Nahverkehr

NRW führt erstmals ein Azubi-Ticket für Bus und Bahnen ein

Ab August 2019 können auch Lehrlinge ein NRW-weit gültiges Azubi-Ticket kaufen und mit Bussen und Bahnen fahren. Es soll ein freiwilliges Angebot sein.

Ab August 2019 können auch Lehrlinge ein NRW-weit gültiges Azubi-Ticket kaufen und mit Bussen und Bahnen fahren. Es soll ein freiwilliges Angebot sein.

Foto: Ralf Rottmann

Düsseldorf   Ab August dürfen Azubis für 80 Euro im Monat mit Bus und Bahn durch ganz NRW fahren. Verkehrsminister Wüst (CDU) stellte das neue Ticket vor.

Ab August dürfen Lehrlinge und andere Auszubildende für rund 80 Euro im Monat mit Bussen und Bahnen durch ganz Nordrhein-Westfalen fahren. Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) stellte am Mittwoch die Details des neuen Azubi-Tickets vor. Studenten reisen aber nach wie vor deutlich günstiger.

Seit Jahren fordern Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik ein Azubi-Ticket, das dem Semesterticket der Studenten ähnelt. Nun kommt es und die CDU/FDP-Landesregierung löst damit ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein. Lehrlinge in Betrieben und in beruflichen Schulen, Meisterschüler, Beamten-Anwärter für den mittleren Dienst, Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst und andere Azubis dürfen es nutzen.

NRW-Handwerk lobt das neue Azubi-Ticket

Das Ticket wird gut 80 Euro im Monat kosten. Während Studenten ein Semesterticket kaufen müssen, ist das Azubi-Ticket, dem Willen der Arbeitgeber entsprechend, ein freiwilliges Angebot. Daher liegt es preislich aber deutlich über den Fahrscheinen für die Studenten, die im Monat nur etwa 35 Euro bezahlen müssen. Ein freiwilliges Angebot könne nicht so günstig sein wie das Pflicht-Semesterticket, erklärte die Landesregierung.

„Das ist ein starkes Signal für die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung“, sagte NRW-Handwerks-Präsident Andreas Ehlert am Mittwoch. Er empfiehlt den Ausbildungsbetrieben, das Ticket als „Werbemaßnahme“ zu nutzen. Heißt: Die Firmen könnten für ihre Azubis einen Teil oder sogar die kompletten Kosten des Tickets übernehmen. Am Ende muss das aber jeder Betrieb für sich entscheiden.

Ticket-„Lücke“ in Westfalen geschlossen

Regionale Azubi-Tickets gab es bisher schon in NRW. In den Verkehrsverbünden im Rheinland und im Ruhrgebiet werden dafür 60,70 Euro bzw. 61,10 Euro kassiert. Westfalen allerdings war bisher ein Azubi-Ticket-freier Raum, und diese „Lücke“ verhinderte lange die Einführung des Landes-Tickets für Lehrlinge.

Das ändert sich zum Start ins neue Ausbildungsjahr im August 2019. Das neu geschaffene westfälische Verbundticket wird 62 Euro kosten. Lehrlinge, die sich in ganz NRW und Verbund übergreifend bewegen möchten, können dann für 20 Euro Aufpreis ein landesweites Zuschlag-Ticket kaufen. Damit ist das landesweite Azubi-Ticket am Markt.

Verbund-Hindernisse sind weg

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst geht von einer „ordentlichen Nachfrage“ aus. Es gebe hierzulande etwa 300.000 Lehrlinge, dazu kommen andere Auszubildende bei Behörden oder Menschen, die sich zum Beispiel im Freiwilligendienst engagieren.

Wüst erklärte, warum ein landesweiter Fahrschein so wichtig sein kann: Oftmals erschwerten bisher in NRW Verbundgrenzen Fahrten zum Beispiel vom Ruhrgebiet ins Münster- oder Sauerland. Viele Arbeitgeber in den ländlicheren Regionen suchen aber händeringend Auszubildende, während zum Beispiel im Ruhrgebiet immer noch viele Jugendliche keine Lehrstelle finden. Das Azubi-Ticket könnte eine „Brücke“ sein zwischen potenziellen Auszubildenden und den Arbeitgebern.

Preis stabil bis 2023

NRW fördert das neue westfälische Azubi-Ticket und das gleichzeitig eingeführte landesweite Ticket in diesem Jahr mit insgesamt fünf Millionen Euro, ab 2020 mit rund 10 Millionen Euro jährlich. „Bis Ende Juli 2023 wurde Preisstabilität vereinbart“, sagte Minister Wüst. Die Tickets werden also zunächst nicht teurer werden.

SPD spricht von „Mogelpackung“

Dennoch ist der viel höhere Preis des Azubi-Tickets im Vergleich zum Semesterticket für einige Beobachter ein Ärgernis. „Ein Ticket für 80 Euro pro Monat ist für die Auszubildenden kein attraktiver Preis, schon jetzt zahlen viele eher weniger. Damit steht der Erfolg des Azubi-Tickets in Frage“, sagte Carsten Löcker, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Sein Fraktionskollege Jochen Ott spricht von einer „Mogelpackung“.

Kammern und DGB wünschen günstigeres Angebot

Die Industrie- und Handelskammern in NRW sind ebenfalls noch skeptisch. Es müsse sich zeigen, ob der Preis von 80 Euro angesichts der finanziellen Möglichkeiten von Auszubildenden richtig angesetzt sei. Die IHKen gehen aber von einem großen Bedarf aus. Eine breite Umfrage unter Betrieben und Azubis habe im vergangenen Jahr gezeigt, dass sich drei von vier Befragten ein besseres Nahverkehrs-Angebot wünschten.

Die Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) begrüßt die Einführung des landesweiten Azubi-Tickets, reibt sich aber ebenfalls an der finanziellen Benachteiligung der Lehrlinge im Vergleich zu den Studenten.

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