Arbeitslosenreport NRW

Wohlfahrt sieht Berufseinsteiger von Corona schwer getroffen

Von der Schule in den Beruf, der Weg ist für junge Menschen in der Corona-Zeit erschwert. Es gab laut Wohlfahrtspflege NRW deutlich weniger Fördermaßnahmen zur Unterstützung junger Menschen.

Von der Schule in den Beruf, der Weg ist für junge Menschen in der Corona-Zeit erschwert. Es gab laut Wohlfahrtspflege NRW deutlich weniger Fördermaßnahmen zur Unterstützung junger Menschen.

Foto: André Elschenbroich / WAZ FotoPool

Essen.  In der Corona-Zeit ist die Zahl arbeitssuchender junger Menschen deutlich gestiegen. Die Wohlfahrt NRW warnt vor langfristigen Folgen.

Wohlfahrtsverbände beklagen, dass junge Berufseinsteiger und Arbeitslose im Hartz-IV-Bezug besonders unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden hätten. Wie aus dem Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW hervorgeht, ist die Anzahl arbeitssuchender junger Menschen im Bundesland in Zeiten der Pandemie deutlich gestiegen. Waren im Januar noch 55.020 der 15- bis 25-Jährigen in NRW arbeitslos gemeldet, sind es im August bereits 80.012 Personen gewesen - das ist ein Plus von über 45 Prozent und ein doppelt so hoher Anstieg wie bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen.

Frank Johannes Hensel, der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege, warnt vor den Folgen dieser Entwicklung: „Wenn sie nicht gestoppt und umgekehrt wird, steuert unsere Gesellschaft auf ein riesiges Problem hin“, sagt Hensel.

Ruhrgebietsstädte besonders von Jugend-Arbeitslosigkeit betroffen

Landesweit lag die Arbeitslosenquote unter jungen Berufseinsteigern im August bei 7,7 Prozent. Viele Städte des Ruhrgebiets sind stärker von der Entwicklung betroffen. Für Gelsenkirchen etwa flaggt der Arbeitslosenreport auf Basis von Statistiken der Bundesagentur für Arbeit eine August-Quote von 15,3 Prozent aus, in Herne waren es 12,2, in Essen 11,6 Prozent. Die Caritas im Bistum Essen meldet eine Quote von 11 Prozent für die Kommunen ihres Bereichs.

Die Wohlfahrtsverbände in NRW verweisen auf die schwierigen Ausgangsbedingungen für junge Menschen in der Corona-Zeit. Betriebe hätten Auszubildende nicht übernommen, berufsorientierende Praktika seien abgesagt worden, die Krise habe zudem den Übergang von der Schule ins Berufsleben deutlich erschwert. Zugleich hätte die Agentur für Arbeit Fördermaßnahmen für Junge zumindest zeitweise heruntergeschraubt.

Angelika Wagner vom Caritas im Bistum unterstreicht, dass weitere Schritte zur Stärkung von Ausbildung nötig seien. „Ausbildung kostet Geld“, hält die Diözesan-Referentin für Armut und Arbeit fest. Betriebe fehlten aber vielfach durch die Krise die nötigen Mittel und bräuchten Untersützung.

Weniger Maßnahmen für Arbeitslose in der Krise

Kritik übt die Wohlfahrtspflege NRW auch daran, dass es seit dem Lockdown deutlich weniger Fördermaßnahmen für Menschen im Hartz-IV-Bezug gegeben hat. Bei ihnen halte dieser Umstand auch an, obwohl die Corona-Beschränkungen seit Mai zunehmend gelockert worden sind. Für August 2020 verzeichnen die Akteure gerade einmal 2468 Personen, die sogenannte „Beschäftigung schaffende Maßnahmen“ in Anspruch nehmen konnten - im März waren es noch 6326 Personen. Beschäftigung schaffende Maßnahmen sind geförderte Arbeitsplätze oder Arbeitsgelegenheiten etwa in Schulküchen oder Sozialkaufhäusern.

Caritas-Fachfrau Wagner mahnt, dass Arbeitsgelegenheiten oft eine Möglichkeit böten, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dass diese Chance vielen Menschen weiterhin nicht eröffnet werde, obwohl der Lockdown aufgehoben wurde, sei nicht akzeptabel. Die Erreichbarkeit der Mitarbeitenden sowie die Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten in den Jobcentern lasse mancherorts immer noch zu wünschen übrig.

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