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Müllgebühren: Riesenunterschiede zwischen Revierstädten

Tonne ist nicht gleich Tonne: Bei den Müllgebühren offenbaren sich in NRW große Preisunterschiede zwischen den Städten.

Tonne ist nicht gleich Tonne: Bei den Müllgebühren offenbaren sich in NRW große Preisunterschiede zwischen den Städten.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Düsseldorf.  Die Müll- und Abwassergebühren in NRW haben sich auf hohem Niveau stabilisiert. Doch die großen Preisunterschiede werfen Fragen auf.

Die Abfall- und Abwassergebühren in Nordrhein-Westfalen haben sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Das erklärte der Steuerzahlerbund NRW bei der Präsentation der jährlichen Auswertung am Dienstag in Düsseldorf. Die Gebühren seien für einen Musterhaushalt im Vergleich zum Vorjahr zwar landesweit kaum gestiegen, doch die zum Teil gewaltigen Unterschiede zwischen den Kommunen blieben fragwürdig, sagte der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes, Rik Steinheuer.

So zahlt ein Vier-Personen-Haushalt bei wöchentlicher Abholung der 120-Liter-Restmülltonne in Oberhausen 474,81 Euro pro Jahr, im wenige Kilometer entfernten Gelsenkirchen jedoch nur 240,10 Euro. In Hattingen kostet die 14-tägliche Abholung den Musterhaushalt 411,60 Euro, im vergleichbar großen Gladbeck dagegen nur 187,70 Euro. Die höchsten Gebühren kassiert NRW-weit Münster mit 564 Euro. Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) erklärte die Unterschiede mit lokalen Besonderheiten wie landschaftlichen Gegebenheiten oder der jeweiligen Haushaltsstruktur.

Haushalte sollen mehr Einfluss auf ihren Müllpreis nehmen können

Der Steuerzahlerbund forderte dagegen mehr Transparenz über die tatsächlichen kommunalen Entsorgungskosten und größere ökologische Lenkungsanreize für die Haushalte selbst. „Je kleiner die Tonne ist und je länger der Abfuhrrhythmus, desto mehr Einfluss kann der Bürger auf seine Gebühren nehmen“, sagte Steinheuer. Die obligatorische wöchentliche Leerung von Restmüll- und Biotonne vor allem in Großstädten müsse abgeschafft werden. Stattdessen solle der Gebührenzahler stärker selbst entscheiden können, wie oft der Müll abgeholt werden muss.

Die örtlichen Entsorgungs- und Abholstandards bestimmen ebenso wie die Verbrennungsentgelte am Ende den Preis. Der Steuerzahlerbund macht sich für die freie Behälterwahl stark, da viele Haushalte größere Tonnen nutzten als sie benötigten. Als Ärgernis gilt auch die gesetzliche Möglichkeit der Kommunen, die Entsorgungskosten von Straßenabfall und wilden Müllkippen auf die allgemeinen Abfallgebühren umzulegen. Dadurch ließen sich die Kosten für die Haushalte um bis zu 10 Prozent senken, so Steinheuer. Erlöse aus Altpapier- und Metallschrottentsorgung kämen wiederum nicht immer dem Abfallgebührenhaushalt zugute.

Auch bei den Abwassergebühren schlagen die Versorger ganz unterschiedlich zu. Düsseldorf bittet einen Musterhaushalt (200 Kubikmeter Frischwasserverbrauch, 130 Quadratmeter versiegelte Fläche) mit 431,40 Euro vergleichsweise moderat zur Kasse. In Essen ist es mit 822,80 Euro deutlich teurer. In einem Preiskorridor befinden sich derweil Gelsenkirchen (647,50), Dortmund (648,80), Duisburg (644), Bochum (654,40) oder Bottrop (679,10).

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