Integration

NRW will Hilfe für schwierige Azubis ausweiten

Das Handwerk wirbt für die „Assistierte Ausbildung“, die auch benachteiligten Jugendlichen einen Abschluss ermöglichen soll.

Das Handwerk wirbt für die „Assistierte Ausbildung“, die auch benachteiligten Jugendlichen einen Abschluss ermöglichen soll.

Foto: Getty Images

Düsseldorf.   Rund 2800 Lehrlinge bekommen in den Betrieben Betreuer an die Seite. NRW will das Angebot nun ausweiten. In der Praxis sind die Vorbehalte groß.

Jugendliche, die schlechte Noten oder keinen Schulabschluss haben, können in Nordrhein-Westfalen ein Angebot nutzen, das bisher noch fast unbekannt ist: die „Assistierte Ausbildung“ (AsA). Dabei bekommen sowohl der Lehrling als auch der Ausbildungsbetrieb Hilfe von Spezialisten, die sich um alle Probleme während der Ausbildung des Jugendlichen kümmern. Die Arbeits- und Sozialminister der Länder möchten die Assistierte Ausbildung nun deutlich ausweiten. Sie habe sich bewährt.

Rund 2800 junge Frauen und Männer machen nach Angaben der NRW-Arbeitsagentur derzeit eine Assistierte Ausbildung. Das Angebot gibt es bereits seit 2015. Heike Börries, Sprecherin der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, erklärt, dass lernbeeinträchtigte Jugendliche mit der AsA einen normalen Berufsabschluss erhalten könnten. Über einen Träger würden die Jugendlichen meist ab der Arbeitsplatzsuche und während der Ausbildung unterstützt.

Eine Chance für Jugendliche

„Die Jugendlichen werden individuell gefördert“, versichert Börries. Dies könne zum Beispiel zusätzlicher Sprachunterricht oder Hilfe bei Problemen im sozialen Umfeld sein, heißt es im NRW-Sozialministerium. Die Politik hat große Pläne mit der AsA: Der Zugang soll vereinfacht und die Bedürfnisse der einzelnen Branchen besser berücksichtigt werden.

„Die Jugendlichen brauchen eine Chance“ – So wirbt die Bundesagentur für Arbeit in einer Broschüre bei Arbeitgebern für die Assistierte Ausbildung. Schulschwache Jugendliche und solche mit Migrationshintergrund hätten oft viel mehr drauf, als es auf den ersten Blick erscheine. In Schulnoten und Zeugnissen spiegele sich nur ein Teil dessen wider, was diese Menschen tatsächlich können, heißt es.

Kammerpräsident: Anreiz für Betriebe zu gering

Die Sozialminister und die Bundesagentur trommeln also kräftig für die Assistierte Ausbildung, aber diejenigen, die die AsA besonders angeht – die Jugendlichen und die Lehrbetriebe – sind noch äußerst skeptisch. Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf (HWK), weiß, dass in der Praxis Betriebe und Jugendliche eher verhalten auf das Angebot reagieren. „Fakt ist, dass es den Agenturen für Arbeit von Beginn an nicht gelingt, alle eingekauften Plätze auch mit Teilnehmern zu besetzen. Und das trotz aller Werbung dort wie von Kammerseite“, berichtet Handwerkspräsident Ehlert. „Die Jugendlichen – es handelt sich hier ja immer um nicht leicht einzugliedernde – sind vielfach nicht bereit, sich über Monate an einen Betreuer zu binden, der sie begleitet.“

Die Betriebe wiederum hätten nur bedingt ein Interesse daran, Jugendliche mit einem erhöhten Förderbedarf in Ausbildung zu nehmen. Ehlert: „Die Betriebe holen sich bei dieser Förderung nicht nur einen jungen Menschen ins Haus, der in der betrieblichen Unterweisung einen erhöhten Einsatz erforderlich macht, sondern zugleich auch noch einen Betreuer, mit dem es zusätzlichen Abstimmungsbedarf geben wird.“ Für die Handwerkskammer lautet daher das Fazit: „Für die Betriebe ist der Anreiz zu klein, um den voraussehbaren Schwierigkeiten zu begegnen.“

Arbeitsministerium: Programm nicht nur für Flüchtlinge

Dennoch wirbt das Handwerk aktiv für die Assistierte Ausbildung. Gerade um junge Flüchtlinge in die Berufsausbildung zu bringen, sei sie sinnvoll, versichert Andreas Ehlert. Von der Arbeitsagentur und dem NRW-Arbeitsministerium heißt es, dass sich das Programm mitnichten nur an Flüchtlinge richte, sondern an alle „jungen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, die einen Förderbedarf“ haben. Es sei auch für alle Branchen geeignet.

Von Experimenten mit der bewährten dualen Ausbildung hält die Handwerkskammer übrigens wenig. Eine „Ausbildung light“ ist ihr ein Graus. „Um unseren Fachkräftebedarf zu decken, brauchen wir umfassend ausgebildete junge Menschen, die ihr Handwerk in seiner ganzen Breite beherrschen. Die auch dem Kunden gegenüber Rede und Antwort stehen können,“ betont Ehlert. „Ausbildung light führt nicht zu Fachkräften, sondern zu Helfern mit Schmalspurwissen.“

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