Lieferengpässe

Medikamente sind in NRW immer öfter vergriffen

Nicht immer sind die gewünschten Pillen vorrätig.

Foto: Matthias Hiekel

Nicht immer sind die gewünschten Pillen vorrätig. Foto: Matthias Hiekel

Düsseldorf.   Immer häufiger hören Patienten in NRW-Apotheken, dass ihre Arznei gerade nicht vorrätig ist. Drei Gründe gibt es für die Lieferengpässe.

„Diese Arznei ist leider gerade nicht da“ – immer häufiger hören Kunden in Apotheken Sätze wie diesen. Schon lange gibt es Lieferengpässe bei Medikamenten, die Grippe- und Erkältungswelle der vergangenen Wochen hat die Lage noch verschärft. Die Apothekerverbände in NRW fordern die Politik zum Handeln auf. Sie ärgert besonders das System der Rabattverträge, das die Situation weiter verschärfe.

Wer rezeptpflichtige Medizin braucht, bekommt sie nicht immer gleich und in jeder Apotheke. Antibiotika sind immer mal wieder nicht erhältlich, auch manche Blutdruck- oder Cholesterinsenker. Vor einiger Zeit betraf es Schilddrüsen-Präparate, aktuell gibt es – saisonal bedingt – Lieferprobleme beim Fiebermittel Ibuprofen und Codein-haltigen Hustentropfen, erklären die Apothekerverbände.

„Im Grunde reden wir hier über alle möglichen Arten von Medikamenten. Seit ein paar Monaten gibt es zum Beispiel Probleme bei der Lieferung von Impfstoffen“, erklärt der Bottroper Apotheker Florian Mies vom Apothekerverband Westfalen-Lippe. Es sei schon vorgekommen, dass ein Pharmahersteller eine einzelne, im Handel nicht mehr erhältliche Arznei im Wert von 38 Euro mit dem Taxi von Hamburg nach Bottrop geschickt hat, weil ein Patient sie dringend brauchte.

Drei Gründe für die Engpässe

„Niemand bleibt unversorgt. Aber Patienten und Apotheker müssen flexibler sein als früher“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbandes Nordrhein, der WAZ. Engpässe verschärften sich aus drei Gründen. Oft, so Preis, stellten nur wenige Firmen wichtige Medikamente zentral im Ausland her, zum Beispiel in Fernost. Gebe es dort Produktionsprobleme, werde die Versorgung überall kritisch. „Zweitens gibt es weltweit einen ,Run’ auf Antibiotika und andere Medikamente, weil sich die Gesundheitsversorgung auch in Schwellenländern bessert.“ Und in Deutschland komme es zu Lieferengpässen wegen des Systems der Rabattverträge. „Wenn ein Medikament, das ein Patient nehmen soll, mal nicht vorhanden ist, kann es nicht so einfach durch ein anderes ersetzt werden“, so Preis.

Preis und seine Kollegen fordern, Rabattverträge nicht mit einem Hersteller zu schließen, sondern mindestens mit drei. Außerdem müssten Hersteller klarer sagen, wenn es Lieferprobleme gebe. Die Regierung müsse sich stark machen dafür, dass auch bei steigender globaler Nachfrage die Versorgung in Deutschland gut funktioniere.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik