Bildung

NRW hat 25 neue Talentschulen – zwei Drittel im Ruhrgebiet

Die Realschule Crange in Herne ist schon Talentschule. Die Lehrer haben die Jury mit ihrem Konzept überzeugt und können nun an innovativen Lehrmethoden arbeiten. Am Donnerstag hat die NRW-Landesregierung 25 weitere Talentschulen benannt.

Die Realschule Crange in Herne ist schon Talentschule. Die Lehrer haben die Jury mit ihrem Konzept überzeugt und können nun an innovativen Lehrmethoden arbeiten. Am Donnerstag hat die NRW-Landesregierung 25 weitere Talentschulen benannt.

Foto: Carsten Siegmund / Funke Foto Services

Düsseldorf.  16 Schulen im Ruhrgebiet gehören zu den neuen Talentschulen. Sie bekommen mehr Personal, bessere Ausstattung und Geld für Fortbildungen.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat am Donnerstag in Düsseldorf bekanntgegeben, welche Schulen ab dem kommenden Schuljahr zu den 25 neuen Talentschulen gehören. Darunter sind 16 Schulen aus dem Ruhrgebiet. Sie können sich über zusätzliches Personal, eine bessere Ausstattung und ein Fortbildungsbudget freuen. „Wir kommen unserem Ziel näher, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft mehr Chancen auf eine erfolgreiche Bildungskarriere zu ermöglichen“, sagt die Ministerin.

Die Landesregierung stattet im Rahmen des „Schulversuchs Talentschule“ 60 Schulen in schwierigem Umfeld mit zusätzlichen Ressourcen aus – 45 allgemeinbildende Schulen und 15 Berufskollegs. Sie erhalten 20 Prozent mehr Lehrerstellen und 2500 Euro im Jahr für Fortbildungen. Damit sollen sie Förderschwerpunkte, etwa im mathematisch-naturwissenschaftlichen oder kulturellen Bereich, setzen. Insgesamt stellt das Land für zunächst sechs Jahre 415 zusätzliche Stellen und 150.000 Euro aus dem Haushalt bereit.

In der ersten Runde wurden nicht alle Stellen besetzt

Mit Bekanntgabe der neuen Talentschulen geht der Schulversuch bereits in die zweite Runde. Im Februar hat Gebauer die ersten 35 Talentschulen vorgestellt, 22 davon im Revier. Eine Expertenjury hatte sie aus 149 Bewerbern ausgewählt. „Erste Rückmeldungen legen nahe, dass die bisherigen Talentschulen sehr zufrieden sind“, bilanziert Gebauer. So konnten alle Stellen für Berater, die die Schulen während des Versuchs unterstützten, besetzt werden. Bei den zusätzlichen Lehrerstellen ist mit einer Besetzungsquote von 70 Prozent noch Luft nach oben.

98 Schulen hatten der elfköpfigen Jury um Ewald Terhart von der Uni Münster ihre Bewerbung vorgelegt, 67 davon hatten sich bereits beim ersten Durchgang beworben. Bewertet wurde, vor welchen Schwierigkeiten die Schulen stehen und welche Lösungsvorschläge sie dafür haben. Mit dem Resultat ist Terhart zufrieden: „Wir haben Schulen ausgewählt, die in einem schwierigen Umfeld ein überzeugendes Konzept vorlegen konnten.“ Er räumt jedoch ein, dass einige Anträge nicht berücksichtigter Schulen tiefgreifende Probleme offenbart hätten.

Lehrerverbände kritisieren Wettbewerb zwischen Schulen

Kritik am Schulversuch kommt von Lehrerverbänden: „Schulen in einen Wettbewerb um bessere Ressourcen und mehr Personal zu schicken, ist mehr als bedenklich“, sagt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Er ist überzeugt, dass es keiner Erprobung bedürfte, ob eine bessere Ausstattung der Schulen und mehr Personal zu einer höheren Chancen- und Bildungsgerechtigkeit führen. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, fordert: „Alle Schulen, vor allem auch die Grundschulen, müssen Talentschulen werden."

Gebauer betont, dass von den Ergebnissen des Versuchs schon bald auch die nicht beteiligten Schulen profitieren sollen. Die Schulen würden von einem Team aus Wissenschaftlern begleitet. „Jetzt sind die Lehrer an der Reihe. Sie sind die entscheidende Ressource für das Gelingen des Experiments“, sagt Terhart.

Die neuen Talentschulen sind (sortiert nach Regierungsbezirk):

  • Erich Kästner-Schule, Bochum
  • Helmholtz-Gymnasium, Dortmund
  • Gesamtschule Haspe, Hagen
  • Elisabeth-Lüders-Berufskolleg, Hamm
  • Mont-Cenis-Gesamtschule, Herne
  • Gymnasium Wanne, Herne
  • Carl-Severing-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung, Bielefeld
  • Sophie-Scholl-Berufskolleg, Duisburg
  • Gesamtschule Globus am Dellplatz, Duisburg
  • Herbert-Grillo-Gesamtschule, Duisburg
  • Gertrud-Bäumer-Realschule, Essen
  • Hans-Sachs-Berufskolleg, Oberhausen
  • Fasia-Jansen-Gesamtschule, Oberhausen
  • Berufskolleg Werther Brücke, Wuppertal
  • Gemeinschaftshauptschule Drimborn, Aachen
  • Berufskolleg Alsdorf, Alsdorf
  • Nelson-Mandela-Gesamtschule, Bergisch-Gladbach
  • Erich-Kästner-Realschule, Brühl
  • Goldenberg Berufskolleg, Hürth & Wesseling
  • Erich-Gutenberg-Berufskolleg der Stadt Köln, Köln
  • Neue Schule Dorsten, Dorsten
  • Berufskolleg für Technik und Gestaltung der Stadt Gelsenkirchen, Gelsenkirchen,
  • Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule, Gladbeck
  • Martin-Luther-King-Schule, Marl
  • Käthe-Kollwitz-Schule, Recklinghausen
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