NRW-Bayern-Allianz

Laschet und Söder sind plötzlich ziemlich beste Freunde

Lange Widersacher in der Flüchtlingskrise, jetzt plötzlich enge Partner: Die Ministerpräsidenten von NRW und Bayern, Armin Laschet (links) und Markus Söder, am Dienstag in München.

Lange Widersacher in der Flüchtlingskrise, jetzt plötzlich enge Partner: Die Ministerpräsidenten von NRW und Bayern, Armin Laschet (links) und Markus Söder, am Dienstag in München.

Foto: Sina Schuldt

Düsseldorf   In der Flüchtlingskrise waren sie unionsinterne Widersacher, jetzt üben sie den Schulterschluss. Was steckt hinter der neuen Achse Laschet-Söder?

Am Ende eines bemerkenswerten Schulterschlusses lud Markus Söder für den Abend Armin Laschet sogar noch zum Starkbier-Anstich am Münchner Nockherberg ein. Das darf als ultimativer Vertrauensbeweis gelten. Denn beim dortigen traditionellen „Politiker-Derblecken“ wird traditionell Bayerns Ministerpräsident heftig veralbert. Möchte man da ausgerechnet den Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen mit am Tisch sitzen haben?

Die Landeskabinette aus München und Düsseldorf tagten am Dienstag erstmals gemeinsam in Söders Residenz. „Uns ist es wichtig, den Föderalismus zu stärken“, sagte der CSU-Gastgeber danach. „Der Bund besteht aus den Ländern und nicht umgekehrt.“ Laschet sang dazu das hohe Lied auf eine neue Partnerschaft zwischen Bayern und NRW. Laschet und Söder – ziemlich beste Freunde?

Der Streit um „Asyltourismus“ scheint vergessen

Es gab zwar auch in früheren Zeiten West-Süd-Allianzen etwa zwischen Wolfgang Clement und Edmund Stoiber oder Jürgen Rüttgers und Horst Seehofer. Doch eine Neuauflage in der Konstellation Laschet/Söder erschien lange undenkbar. Beide waren in der Flüchtlingskrise nicht weniger als Antipoden innerhalb der Union. Hier Laschet als treuester Knappe der Kanzlerin und Verteidiger der humanitären Grenzöffnung. Dort Söder als grimmiger Anheizer im CDU/CSU-Streit um den angeblichen „Asyltourismus“.

Noch in den ersten Monaten nach Amtsübernahme konnten sich Laschets Hintersassen furchtbar aufregen über Söders Gebaren in der Ministerpräsidenten-Konferenz und seine machtpolitische Kaltschnäuzigkeit. Doch immer häufiger klang Respekt durch für die rhetorische Kehrtwende des bayerischen Regierungschefs, der im Sommer 2018 öffentlich dem Begriff „Asyltourismus“ abschwor. Söders Neuerfindung als „Landesvater“ beobachtete man in Düsseldorf ebenso erstaunt wie dessen Lernkurve, dass unionsinterner Streit bloß aufs Konto von AfD und Grünen einzahle.

Laschets Grundsympathie für Bayern hilft

Eine Grundsympathie für Bayern war bei Laschet schon länger vorhanden. Er hat in München studiert und zeitweilig – wie einst Markus Söder – als Journalist für den Bayerischen Rundfunk gearbeitet. Sie kannten einander jedoch bis vor kurzem kaum. Laschet pflegte engere Beziehungen zu Seehofer und Bayerns Innenminister Joachim Hermann, die ihn beide 2017 im NRW-Landtagswahlkampf unterstützten.

So demonstrativ Söder und Laschet mittlerweile in den Sozialen Netzwerken einander herzen („Wir sehen uns jetzt häufiger, richtig?“), folgt das Miteinander trotzdem eher einer politischen Kosten-Nutzen-Rechnung. Im Streit um die Grundgesetzänderung für den Digitalpakt stimmten sich beide Ministerpräsidenten eng mit Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) ab. Die Länder eint die Sorge, dass der Bund über den Geldbeutel immer mehr föderale Kompetenzen an sich ziehen will. Bayern und NRW sind zusammen eine Macht, hier leben etwa 40 Prozent der Deutschen.

In der Union und gegenüber dem Bund Stärke zeigen

Laschet und Söder ist zudem bewusst, dass sie gemeinsam innerhalb der Union mehr bewegen können. Der bayerische Regierungschef gilt in Berlin noch als wenig trittsicher, während Bundesvize Laschet zwar über jahrelange Hauptstadt-Erfahrung verfügt, aber als Chef des größten CDU-Landesverbandes zuletzt eher als Scheinriese erschien. Er muss sich die Macht mit so einflussreichen NRW-Bundespolitikern wie Ralph Brinkhaus, Jens Spahn, Günther Krings oder dem möglichen Comeback-Kandidaten Friedrich Merz teilen.

Die NRW-Bayern-Allianz hilft auch bei der Imagepflege: Söder wirkt etwas staatsmännischer, Laschet etwas weniger liberal-grün. „Markus Söder und ich“, jubelte Laschet am Dienstag in einem Interview, „sind zwei in der Union, die mal sehr unterschiedliche Positionen vertreten haben, aber jetzt auch persönlich sehr gut klarkommen.“

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