Kommentar

Polizeigewalt in den USA – Die Geduld ist aufgebraucht

Trump spricht von Floyd - und erntet Kritik

Ein Satz aus dem Mund des US-Präsidenten, der für Erstaunen und Entsetzen sorgt. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington, äußert Donald Trump, dass sich der getötete George Floyd über die neuesten Arbeitsmarktzahlen freuen würde. Die oppositionellen Demokraten reagieren prompt auf Trumps Aussage.

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Washington.  Rassismus und Diskriminierung sind tief in der Geschichte der USA verankert. Warum der Tod von George Floyd ein Wendepunkt sein könnte.

Der grausame Tod von George Floyd, dem das Lebenslicht von der Polizei aus dem Leib gepresst wurde, war ein Stromschlag besonderer Heftigkeit für Amerika. Einem Land, das nach dreieinhalb Jahren Donald Trump-Chaos und drei Monaten Coronavirus moralisch und mental mit den Nerven herunter ist, stellen sich nahezu kollektiv die Haare auf.

Das Aufbegehren und die nach anfänglicher Wutentladung dominierende Aufbruchstimmung, vor allem die beeindruckende demographische Vielfalt, bei den nicht abreißenden Protestmärschen ist eine nicht zu leugnende neue Qualität. Lesen Sie mehr zu den Unruhen in den USA in unserem Newsblog.

Polizeigewalt in den USA – Die Geduld mit den Missständen ist aufgebraucht

Die öffentliche Geduld mit horrenden Missständen, die Jahrhunderte alte Wurzeln haben, scheint aufgebraucht. Daraus abzuleiten, dass wirkliche Umwälzungen unmittelbar bevorstehen, ist jedoch falsch. Mit “Wendepunkten” in der Geschichte, gerade, was die aus der Sklavenzeit konservierte Polizeibrutalität gegenüber Schwarzen angeht, kann man seit den Unruhen in Los Angeles/Watts Mitte der 60er Jahre die amerikanische Landkarte spicken. Lesen Sie auch: Tod von George Floyd – Haben US-Polizeireformen eine Chance?

Namen wie Trayvon Martin, Michael Brown, Walter Scott oder Freddy Gray stehen dafür, dass der Fortschritt eher kosmetisch war und nur im Zeitlupentempo daherkam. Zugespitzt: Was nützt ein schwarzer Polizeichef, wenn schlecht ausgebildete und miserabel bezahlte Officer weiter mit blinder Rigorosität in jedem Afro-Amerikaner eine Bedrohung sehen und im Notfall erst schießen und dann fragen?

Das Gift der Diskriminierung wirkt in den USA noch immer

Bei allen uneingeschränkt notwendigen Versuchen, dem Problem mit der Verfeinerung polizeilicher Handlungsvorschriften beizukommen, was dieser „Law and Order”-Präsident und seine Republikaner nach Kräften hintertreiben werden, darf nicht vergessen werden, warum George Floyd die Luft zum Atmen genommen wurde. Lesen Sie auch: Warum Donald Trumps Rassismus alles noch schwerer macht

Das Gift der Diskriminierung in der amerikanischen Gesellschaft ist immer noch hoch wirksam. Inneren Frieden wird das Land nur finden, wenn Gerechtigkeit an die Stelle von struktureller Ungleichheit tritt.

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