Politikerin

Neuseelands neue Außenministerin trägt Gesichtstattoo

Ardern gewinnt Wahl in Neuseeland haushoch

Die Labour-Partei der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern hat die Parlamentswahl klar für sich entschieden. Nach Auszählung von drei Vierteln der Stimmen kommen die Sozialdemokraten auf rund 50 Prozent.

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Wellington.  Das neue Parlament Neuseelands ist so divers wie nie. Exemplarisch dafür steht Nanaia Mahuta. Sie ist Māori – und im Gesicht tätowiert.

Nach der Wahl im Oktober hat die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern ihr neues Parlament vorgestellt. Unter den Ministerinnen und Ministern, die in der nächsten Legislaturperiode die Geschicke Neuseelands lenken werden, sind auch zwei Māori, die indigene Bevölkerung Neuseelands.

Im neuen Parlament sticht vor allem die Außenministerin Nanaia Mahuta heraus, was vor allem an ihrem moko kauae liegt – einem traditionellen Gesichtstattoo, das sich von der Unterlippe bis zum Kinn erstreckt. Tattoos wie das von Nanaia Mahuta haben in Neuseeland eine starke symbolische Bedeutung und verraten viel über die Geschichte eines Menschen, über dessen Familie und sozialen Status.

Nanaia Mahuta ist eine wichtige Stimme der Māori

Als sich Mahuta tätowieren ließ, sei ihr die Tragweite dieser Entscheidung nicht bewusst gewesen, erzählt sie dem Radiosender „Radio New Zealand“: „Ich habe bloß über langfristige Erwartungen an meinen Lebensweg nachgedacht und darüber, wie ich mich weiterentwickeln und einen Beitrag leisten kann. Das war der Hauptgrund für mich“.

Nanaia Mahuta ist für die indigenen Māori eine wichtige Identifikationsfigur. Das liegt nicht nur an ihrem Tattoo, sondern vor allem an der politischen Arbeit, die die 50-jährige seit vielen Jahren leistet. Als Nichte der ehemaligen Māori-Königin und entfernte Verwandte des aktuellen Königs ist sie unter den Māori hoch angesehen.

Seit Jahrzehnten kämpft die neue Außenministerin für die Rechte der Indigenen

Außerdem kämpft sie seit Jahrzehnten für die Rechte der Indigenen und die Einhaltung des Vertrages von Waitangi – eines der Gründungsdokumente Neuseelands, dass die Beziehungen zwischen den Māori und der britischen Krone festlegt.

Auch deshalb ist Nanaia Mahuta, die erste Parlamentsabgeordnete mit traditionellem Gesichtstattoo, auf beiden Seiten des politischen Spektrum respektiert. Simon Bridges, der ehemalige Chef der konservativen National Party, sagte ihr: „Auf internationaler Ebene ist es eine wichtige Zeit, Sie werden großartig sein.“

Neuseeland „dekolonisiert“ seine Außenpolitik

Golriz Ghahraman, das erste geflüchtete Parlamentsmitglied Neuseelands, von der grünen Partei, war wegen der Wahl Mahutas „aufgeregt“. Das Land würde nun seine Stimme in der Außenpolitik „dekolonisieren“.

Für Premierministerin Ardern gab Mahutas Fähigkeit, schnell Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen zu können, den Ausschlag für ihre Wahl. „Das ist eine der wichtigsten Aufgaben für eine Außenministerin“, so Ardern am Montag.

Eines der diversesten Parlamente der Welt

Das wird eines der diversesten der Welt. Nahezu die Hälfte aller Abgeordneten sind weiblich, zehn Prozent sind offen LGBTQ – so viele wie in keinem anderen Land weltweit.

Vertreter der Māori sind erfreut über die Wahl Mahutas zur Außenministerin – sie habe ihre vorherige Aufgabe als Ministerin für die Entwicklung der Māori gut gemeistert und werde weiter dafür sorgen, dass die Stimme der indigenen Völker Neuseelands gehört würden.

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