Meinungsklima

Umfrage: Erobern die Grünen das ehemals rote Revier?

Die Grünen-Landesvorsitzenden Mona Neubaur und Felix Banaszak durchleben aktuell einen Umfrage-Rausch. Sie müssen nun sehen, wie sie die NRW-Grünen auf mögliche Wahlsiege in Kommunen (2020) und Land (2022) vorbereiten.

Die Grünen-Landesvorsitzenden Mona Neubaur und Felix Banaszak durchleben aktuell einen Umfrage-Rausch. Sie müssen nun sehen, wie sie die NRW-Grünen auf mögliche Wahlsiege in Kommunen (2020) und Land (2022) vorbereiten.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Düsseldorf.  Eine Umfrage sieht die Grünen erstmals als stärkste politische Kraft im Ruhrgebiet. Das bringt die Verhältnisse in NRW zum Tanzen.

Die Grünen sind auf dem besten Wege, sich als stärkste politische Kraft im Ruhrgebiet zu etablieren. Dieser überraschende Befund geht aus dem neuen RTL/n-tv-Trendbarometer hervor, das vom Meinungsforschungsinstitut Forsa erstellt wurde. Demnach kämen die Grünen bei einer Landtagswahl allein im Ruhrgebiet auf 25 Prozent Zustimmung und lägen damit zwischen Duisburg und Dortmund erstmals vor CDU (24) und SPD (22). Landesweit wären sie mit 24 Prozent Nummer zwei hinter der CDU von Ministerpräsident Armin Laschet (29).

Das Ruhrgebiet war für die Grünen lange ein schwieriges Gelände. Bei der Landtagswahl vor zwei Jahren wurde die Öko-Partei hier mit nur 5,5 Prozent geradezu abgestraft. Inzwischen scheinen die Grünen aber mit kräftigem Habeck/Baerbock-Rückenwind aus Berlin für bürgerlich-liberale Wähler in den Großstädten an Rhein und Ruhr erste politische Adresse geworden zu sein. Die NRW-Grünen haben das Etikett der „Verbotspartei“ und der verkorksten Bildungspolitik, das im Landtagswahlkampf 2017 lähmte, erfolgreich abgestreift.

Die tektonischen Verschiebungen im Ruhrgebiet hängen nach Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner vor allem mit dem Niedergang der Sozialdemokratie in ihrer einstigen roten Herzkammer zusammen: „Die SPD hat im Ruhrgebiet in zwei Jahrzehnten fast zwei Drittel ihrer Wählerschaft eingebüßt. Das zeigt ein dramatisches Siechtum: Die Partei hat den Draht zu ihrer einstigen Stammwählerschaft verloren und zu viel Selbstbeschäftigung betrieben.“

Meinungsforscher: „Die Grünen füllen aktuell das Vakuum in der Mitte“

Die SPD habe es versäumt, im Revier die Gewinner des Strukturwandels, auf die ihre Politik ja eigentlich einmal ausgerichtet war, als Wähler an sich zu binden, so Güllner. „Die Grünen füllen aktuell geschickt das Vakuum in der Mitte, das CDU und SPD haben entstehen lassen. Sie bleiben in ihren Positionen vage und erscheinen deshalb für viele Menschen wählbar“, glaubt der Meinungsforscher.

Ob sich die Grünen dauerhaft als stärkste politische Kraft im Ruhrgebiet etablieren können, werde auch stark von der bundespolitischen Entwicklung beeinflusst werden, so Güllner. Eine charismatische Führungspersönlichkeit wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder Hessens Vize-Regierungschef Tarek Al-Wazir ist bei den Grünen in NRW noch nicht in Sicht. Vielmehr hat der Landesverband Mühe, die Kreisverbände personell für ein möglicherweise fulminantes Kommunalwahl-Ergebnis 2020 vorzubereiten. Die Frage der Spitzenpersönlichkeit darf für den Wahlerfolg auf Landesebene laut Güllner aber nicht überbewertet werden: „Auch ein Winfried Kretschmann hat sich erst im Ministerpräsidenten-Amt zum Wählermagneten entwickelt.“

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