ZDF-Doku

„Mensch Schröder!“: Vom Juso-Chef zum Genossen der Bosse

Foto: Björn Lindenblatt / Spiegel TV / ZDF und Björn Lindenblatt / Spi

Die Doku „Mensch Schröder!“ wirft einen Blick auf das Leben des Ex-Kanzlers. Den Menschen Schröder einzufangen, gelingt aber kaum.

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Vor einem Dutzend Jahren gehörten sie zu den mächtigsten Leuten der Republik, nun lassen Ex-Kanzler Gerhard Schröder, sein früherer Innenminister Otto Schily und der ehemalige RWE-Boss Jürgen Großmann zusammen mit dem Maler Markus Lüpertz die Skat-Karten und den Rotwein kreisen und haben offensichtlich Spaß dabei. Ein Ex-Stasi-Offizier rundet den Fünfer-Club ab. Wer hier das Sagen hat, ist klar. „Ich spiele Skat sehr aggressiv“, lacht Schröder und teilt aus.

Gern würde man Mäuschen spielen und mitbekommen, was der fröhliche Altherrenclub so zu besprechen hat. Doch die Kamera ist nicht lange dabei – Gerhard Schröder lässt sich eben nicht gern in die Karten gucken.

Kindheit im dörflichen Westfalen

„Mensch Schröder!“ heißt die Dokumentation von Florian Huber. Zu oft jedoch schwenkt der Blick gerade dann weg, wenn es spannend wird und der Mensch Schröder hinter dem (Ex-)Politiker durchscheint. Was bleibt, ist ein Bilderbogen aus meist bekannten Ansichten einer spektakulären Politikerkarriere – eine Doku, die ihre Stärken in den kleinen Momenten am Rande hat.

Kindheit in ärmlichen Verhältnissen im dörflichen Westfalen, wo die Familie „eher von hinten über die Schulter angesehen wurde“, wie Gerhard Schröder sich erinnert; Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Jura-Studium, Eintritt in die SPD, Ministerpräsident, Bundeskanzler. „Ich hab’s ihnen gezeigt“, sagt der heute 72-jährige Schröder rückblickend nicht ohne Stolz, wenn er an die abschätzigen Blicke der Nachbarn in Westfalen zurückdenkt.

Schröder hat sich durchgesetzt

Schröder war einer, der nach oben wollte und der sich mit immenser Willenskraft gegen viele Widerstände durchgesetzt hat. Er trinke „gern und viel Bier“, heißt es in Schröders Stasi-Akte, und zwar „immer große Gläser“. Schröder fühlt sich sichtlich geschmeichelt, als er die Akte zum ersten Mal durchblättert.

Die Doku zeigt den Wandel vom Barrikaden stürmenden Juso-Chef bis zum Genossen der Bosse im Kanzleramt. Schröder war stets „jemand, der sich inszenieren konnte“, wie Thomas Gottschalk berichtet. Der Showmaster empfing 1999 den damaligen Kanzler bei „Wetten, dass..?“, was seinerzeit ein ziemlicher Aufreger war. Gottschalk erinnert sich an Schröder als authentisch und „kantig“.

Über seine Kontakte nach Russland will er nicht sprechen

Ein Aufreger ganz anderen Kalibers sind bis heute Schröders Kontakte nach Russland im Allgemeinen und zu Wladimir Putin im Besonderen. Doch das werde er „nicht öffentlich ausbreiten“, kanzelt er den Fragesteller ab.

Doris Schröder-Köpf, die letzte der vier Ehefrauen Schröders, kommt zu Wort, lobt aber vor allem ihre eigene Rolle als Ratgeberin des Politikers Schröder. Er habe „in jeder Lebensetappe die passende Partnerin“ gehabt, heißt es in dem Film. Seit Herbst leben auch Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf in Scheidung. Immerhin: Für dieses vierfache Scheitern übernimmt Schröder die Verantwortung: „Wenn da was schiefgegangen ist, lag das mehr an mir als an meinen Frauen.“

Fazit: Der Titel der Doku verspricht mehr Spannung, als die Dreiviertelstunde hält – dennoch unterhaltsam.

ZDF, Dienstag, 7. März, 20.15 Uhr

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