Corona und Schule

Distanzunterricht in NRW: In Notbetreuung gilt Testpflicht

Lesedauer: 6 Minuten

Coronatest-Mangel an Schulen: Merkel weist Ländern Verantwortung zu

Coronatest-Mangel an Schulen: Merkel weist Ländern Verantwortung zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Verantwortung für die schleppende Belieferung von Schulen mit Corona-Selbsttests den Ländern zugewiesen. Die Verteilung von Selbsttests gehöre "wirklich nicht zu den Aufgaben, die eine Bundesregierung zu leisten hat."

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Düsseldorf  Die Schulen in NRW gehen ab Montag vorerst in den Distanzunterricht. Abschlussklassen sind ausgenommen. Zudem wird eine Testpflicht eingeführt.

  • Distanzunterricht in NRW: Die meisten Schülerinnen und Schüler kehren ab Montag nach den Osterferien in den Distanzunterricht zurück. Die Kultusminister der Länder konnten sich nicht auf eine bundeseinheitliche Linie einigen.
  • Der Distanzunterricht in NRW soll vorerst bis zum 16. April gelten. Bis dahin dürfen nur Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge in Präsenz unterricht werden. Die Abiturprüfungen sollen wie geplant ab dem 23. April stattfinden. Für die Klassen 1 bis 6 wird eine Notbetreuung eingerichtet.
  • Mit dem Schulstart führt NRW auch eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ein. Diese gilt auch für die Notbetreuung. Zwei mal in der Woche sollen sie auf Corona getestet werden. Doch offenbar gibt es massenhaft Probleme mit den Lieferungen der Tests.

NRW schickt die meisten Schulklassen nach den Osterferien zunächst in den Distanzunterricht. Damit regiert das Land auf das „noch unsicher einzuschätzende und schwer zu bewertende Infektionsgeschehen“. Eltern-, Lehrer- und Schülerverbände hatten zuvor gegenüber Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärt, dass sie sich große Sorgen um die Sicherheit der Kinder machten.

Distanzunterricht in NRW: Nur Abschlussklassen sollen in die Schulen

Die Co-Vorsitzende der NRW-Grünen hat einen Kurswechsel der Landesregierung in der Schulpolitik kurz vor Ende der Schulferien kritisiert. Es sei „wirklich beachtlich“, dass wieder alle am Schulleben Beteiligten nur sehr kurzfristig erfahren hätten, „dass jetzt doch alles anders sein muss“, sagte Mona Neubaur am Freitag im „Morgenecho“ auf WDR 5. Die Kommunikation in der Pandemie laufe schlecht, kritisierte Neubaur. Es müsse endlich offen dargelegt werden, wie eine verlässliche Bildung und Betreuung der Kinder sichergestellt werden könne, forderte Neubaur. „Das muss besser werden“.

Ab Montag werden daher mindestens bis zum 16. April nur Schüler der Abschlussklassen in den Präsenzunterricht gehen können, also Abiturienten und Jugendliche, die sich auf die Mittelstufenprüfung vorbereiten. Sie sind vom Distanzunterricht, bei dem zu Hause gelernt wird, ausgenommen. Ihre Prüfungsvorbereitungen seien in Präsenz möglich. Es werde in NRW vollwertige Abschlüsse geben, versprach die Landesregierung. Die Abiturprüfungen starten, wie geplant, am 23. April. Für die Klassen 1 bis 6 wird es eine Notbetreuung geben.

Distanzunterricht in NRW: Nach den Ferien Testpflicht für Schülerinnen und Schüler

Die Kultusminister der Länder hatten sich am Donnerstag nicht auf einheitliche Regeln zum Schulstart einigen können. Neben NRW planen auch Baden-Württemberg und Brandenburg zunächst hauptsächlich mit Distanzunterricht. Experten hatten die Schulminister darauf hingewiesen, dass das Infektionsgeschehen unter Kindern und Jugendlichen derzeit zunehme. Ministerin Gebauer bleibt aber bei ihrer Einschätzung, dass Schulen „keine Treiber der Pandemie“ seien.

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Mit dem Schulstart führt NRW eine Testpflicht für alle Schüler und Lehrer ein. Die Schüler sollen sich zweimal wöchentlich in den Schulen auf das Virus testen lassen. Test-Verweigerer dürfen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Die Behörden gehen aufgrund bisheriger Erfahrungen davon aus, dass es bis zu 20 Prozent-Test-Verweigerer geben könnte - etwa 500.000 Kinder und Jugendliche.

Diese gilt ab Montag dann für die Abschlussklassen und die Schülerinnen und Schüler in der Notbetreuung. Auch Lehrer und das weitere Schulpersonal werden dann auf Corona getestet.

Distanzunterricht in NRW: Massive Probleme mit Schnelltest-Lieferungen

Offenbar gibt es noch massive Probleme bei der Auslieferung von Schnelltests an den Schulen, hieß es in Regierungskreisen. Die Sets kommen oftmals nicht pünktlich oder nicht in ausreichender Zahl an. Für die Abschlussklassen im Präsenzunterricht gebe es aber genügend Tests. Der NRW-Städtetag hatte bereits bezweifelt, dass genügend Tests in den Schulen ankommen.

Der Verband Bildung und Erziehung in NRW (VBE) erklärte, es sei richtig, zum Schulstart vorsichtig zu sein. Die SPD kritisierte, der Distanzunterricht sei eine „schulpolitische Bankrotterklärung“. Die Grünen-Landtagfraktion mahnte, für die Abschlussjahrgänge dürfe der Unterricht in der Schule nur in kleinen Lerngruppen stattfinden.

Zweimal Testen pro Woche ist laut Maike Finnern, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „unabdingbar“ für eine Schulöffnung. Viele Pädagogen hätten Sorge davor, morgens bis zu 15 Schüler in einer Gruppe testen zu müssen, zumal nicht geklärt sei, wie man mit positiv getesteten Kindern umgehen müsse. Eigentlich, so Finnern, seien Coronatests eine Aufgabe für Fachleute.

„Schüler, die der Testpflicht nicht nachkommen, können nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.“ Bei Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf könne die Schulleitung Selbsttests Zuhause unter elterlicher Aufsicht zulassen. Man gehe von .einem wöchentlichen Bedarf von 5,5 Millionen Selbsttests für die Schulen aus

Distanzunterricht in NRW: Verband sieht Abiturprüfungen in Gefahr

"Wenn Herr Laschet vollmundig eine Testpflicht ankündigt, dann haben er und seine Landesregierung dafür zu sorgen, dass die Vorbereitung steht und die Durchführbarkeit kind- und altersgerecht erfolgen kann. Der Ministerpräsident ist jetzt einmal mehr gefordert, dass seine Landesregierung seine Ankündigungen auch praxisnah umsetzen kann“, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, nach der Informationen zum Schulbetrieb ab Montag. (mit dpa)

Corona in NRW: Hier gibt es weitere Informationen

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  • Lesen Sie hier: NRW-Ministerpräsident Laschet fordert, den nächsten Corona-Gipfel vorzuziehen und einen "Brücken-Lockdown" zu beschließen. Das Echo ist geteilt.
  • Hintergrund: Die Bezeichnungen für Lockdowns werden immer kurioser. Harter Lockdown, Wellenbrecher oder "Brücken-Lockdown". Was heißt das genau?
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