Mehrwertsteuer

Vergleich: Viele Bahnfahrten seit Januar deutlich billiger

Ansturm auf die Bahn: Rund fünf Millionen Fahrgäste mehr sollen infolge der Mehrwertsteuerabsenkung auf Fahrscheine vom Auto und Flugzeug auf den Zug umsteigen.

Ansturm auf die Bahn: Rund fünf Millionen Fahrgäste mehr sollen infolge der Mehrwertsteuerabsenkung auf Fahrscheine vom Auto und Flugzeug auf den Zug umsteigen.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Steuervorteil im Bahnverkehr drückt die Ticketpreise seit Januar deutlich - laut einer Analyse auf manchen Strecken um bis zu 35 Prozent.

Die Mehrwertsteuersenkung bei Bahntickets drückt nach ersten Erkenntnissen die Preise im Fernverkehr deutlicher, als zunächst angenommen. Bahnfahren ist nach der Absenkung der Steuersätze von 19 Prozent auf den vergünstigten Satz von sieben Prozent Anfang Januar laut einer Analyse nicht nur um die erwartbaren zehn Prozent, sondern teilweise um bis zu 35 Prozent günstiger geworden als noch Ende 2019. Das ergab eine stichprobenartige Auswertung von Bahnverbindungen durch das Verbraucherportal „mydealz“.

Hunderte deutsche Verbindungen geprüft

Für hunderte innerdeutsche Verbindungen haben die „mydealz“-Betreiber das komplexe Preissystem der Bahn durchforstet. Das Ergebnis: Fahrten im so genannten Flextarif ohne Zugbindung sind im Januar durchschnittlich knapp elf Prozent günstiger als noch im November und Dezember. Der durchschnittliche Preisvorteil pro Verbindung beträgt laut dem Berliner Online-Portal rund 22 Euro.

Die Preise im Spartarif (mit Zugbindung) sanken zeitgleich um über 34 Prozent (Preisvorteil: rund 39 Euro). Beispiel: Rund 23 Prozent sparen Reisende, die am 28. Februar mit der Bahn für 145,60 Euro statt 189,50 Euro von Düsseldorf übers Wochenende nach Karlsruhe und am 1. März wieder zurückfahren. Ähnlich viel können Reisende sparen, die Spartarif-Tickets für die Strecken München-Münster und Karlsruhe-Hamburg kaufen. Fahrten zwischen München und Münster kosten mit 141,80 Euro nun rund 37 Prozent (84 Euro) weniger als Ende des Jahres. Fahrten auf der Strecke Karlsruhe-Hamburg kosten werktags nur noch knapp 56 Euro statt 163,80 Euro, also sogar fast 66 Prozent (108 Euro) weniger.

Doch nicht alle Reisende profitieren von den gesunkenen Durchschnittspreisen. Laut „mydealz“ müssen Fahrgäste auf einigen Strecken seit Januar sogar deutlich tiefer in die Tasche greifen. Im Vergleich zur Vorweihnachtszeit seien vor allem die Preise für bestimmte Bahnfahrten an Werktagen gestiegen, betonte der Portal-Betreiber.

Besonders starke Preisanstiege gab es demnach werktags im Flextarif auf der Strecke Leipzig-Düsseldorf (plus 24,5 Prozent) und am Wochenende auf der Strecke Saarbrücken-Dortmund (plus 27 Prozent). Bei den Spartarifen ermittelten die Portalbetreiber die größte Preissteigerung an Werktagen auf der Strecke Stuttgart-Dortmund (plus 56 Prozent).

Manche Verbindungen wegen geringer Nachfrage günstiger?

Verglichen mit November und Dezember ist Bahnfahren an Werktagen in 352 von 380 Fällen (Spartarif) beziehungsweise in 306 von 380 Fällen (Flextarif) günstiger geworden. Am Wochenende sanken die Preise für 348 von 380 Fahrten (Spartarif) beziehungsweise 320 von 380 Fahrten (Flextarif).

„Mydealz“ verweist auf „unklare“ Gründe für die unterschiedliche Preisentwicklung. Die Berliner vermuten aber, dass sich die Mehrwertsteuerreform nicht auf allen Strecken gleichmäßig auswirkt. Manche Verbindungen seien möglicherweise auch wegen mangelnder Nachfrage preiswerter geworden.

Steuerabsenkung ist Teil des Klimapaketes der Bundesregierung

Der Staatskonzern hatte die Ticketpreise im Fernverkehr zum Januar um zehn Prozent gesenkt und damit den seit Anfang des Jahres geltenden Steuervorteil auf Fernverbindungen ab 50 Kilometer eins zu eins an die Kunden weitergereicht. Die Mehrwertsteuerabsenkung ist Teil der Klimabeschlüsse der Bundesregierung vom vergangenen Oktober. Damit sollen mehr Menschen motiviert werden, auf das umweltfreundlichere Verkehrsmittel Bahn umzusteigen.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) prüft derzeit, ob der reduzierte Mehrwertsteuersatz auch auf längeren Strecken im Nahverkehr zu Preissenkungen führt.

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