Kultur

Sollen NRWs Museen das Eintrittsgeld abschaffen?

Düsseldorf.  Freier Eintritt in alle öffentlich getragenen Museen des Landes. Diesen Vorschlag der SPD diskutierte der NRW-Landtag zusammen mit Experten.

Freier Eintritt in alle Museen in NRW? Diesen Vorschlag der SPD-Fraktion hat der Kulturausschuss des Landtages beraten. Dazu waren mehrere Experten eingeladen. Die Idee der Sozialdemokraten sieht einen freien Eintritt vor, und zwar für alle Dauerausstellungen und Präsentationen der Sammlungen der Einrichtungen in den NRW Museen, die sich "mehrheitlich oder ganz in der Trägerschaft des Landes befinden".

Peter Gorschlüter vom Essener Folkwang Museum unterstützte den Vorschlag. In seinem Haus ist der Eintritt seit 2014 kostenfrei. "Die positiven Effekte überwiegen eindeutig", sagte der Direktor. Die Besucherzahlen hätten sich in den vergangenen vier Jahren nahezu verdreifacht. 45 Prozent der Gäste seien zwischen 16 und 34 Jahre alt. "Wir haben den Altersschnitt deutlich gesenkt", sagte Gorschlüter.

Erwachsene zahlen, Kinder und Jugendliche nicht

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger von den LWL-Museen sieht den Vorschlag nicht so positiv. "Laut unseren Studien sind nur für acht Prozent der Besucher Eintrittspreise eine Hemmschwelle." Die LWL-Museen wie beispielsweise das Archäologiemuseum in Herne oder das Freilichtmuseum Hagen bieten regelmäßig eintrittsfreie Tage an. "Ich würde das Geld aus den Eintritten lieber nutzen, um die digitale Sichtbarkeit zu erhöhen."

Die Strategie der LWL-Museen sehe anders aus: Erwachsene zahlen Eintritt, Kinder und Jugendliche nicht. Die Museen des LWL können aber für einen Zeitraum mit dem freien Eintritt experimentieren, sagte Rüschoff-Parzinger.
Der Kulturmanager Prof. Dr. Bernd Günter beschäftigt sich bereits seit längerem mit dem Thema. "Ich wundere mich seit zwanzig Jahren, warum das nicht auch für andere Kulturbetriebe gefordert wird", sagte er. "Ich bin dafür, das Eintrittsgeld beizubehalten und damit für einen Ausbau der Kulturvermittlung zu sorgen."

Zum Schluss ging Günter noch auf das Thema ein, wie Kulturbetriebe auch bildungsfernere Schichten erreichen können. Manche Schätzungen sprächen von bis zu 80 Prozent der Bevölkeung, die nicht kulturaffin sein. "Das glaube ich nicht", sagte Günter, "50 Prozent sind aber möglich." Die kulturelle Bildung dürfe nicht allein an den Schulen "hängenbleiben", sagte er. "Wir sollten schon bei den Zwei- bis Sechsjährigen eine kulturelle Affinität fördern."

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