Bildung

Neue Inklusions-Strategie in NRW sorgt für Unruhe

Derzeit findet an rund 1000 weiterführenden Schulen und vielen Grundschulen Unterricht statt, in dem Kinder mit und ohne eine Behinderung unterrichtet werden.

Derzeit findet an rund 1000 weiterführenden Schulen und vielen Grundschulen Unterricht statt, in dem Kinder mit und ohne eine Behinderung unterrichtet werden.

Foto: Jörg Carstensen

Essen.   NRW will die Inklusion neu aufstellen und ab 2019 weniger Schulen gezielter fördern. Vorab werden Forderungen nach mehr Fachkräfte laut.

An den weiterführenden Schulen sorgt die Kursänderung der schwarz-gelben Landesregierung in der Inklusion für erhebliche Unruhe. Mehrere weiterführende Schulen haben sich mit Hilferufen und Brandbriefen an die Verbände gewandt, weil sie bereits ab dem kommenden Schuljahr mehr Grundschüler mit Förderbedarf aufnehmen sollen, dazu zunächst aber kein zusätzliches Personal erhalten werden. Das berichtet die Erziehungsgewerkschaft GEW.

„In den Schulen herrscht das Gefühl vor, dass sie in Entscheidungen zur Inklusion nicht mehr eingebunden sind“, sagte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer dieser Zeitung.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will die Inklusion in NRW neu aufstellen. Dazu soll die Anzahl der weiterführenden Schulen, an denen Kinder mit und ohne Behinderung unterrichtet werden, von derzeit rund 1000 auf eine noch nicht bekannte Anzahl reduziert werden. Diese Schulen des Gemeinsamen Lernens mit genügend Sonderpädagogen, geschulten Lehrkräften und kleinen Klassenräumen sollen ab 2019 gezielt gefördert werden.

Bereits zum nächsten Schuljahr 2018/19, so GEW-Chefin Schäfer, wiesen Städte und Schulaufsicht den Schulen aber mehr Kinder mit Förderbedarf zu – waren es bisher im Durchschnitt zwei, sind es nun mindestens drei je fünfte Klasse. „Dort muss die Ausstattung schon jetzt besser werden“, forderte Schäfer.

Für zusätzlichen Verdruss sorgt, dass das Schulministerium die Eckpunkte der neuen Inklusionsstrategie trotz wiederholter Ankündigung noch nicht veröffentlicht hat. Hintergrund ist offenbar, dass die Finanzierung der geplanten Schulen mit dem Schwerpunkt Inklusion noch nicht gesichert ist. Am Freitag wurde in Düsseldorf kolportiert, dass Gebauer diesmal besonders hartnäckig mit Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) verhandeln müsse. Das Kabinett entscheidet am Dienstag. GEW-Chefin Schäfer stimmt diese Zurückhaltung skeptisch. „Wir dürfen nicht zu einer Inklusion nach Kassenlage kommen“, mahnte sie. „Damit wird das Recht auf inklusive Bildung untergraben.“

Kritik an vermeintlicher Bevorteilung der Förderschulen

Wolfgang Blaschke vom Elternverein mittendrin bemängelte, dass Förderschulen bei der Verteilung der begehrten Sonderpädagogen bevorzugt werden sollen. Gebauer hat diese Strategie damit gerechtfertigt, dass an den Förderschulen viele Jahre Fachkräfte abgezogen worden seien. Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW unterstützt die Stoßrichtung der Elternkritik. „Die geplante Bündelung der Ressourcen darf nur eine Übergangslösung sein“, sagte VBE-Landesvorsitzender Stefan Behlau.

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