schröder, Gabriel & Co. meint.

Wie schlug sich Favorit Scholz?

Über weite Strecken solide, ohne große Begeisterung zu wecken. Später blinkt der Finanzminister links, spielt seine Bundespower aus, will die Vermögensteuer wieder einführen: „Wenn die Schweizer das können, dann können wir das auch.“ Als ein wütender Genosse Scholz in der Fragerunde herausfordert, ihm vorwirft, er sei mitschuldig am tiefen Tal der Tränen, wird „Mister GroKo“ munter. Er habe in Hamburg Sozialwohnungen gebaut, da hätten andere das Wort nicht mal buchstabieren können: „Ich bin der Meinung, dass ich ein echter truly Sozialdemokrat bin“, ruft Scholz.

Was war mit der Megafrage GroKo?

Über die Koalition wurde gar nicht so hitzig geredet. Die linken GroKo-Gegner blieben natürlich hart, bekamen einigen Applaus. Scholz und Pistorius warben für das Bündnis. „Macht mal eine Sekunde die Augen zu und stellt euch vor, wir hätten die letzten 20 Jahre nicht mitregiert“, sagte Pistorius.

Wer spielte Foul?

Es ging sehr fair zu. Persönliche Angriffe gab es keine. Die 60-Sekunden-Sprechzeiten hielten, das hat man bei früheren TV-Kanzlerduellen anders erlebt.

Das schrägste Zitat des Abends...lieferte Hilde Mattheis, streitlustige Frau vom linken Flügel: „Wir schrappen an der Fünf-Prozent-Hürde vorbei.“ So schlimm steht es um die SPD noch nicht. in Sachsen waren 7,7 Prozent ein Schock.

Wer stach modisch hervor?

Keiner der Frauen und Männer legte viel Wert auf Style-Punkte. Fünf kamen in Turnschuhen, Klara Geywitz mit grüner Lederjacke, Scholz in seiner gewohnten schwarz-weißen Minister-Uniform.

Wie funktionierte die Mega-Talkrunde?

Überraschend gut. Die Fragerunden wirkten etwas zäh. Moderator Klaus Tovar, Leiter der SPD-Parteischule, der einst Manuela Schwesig auf Karriere trimmte, machte seine Sache prima. Die Stimmung an der Saar war zugewandt. Trotz etlicher Wahlpleiten und Schockumfragen vermittelten die Kandidaten, dass die SPD noch lebt. Die Saarbrücker Genossen jubelten, als zum Schluss alle 17 winkten.

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