Grundschulen

Türkisch-Lehrer gegen Türkisch statt Englisch in Grundschule

Bisher wird Englisch ab der ersten Klasse unterrichtet. In der Landesregierung gibt es Pläne, dies auf das dritte und vierte Schuljahr zu verlegen und in den ersten beiden Klassen mehr Rechnen, Schreiben und Lesen zu unterrichten.

Bisher wird Englisch ab der ersten Klasse unterrichtet. In der Landesregierung gibt es Pläne, dies auf das dritte und vierte Schuljahr zu verlegen und in den ersten beiden Klassen mehr Rechnen, Schreiben und Lesen zu unterrichten.

Foto: Marijan Murat/dpa

Essen.   Verband der Lehrer aus der Türkei in NRW lehnt den Vorschlag ab, Türkisch statt Englisch ab der ersten Klasse zu unterrichten. Deutsch stärken.

Den Vorstoß, den Englisch-Unterricht an Grundschulen durch Türkisch zu ersetzen, lehnt der türkische Lehrerverband in NRW vehement ab. „Der Vorschlag ist weder pädagogisch begründet, noch gewinnbringend für die Integration in unserem Land“, sagte Zülfü Gürbüz, Vorsitzender des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer aus der Türkei in NRW (TÖB) unserer Redaktion.

Es sei eine „populistische Idee“, in den Grundschulen Englisch abzuschaffen und stattdessen eine andere Fremdsprache zu unterrichten. „Für uns ist es wichtig, dass Kinder mit Migrationshintergrund zunächst sehr gut Deutsch sprechen“, sagte Gürbüz. Dazu müssten sie schon im Vorschulalter gefördert werden, um eventuelle Defizite auszugleichen.

Englisch als „Weltsprache“ ab der ersten Klasse

Englisch als „Weltsprache“ müsse an Grundschulen ebenfalls von Anfang an unterrichtet werden, findet Gürbüz. Zugleich sei es wichtig, auch die Muttersprache der Kinder zu fördern. Dabei gehe es nicht nur um die Stärkung der eigenen Sprache und Identität, sondern vor allem der Mehrsprachigkeit.

Nachdem vergangene Woche die NRW-Landesregierung Pläne vorgestellt hatte, Englisch an Grundschulen erst wieder ab der dritten Klasse zu unterrichten, trat der Vorsitzende des NRW-Integrationsrats, Tayfun Keltek, eine neue Debatte los.

Sprachkurse für Muttersprachler in der Klasse

Er forderte, Englisch sollte erst in der weiterführenden Schule gegeben werden, also ab der fünften Klasse. Stattdessen sollten die Grundschulen Sprachkurse anbieten, die sich an den Muttersprachlern in der Klasse orientieren. Gebe es in der Klasse unter den Kindern mit Migrationshintergrund eine Mehrheit türkischer Kinder, würde demnach ihre Sprache angeboten.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) wies dies umgehend zurück. „Der Vorschlag schießt über das Ziel hinaus“, sagte sie. Rückendeckung erhält sie von Jens Teutrine, Vorsitzender der Jungen Liberalen in NRW: „Herr Keltek will mit seinem Vorschlag bei der Integration einen Gang zurück schalten. Vielmehr muss sie noch stärker betrieben werden“, sagte er.

Türkischer Lehrerverband: Zunächst Deutsch fördern

TÖB-Vorsitzender Gürbüz geht noch einen Schritt weiter: „Diese Debatte ist absurd. Ich verstehe den Vorstoß nicht. Weder pädagogisch noch politisch.“ Sein Verband, der knapp 900 Lehrkräfte vertritt, die in NRW herkunftssprachlichen Unterricht geben, befürchtet zudem, dass rechte Kreise Kelteks Forderung instrumentalisieren könnten.

Aber auch die Pläne der Landesregierung, Englisch erst ab der dritten Klasse zu unterrichten, findet nicht die Zustimmung des TÖB. Gürbüz betont: „Wir fordern eine qualitative Förderung der deutschen Sprache, der Muttersprache und Englisch als Fremdsprache für alle Kinder in der Grundschule ab der ersten Klasse.“

>>>> Mehr als 50.000 Schüler erhalten herkunftssprachlichen Unterricht

Der herkunftssprachliche Unterricht (HSU) wird in NRW von 886 Lehrkräften in 19 verschiedenen Sprachen angeboten. Daran nahmen in NRW im Schuljahr 2016/2017 nach amtlichen Schuldaten 50.070 Schüler teil, davon 34.736 in Türkisch. HSU wird landesweit an 833 Schulen angeboten, an Grundschulen muss die Lerngruppe mindestens 15 Schüler stark sein, in der Sekundarstufe I beträgt die Mindestgröße 18 Schüler.

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben