Erneuerbare Energien

Mehr als halbiert: Windkraftausbau in NRW bricht ein

Windräder auf Feldern in der Nähe von Kamp-Lintfort: Der Branchenverband LEE will die Akzeptanz solcher Anlagen durch „attraktive Strombezugsmodelle“ stärken.

Windräder auf Feldern in der Nähe von Kamp-Lintfort: Der Branchenverband LEE will die Akzeptanz solcher Anlagen durch „attraktive Strombezugsmodelle“ stärken.

Foto: Lars Heidrich

An Rhein und Ruhr.   In den ersten neun Monaten 2018 gingen nur 102 neue Anlagen ans Netz. Branche klagt: Die Landesregierung sorgt für hochgradige Verunsicherung.

In Nordrhein-Westfalen ist der Windkraftausbau ins Stocken geraten. Nach Angaben des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE) gingen in den ersten neun Monaten insgesamt 102 Windräder mit einer Leistung von 315 Megawatt in Betrieb, im Vorjahreszeitraum waren es mehr als doppelt so viele (249 Anlagen mit 679 Megawatt). „Das ist bereits der Beginn der Bremsspur, die die Landesregierung zu verantworten hat“, klagte der Verbandsvorsitzende Reiner Priggen gegenüber der NRZ und verwies auf die wichtige Rolle der Windkraft für ein gelingen der Energiewende.

Mit der Ankündigung, einen laut Priggen rechtlich nicht haltbaren Mindestabstand von 1500 Metern zur Wohnbebauung einzuführen, habe die schwarz-gelbe NRW-Regierung Investoren und die für die Genehmigungsverfahren zuständigen Kommunen „hochgradig verunsichert“. Zudem gerieten Projekte durch Naturschutz-Klagen ins Stocken. Beim LEE fürchtet man, dass die Zahlen in den nächsten Jahren noch weiter zurückgehen und der Windkraftausbau zu erliegen droht.

Münsterland liegt vorn

Für das laufende Jahr rechnet der Branchenverband LEE nur noch mit einem Zubau von 400 von 450 Megawatt Leistung (2017: 869 Megawatt).

Die Energieagentur des Landes ist etwas zuversichtlicher. Sie geht von 500 Megawatt aus; sagt aber auch schon jetzt, dass dieses Volumen in 2019 nicht mehr erreicht werde. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gingen die meisten neuen Windräder laut LEE einmal mehr im Münsterland in Betrieb – nämlich 40 Anlagen mit insgesamt 138 Megawatt Leistung. Im Regierungsbezirk Düsseldorf, zu dem auch der Niederrhein gehört, waren es lediglich 16 mit 47 Megawatt.

Insgesamt drehten sich Ende September 2018 in NRW insgesamt 3.659 Windräder mit einer installierten Leistung von 5.772 Megawatt. Der Anteil der Windenergie am Stromverbrauch im größten Bundesland lag laut jüngsten Zahlen bei etwa 7% (Stand: Jahres 2017). Um die Akzeptanz von Windrädern zu stärken, wirbt der Branchenverband LEE für attraktive Strombezugsmodelle und eine kommunale Beteiligung an der Wertschöpfung der Anlagen.

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