Sicherheit

Reul zu Angriffen auf Bedienstete: "Häufiger und heftiger"

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Die Angriffe auf Polizeibeamte und Rettungskräfte nehmen in der Corona-Pandemie zu. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) stellt das landesweites Präventionsnetzwerk "sicher im Dienst" vor, dass Betroffenen helfen soll.

Die Angriffe auf Polizeibeamte und Rettungskräfte nehmen in der Corona-Pandemie zu. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) stellt das landesweites Präventionsnetzwerk "sicher im Dienst" vor, dass Betroffenen helfen soll.

Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ / Oliver Berg/dpa

Düsseldorf.   Mitarbeitende im öffentlichen Dienst werden zunehmend beschimpft und angegriffen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) über neues Schutzkonzept.

Beschimpfungen, Pöbeleien, Drohungen oder Angriffe - nach Worten von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gehört das für Einsatz- und Rettungskräfte, Polizeibeamte und Mitarbeitende von Ordnungsbehörden mittlerweile zum Alltag.

„Für manche Menschen fühlt sich die Arbeit in den letzten Monaten und Jahren nicht mehr sicher an“, sagt der Minister am Montag (24.Januar) in Düsseldorf. So seien die Angriffe nicht nur häufiger geworden, sondern auch heftiger.

Beamtin in Wuppertal als „Dumme Schlampe“ beschimpft

Als „Scheiß Beamtin“ und „Dumme Schlampe“ beschimpfte ein Mann im Wuppertaler Einwohnermeldeamt zum Beispiel die Mitarbeiterin Nicole Schorn. Sie hatte ihm gerade an der Infotheke erklärt, dass kein spontaner Termin mehr frei sei. Der Mann schob die Unterlagen zusammen - und schmiss sie im nächsten Moment Nicole Schorn ins Gesicht.

Bis heute macht der Vorfall der 31-Jährigen zu schaffen. Beleidigungen seien sie und ihre Kollegen zwar gewohnt, sagt Schorn, aber „dass ein Mensch Ihnen Dinge ins Gesicht schmeißt, obwohl sie nur Ihren Job machen“, das schockiere sie bis heute.

Hass im Netz: „Aufsuchen und die Fresse einschlagen“

Sven Nütten ist Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Aachen. Ihn traf der Hass online. Als er einen Mann auf der Straße auf die Maskenpflicht hinwies, wollte dieser handgreiflich werden. Zum Selbstschutz fixierten Nütten und sein Kollege den Mann - und wurden dabei gefilmt.

Das Video verbreitete sich in den sozialen Medien. „Aufsuchen und die Fresse einschlagen“ oder „eines Tages wird deren Blut vergossen“, las der 33-Jährige in den Kommentarspalten. „Viele Leute vergessen, dass ein Angriff auf uns eigentlich ein Angriff auf sie selber ist, weil wir für die Gesellschaft arbeiten“, sagt Nütten.

Netzwerk Sicher im Dienst" soll Betroffenen helfen

Das neugegründete Netzwerk „Sicher im Dienst“ soll Betroffenen helfen, Angriffe und Bedrohungen zu verarbeiten. „Der öffentliche Dienst verdient unseren Schutz“, sagt Reul. Im Programm des landesweiten Netzwerks sind laut Ministerium etwa ein Präventionsleitfaden enthalten und Handlungsempfehlungen, wie Beschäftigte mit Angriffen, Gewalt und Beleidigungen umgehen können.

Zudem werden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aufgelistet und bestehende Rechtsgrundlagen für Strafverfahren oder Entschädigungsansprüche erklärt. Alle Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner können sich zudem über ein Onlinetool in Sachen Gewaltprävention austauschen.

Arbeitsplätze sicher machen und Gefahren erkennen

Der Initiative gehören nach Ministeriumsangaben über 450 Mitglieder aus Behörden, Verbänden und Organisationen an. Ziel sei es, Arbeitsplätze sicherer zu machen. Außerdem sollen Beschäftigte lernen, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen.

In Nordrhein-Westfalen arbeiten laut Ministerium fast eine Million Menschen im öffentlichen Dienst. Dazu zählen unter anderem Einsatz- und Rettungskräfte, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Polizistinnen und Polizisten, Mitarbeitende von Ordnungsbehörden sowie Beschäftige im öffentlichen Nahverkehr. (dpa/epd)

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