Corona

NRW-Nahverkehr: Fahrgäste kehren in Bahnen wieder zurück

Mundschutz ist Pflicht, die Fahrgäste kehren dennoch zurück: U-Bahn-Haltestelle am Essener Hauptbahnhof.

Mundschutz ist Pflicht, die Fahrgäste kehren dennoch zurück: U-Bahn-Haltestelle am Essener Hauptbahnhof.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Der NRW-Nahverkehr verlor im Corona-Lockdown Fahrgäste wie noch nie. Nun kehren die Kunden von Ruhrbahn, Bogestra & Co wieder zurück.

Nach den massiven Einbrüchen bei Fahrgast- und Umsatzzahlen als Folge des Corona-Lockdowns im Frühjahr wächst im Nahverkehr derzeit wieder die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Fahrgäste fassen offenbar vermehrt Vertrauen in Busse und Bahnen. Der 700 Millionen Euro schwere Rettungsschirm, den Bund und Land allein zur Kompensation von coronabedingten Umsatzausfällen im NRW-ÖPNV aufgespannt haben, sorgt in der Branche ebenfalls für Zuversicht.

90 Prozent des sonst üblichen Fahrgastaufkommens

Nach einer Umfrage der WAZ bei Verkehrsbetrieben im Ruhrgebiet nähert sich die Auslastung der Strecken langsam wieder dem Vor-Corona-Niveau an. Die Dortmunder Stadtwerke registrieren aktuell rund 90 Prozent des sonst üblichen Fahrgastaufkommens. In Essen und Mülheim stiegen die Fahrgastzahlen seit Juni langsam zunächst bis auf 60 bis 70 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. In den ersten beiden Septemberwochen verzeichnete die Ruhrbahn, die in beiden Städten fährt, ein durchschnittliches Niveau von rund 80 Prozent

Vorjahres-Niveau ist noch nicht erreicht

Zur Erinnerung: In der Hochphase des Lockdowns hatte die Ruhrbahn als größter Nahverkehrsbetrieb des Ruhrgebiets den stärksten Fahrgastrückgang seiner Geschichte hinnehmen müssen: Nur ein Fünftel der Kunden fuhren noch Bus und Bahn. Auch bei der Bogestra (Bochum/Gelsenkirchen/Witten) entwickeln sich die Zahlen wieder positiv. Das Vorjahres-Niveau sei aber noch nicht erreicht, so ein Unternehmenssprecher.

ÖPNV-Rettungsschirm wegen Corona-Pandemie

Grundsätzlich positiv bewerten die Verkehrsbetriebe zudem die zugesagten Landes- und Bundeshilfen. „Ich bin zuversichtlich, dass der in diesem Jahr entstehende Pandemie-bedingte Schaden aus den bereitgestellten ÖPNV-Rettungsschirmen fast vollständig kompensiert werden kann“, sagte Hubert Jung, Verkehrsvorstand der Dortmunder Stadtwerke, dieser Redaktion. Wichtig sei indes, dass die Gelder zusätzlich fließen und nicht aus Haushaltsmitteln abgezweigt würden, die für wichtige Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr vorgesehen seien, betonte Jung.

Wittig: „Fördermittel bei Bedarf aufstocken“

Der Chef der Duisburger Verkehrsgesellschaft, Markus Wittig, hofft auf eine Unterstützung, „so lange die Pandemie andauert“. „Ohne einen Ausgleich der durch die Pandemie entstandenen Einnahmerückgänge ist ein wirtschaftlich tragfähiges Ergebnis für viele Verkehrsunternehmen nicht zu realisieren“, sagte Wittig der WAZ. Fördermittel müssten künftig angepasst und im Bedarfsfall aufgestockt werden, wenn die Entwicklung der Pandemie es notwendig machte.

700 Millionen Euro stehen zur Verfügung

Seit Ende August können Verkehrsunternehmen und die Aufgabenträger im NRW-Nahverkehr beim Land Anträge auf Erstattung pandemiebedingter Schäden stellen. Insgesamt stehen zunächst 700 Millionen Euro im Rettungsschirm für den ÖPNV bereit. Das Land beteiligt sich in einer ersten Tranche mit 200 Millionen Euro, der Bund mit 500 Millionen Euro.

Ausgeglichen werden Verluste aus dem Ticket-Verkauf sowie erhöhte Ausgaben für Trennscheiben an Fahrerplätzen in Bussen und Bahnen sowie in den Ticket-Verkaufsstellen. Verrechnet werden müssen pandemie-bedingte Einsparungen etwa im Personalbereich und bei den Treibstoffkosten. Die Antragsfrist läuft bis 30. September. Im Herbst will das Land entschieden, ob in einer zweiten Tranche weitere Landesmittel fließen.

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