Corona

Pharma-Lobbyist als Impfberater: Opposition erhöht Druck

Die Einstellung eines Pharma-Lobbyisten als Impfberater der Staatskanzlei beschäftigt die NRW-Politik.

Die Einstellung eines Pharma-Lobbyisten als Impfberater der Staatskanzlei beschäftigt die NRW-Politik.

Düsseldorf  Die umstrittene Einstellung eines freigestellten Lobbyisten des Pharmariesen Sanofi in der Staatskanzlei zieht weitere Kreise.

Die Affäre um die Einstellung eines Lobbyisten des französischen Pharmakonzerns Sanofi als Impfberater in der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei zieht weitere Kreise. Die SPD-Opposition im Landtag will nun mit einer parlamentarischen Anfrage herausfinden, auf welche Akten der Landesregierung der Mann Zugang hat und welche „Risikoabwägung“ die Machtzentrale bei der Personalie vorgenommen habe.

Unsere Redaktion hatte am Dienstag öffentlich gemacht, dass die Staatskanzlei zu Jahresbeginn in der Geschäftsführung ihres Corona-Krisenstabes ausgerechnet den „Head of Public Affairs“ von Sanofi Deutschland, Stefan Kentrup, eingestellt hat. Der Pharma-Lobbyist wurde von seinem Arbeitgeber für diese Tätigkeit ein halbes Jahr freigestellt.

 

"LobbyControl" und "Transparency" reagierten alarmiert

Unabhängige Organisationen wie „LobbyControl“ und „Transparency International“ haben die Personalentscheidung wegen möglicher Interessenkonflikte scharf kritisiert. Die Opposition fordert die sofortige Rückabwicklung der Einstellung. Sanofi forscht selbst an einem Corona-Impfstoff und ist Konkurrent der kleinen Biotechfirmen Biontech und Moderna, die in der Entwicklung schneller waren und NRW bereits mit Impfdosen versorgen.

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Unklarheiten herrschen über das Zustandekommen der Personalentscheidung. Die Staatskanzlei hatte erklärt, Kentrup habe sich auf eine im Dezember ausgeschriebene Referentenstelle beworben und unter Beteiligung der zuständigen Gremien den Zuschlag erhalten. Das Unternehmen Sanofi hatte indes auf Anfrage des WDR erklärt: „Stefan Kentrup aus dem Team Public Affairs in Deutschland wurde von der Staatskanzlei in NRW aufgrund seiner Expertise angefragt, bei der Organisation der Impfzentren in NRW zu unterstützen.“

Hauptausschuss des Landtags berät die Personalie

In der kommenden Woche wird sich der Hauptausschuss des Landtags mit der brisanten Personalie beschäftigen. Bislang verteidigt die Staatskanzlei ihre Besetzung und verweist auf vereinbarte Verschwiegenheitsregeln. Es sei der Regierungszentrale nur darum gegangen, zu Beginn der Impfungen „zusätzliche personelle Unterstützung und Expertise“ zu gewinnen.

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