Kommentar

Offene Corona-Rechnung: Was kostet die Pandemie?

Konjunkturpaket: So profitieren Verbraucher

Die Regierung hat verschiedene Maßnahmen beschlossen, um Deutschland aus der wirtschaftlichen Krise herauszubringen. Welche der Maßnahmen sich an Verbraucher richten, erläutert das Video.

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Berlin.  Die Bundesbürger stehen vor einer ernüchternden Corona-Rechnung. Die Ausbreitung der Kosten ist so unkalkulierbar wie das Virus selbst.

Mit den Kosten der Corona-Krise ist es wie mit dem Virus selbst: Je länger die Pandemie dauert, desto unübersichtlicher wird es. Jeden Tag liefern Studien neue Puzzleteile zur Erforschung von Sars-CoV-2 und seiner Wirkung. Das Puzzle wird dadurch erst mal nicht einfacher, sondern komplexer. Genauso ist es mit den Kosten.

Der Staat spannt gewaltige Rettungsschirme, schnürt ein historisch einmaliges Konjunkturpaket – und muss zusehen, wie an allen Ecken und Enden neue Lücken klaffen. Niemand kann deswegen heute ehrlicherweise sagen, wo das Land am Ende des Jahres stehen wird. Wegen der unkalkulierbaren Ausbreitung des Virus. Aber auch wegen der viralen Ausbreitung der Kosten.

Coronavirus-Pandemie: Wie geht die Rechnung am Ende aus?

Drei Monate, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell von einer Pandemie sprach, wird deutlich, dass es noch viele weitere Monate dauern wird, um die endgültige Rechnung für die schwerste Gesundheitskrise der Nachkriegszeit aufzustellen. Das liegt auch daran, dass die Pandemie nicht nur Kosten verursacht, sondern in einigen Bereichen auch Kosten eingespart wurden.

Beispiel Krankenkassen. Klar ist: Die gesetzlichen Kassen müssen den Preis für die Behandlung der Covid-19-Patienten zahlen, sie müssen Intensivbetten vorhalten und die Corona-Tests bezahlen. Umgekehrt haben die Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte in den ersten Wochen der Pandemie zahllose, oft teure Operationen abgesagt, Eingriffe verschoben und damit auch weniger Reha-Kosten verursacht. Und: Durch die sechsmonatige Senkung der Mehrwertsteuer sparen die Kassen bei den Kosten für Arzneimittel. Lesen Sie hier: Wird wegen der Corona-Krise die Krankenkasse teurer?

Unklar ist, wie die Rechnung am Ende ausgeht – zumal heute noch überhaupt nicht abzusehen ist, wie schwer die ökonomischen und gesundheitlichen Langzeitfolgen des Lockdowns wiegen: Niedrigere Beschäftigung bedeutet niedrigere Beitragseinnahmen. Hinzu kommen offene Fragen: Was ist mit Spätschäden durch unbehandelte Infarkte oder Schlaganfälle? Was ist mit den Folgen verpasster Impfungen, Krebsvorsorgen oder psychiatrischer Therapien?

Kosten im Gesundheitswesen werden steigen

Die Regierung geht längst davon aus, dass die Kassen mit Milliardensummen aus dem Steuertopf unterstützt werden müssen. Bereits im aktuellen Konjunkturpaket sind 3,5 Milliarden Euro zur Stärkung der Krankenkassen beschlossen.

Das Ziel: Die Sozialbeiträge für Arbeitnehmer sollen insgesamt nicht über 40 Prozent steigen. Sicher ist, dass das auf Dauer nicht reicht: Denn die Kosten im Gesundheitswesen werden in den kommenden Jahren weiter steigen, ganz unabhängig von der Pandemie.

Stichwort Pflege: Mehr Personal und höhere Löhne bei den lautstark gefeierten „Helden des Alltags“ kosten Geld. Stichwort Infektionsschutz: In der Pandemie hat das Land bitter gelernt, dass man Gesundheitsämter nicht totsparen darf, sondern aufrüsten muss. Stichwort alternde Gesellschaft: Die vielen Opfer in Pflegeheimen haben schlaglichtartig gezeigt, wie wichtig Sorgfalt und Schutz gerade hier sind.

Das alles kostet Geld. Hätte die Pandemie das Land zwei Jahre früher erreicht – viele hätten wohl gefordert, den Soli nicht abzuschaffen, sondern umzuwandeln, in einen Gesundheits-Soli.

So stehen die Bundesbürger gerade vor einer ernüchternden Corona-Rechnung: Bis Jahresende sparen sie beim Einkauf ein paar Euro, wegen der niedrigen Mehrwertsteuer. Bis Jahresende dürfte es auch keine Beitragserhöhung geben. Danach aber kann aus dem Plus schnell wieder ein Minus werden – sollten die Kassen trotz Steuerzuschüssen in die Knie gehen. Abgerechnet wird erst am Ende.

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