Digitalisierung

Wie Spahn die elektronische Gesundheitskarte retten will

Die Versichertenkarte ist einst unter hohen Erwartungen gestartet worden. Daraus ist bisher wenig geworden.

Die Versichertenkarte ist einst unter hohen Erwartungen gestartet worden. Daraus ist bisher wenig geworden.

Foto: Harald Tittel

Duisburg.   Sie sollte eine digitale Patientenakte werden, doch die E-Gesundheitskarte kommt nicht voran. Minister Spahn will das Digitale vorantreiben.

Seit eineinhalb Jahrzehnten warten Versicherte darauf, dass die elektronische Gesundheitskarte zur digitalen Versichertenakte wird. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigt gegenüber dieser Redaktion jetzt an, bei der Digitalisierung weiter Druck zu machen.

Herr Spahn, beerdigen Sie die elektronische Gesundheitskarte?

Spahn: Es gibt nichts zu beschönigen: Patienten und Ärzte warten schon viel zu lange auf die Vorteile der elektronischen Gesundheitskarte. Es ist ein bisschen wie mit dem Berliner Flughafen. Das ist ein Problem, das über das Gesundheitswesen hinausreicht. Es führt zu einem Verlust an Vertrauen in Politik und Verwaltung. Umso wichtiger ist es mir, dass wir jetzt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens endlich vorankommen. Und zwar mit klaren Zeitvorgaben, aber eben auch effizienteren Entscheidungswegen.

Wer bremst aus Ihrer Sicht die Entwicklung?

Es ist kein Geheimnis, dass sich in den vergangenen 14 Jahren verschiedene Akteure bei der Digitalisierung zu oft gegenseitig im Weg standen. Aber Schuldzuweisungen bringen uns auch keine digitale Patientenakte. Ich blicke lieber nach vorn. Inzwischen ist vieles in Bewegung geraten. Die Ärzte in Deutschland beginnen, sich der Telemedizin zu öffnen. Sie erproben Fernbehandlung und Online-Videosprechstunden. Und ich bin sicher: Das Vertrauen in die Digitalisierung des Gesundheitswesens wächst mit der Erfahrung. Denn Telemedizin erleichtert den Alltag der Ärztinnen und Ärzte. Sie eröffnet Freiräume und bringt neue Erkenntnisse.

Welche konkreten Schritte müssen jetzt folgen?

Wir treiben den Aufbau der digitalen Infrastruktur voran, sorgen jetzt für zügigere Entscheidungen bei der Gematik (Anm. d. Red., die Gesellschaft zur Einführung der E-Gesundheitskarte) und sind auf dem Weg zur digitalen „Patientenakte“. Diese müssen die Krankenkassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 zur Verfügung stellen. Wenn der Versicherte das will, soll er auch über Smartphone oder Tablet darauf zugreifen können.

Eine wiederholte Sorge bei der elektronischen Gesundheitskarte ist der Datenschutz – derzeit verfügt nur ein Teil der Praxen über die nötige Telematikinfrastruktur, auch Kliniken müssten nachrüsten. Wie schnell muss der Ausbau vorangetrieben werden – und reicht das zum Datenschutz?

Klar ist: Der Patient muss Herr über seine Daten sein. Wenn er Daten weitergibt, dann freiwillig. Gerade daher will ich, dass wir die Digitalisierung im Gesundheitswesen selbst gestalten mit klugen Rahmenbedingungen, klaren Zeitvorgaben und sicherer Infrastruktur.

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