Bildungstest

NRW-Grundschüler haben Probleme beim Rechnen und Schreiben

Bei der Lesekompetenz blieb das Niveau der Viertklässler stabil. Anders sieht es aber beim Rechnen oder bei der Rechtschreibung aus, hier sank das Niveau ab.

Bei der Lesekompetenz blieb das Niveau der Viertklässler stabil. Anders sieht es aber beim Rechnen oder bei der Rechtschreibung aus, hier sank das Niveau ab.

Foto: Felix Kästle

Essen.  Knapp 30.000 Grundschüler nahmen am bundesweiten Bildungstest teil. Das Ergebnis ist aus NRW-Sicht ernüchternd. Was die Landesregierung tun will.

Probleme bei Mathe-Aufgaben und Mängel bei der Rechtschreibung – das Niveau von Deutschlands Grundschülern ist in den vergangenen Jahren in wichtigen Bereichen gesunken. Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends 2016 hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag veröffentlichte. Von Bundesland zu Bundesland gibt es dabei große Unterschiede. Ein Überblick.

Wer hat am Bildungstrend teilgenommen und was wurde getestet?

Bundesweit nahmen knapp 30 000 Viertklässler am Test teil. Geprüft wurde an rund 1500 Grund- und Förderschulen in allen 16 Bundesländern. Im Fach Deutsch ging es dabei um die Lesefähigkeit, das Zuhören und die Rechtschreibung, in Mathematik um Rechnen, Logik und Geometrie.

Was sind die zentralen Ergebnisse der Studie?

Die Lesekompetenz der Viertklässler blieb gegenüber dem Vergleichsjahr 2011 weitgehend stabil. Etwa zwei Drittel aller Schüler erreichten das Regelniveau. Bei der Rechtschreibung sind dies über die Hälfte. Beim Zuhören und in der Orthografie weist die Entwicklung aber insgesamt nach unten: Der Anteil der Kinder, die die Regelstandards im Bereich Zuhören erreichen oder übertreffen, ist von 74 auf 68 Prozent gesunken, bei der Rechtschreibung von 65 auf 55 Prozent. Auch beim Rechnen kann das Niveau nicht gehalten werden. Der Anteil der Schüler, die die Regelstandards im Fach Mathematik erreichen oder übertreffen, ist von 68 auf 62 Prozent gesunken.

Gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen?

Ja. Wie schon 2011 zeigten Mädchen bessere Leistungen im Fach Deutsch, besonders bei der Rechtschreibung. Jungen erzielen im Durchschnitt bessere Leistungen in Mathe. Mädchen schätzen zudem ihre mathematischen Fähigkeiten niedriger ein als gleich kompetente Jungen.

Welchen Einfluss hat die Herkunft?

Im internationalen Vergleich ist in Deutschland immer wieder von einer besonders hohen Abhängigkeit zwischen Schulleistungen und sozialer Herkunft die Rede. Das schlägt sich auch im aktuellen Grundschultest nieder. Allerdings: Die Kopplung von sozialem Hintergrund und erreichten Leistungen habe sich nicht verstärkt, schreiben die Studienautoren. Auch Migrantenkinder schnitten im Durchschnitt schlechter ab als Kinder ohne Migrationshintergrund. Die Unterschiede haben sich aber seit 2011 kaum verändert.

Wie fällt der Vergleich zwischen den Bundesländern aus?

Die Unterschiede im bildungsföderalen Deutschland sind teils erheblich. Beispiel Zuhören: Seit 2011 hat sich der Anteil von Kindern, die mindestens die Regelstandards erreichen, in fünf Ländern deutlich verkleinert, etwa in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Im Fach Mathematik liegen die Bayern an der Spitze, gefolgt von Sachsen und Sachsen-Anhalt. Am Tabellenende stehen hier neben Nordrhein-Westfalen Berlin und Bremen.

Was sagt die Landespolitik zum Abschneiden der NRW-Grundschüler?

„Die schlechten Ergebnisse der Studie für NRW belegen, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Stärkung der Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen längst überfällig ist“, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Sie zweifelt insbesondere am Sinn der umstrittenen Methode „Lesen durch Schreiben“. „Die Ergebnisse können uns nicht ruhen lassen. Sie machen deutlich, dass Kinder aus bildungsschwachem Umfeld dringend mehr Unterstützung brauchen. Das geht nur mit einem Dreiklang: Grundschulehramt aufwerten, mehr in Lehrerbildung investieren und zusätzlich qualifiziertes Personal für den Ganztagsunterricht einplanen“, sagte die Bildungsexpertin der Grünen-Fraktion, Sigrid Beer. Der Schulexperte der SPD-Fraktion, Jochen Ott, forderte den Abbau von sozialer Ungleichheit im Schulsystem. Schulen in benachteiligten Quartieren benötigten mehr Unterstützung und mehr Lehrer.

Was fordern die Lehrerverbände?

Peter Silbernagel vom Philologenverband NRW will ein radikales Umdenken. In den Grundschulen müssten wieder verstärkt Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen vermittelt werden. Man müsse nicht mehr jedem Trend hinterherlaufen und mit Lehrmethoden experimentieren. Maike Finnern von der Gewerkschaft GEW sagte, der Bildungserfolg müsse endlich von der sozialen Herkunft abgekoppelt werden. Sie schlägt vor, Schulen in einem sozial schwierigen Umfeld besonders gut mit Lehrern und Sozialpädagogen auszustatten. Auch Udo Beckmann (Gewerkschaft VBE) sagt, „bei der finanziellen und personellen Ausstattung der Schulen und bei der Fortbildung der Lehrer wird die zunehmende Uneinheitlichkeit der Schülerschaft nicht ausreichend mitgedacht“.

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