Diskussion

Laschet nennt Kohle-Ausstieg „Operation am offenen Herzen“

Von links-rechts: Michael Vassiliadis (Vorsitzender der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie), Armin Laschet (CDU, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen), Andreas Tyrock (Chefredakteur WAZ) und Bernd Tönjes (Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung) nehmen am Dienstag im Haus der Geschichte in Bonn an einer Podiumsveranstaltung zum Thema "Ausstieg aus der Kohle - Aufbruch in eine neue Zeit" teil.

Von links-rechts: Michael Vassiliadis (Vorsitzender der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie), Armin Laschet (CDU, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen), Andreas Tyrock (Chefredakteur WAZ) und Bernd Tönjes (Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung) nehmen am Dienstag im Haus der Geschichte in Bonn an einer Podiumsveranstaltung zum Thema "Ausstieg aus der Kohle - Aufbruch in eine neue Zeit" teil.

Foto: Felix Heyder

Bonn.   Bei einer Diskussion im Bonner Haus der Geschichte dreht sich alles um die künftige Energieversorgung.

Das Bonner „Haus der Geschichte“ hatte einen 200 Kilogramm schweren Steinkohle-Brocken der letzten Schicht auf Prosper Haniel aus Bottrop direkt ins Foyer geschafft. Außerdem begrüßte eine „Diesel-Katze“, die jahrelang Dienst unter Tage getan hatte, die Museumsbesucher. Es sollte am Dienstagabend noch einmal Rückschau gehalten werden auf das Ende des Steinkohlebergbaus. Wo ginge das besser als an diesem Ort, der das Gedächtnis der Bundesrepublik ist?

Doch als WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock durch eine Podiumsdiskussion mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), RAG-Stiftungschef Bernd Tönjes und dem IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis führte, stand schnell nicht mehr die pechschwarze Kohle im Fokus, sondern die braune. Der „Kohlekompromiss“ mit dem verabredeten Ende der Kohleverstromung in Deutschland spätestens 2038 dominiert eben aktuell die energiepolitische Debatte.

Laschet redet nicht drum herum

Laschet redete nicht drum herum: „Das ist eine Operation am offenen Herzen einer Volkswirtschaft.“ Das von einer Expertenkommission formulierte Ziel, nach dem Ausstieg aus der Kernenergie binnen weniger Jahre auch noch aus der Kohle-Verstromung auszusteigen, sei „noch etwas ambitiös“, so Laschet.

Den Ministerpräsidenten treibt das gesellschaftliche Klima gegenüber der Industrie und ihren Beschäftigten um. Die Debatte mit den RWE-Beschäftigten im rheinischen Braunkohle-Revier etwa sei „nicht von Wertschätzung getragen“. Überhaupt: Energie, Verbrennungsmotor, Diesel, immer neue Grenzwerte-Debatten. Laschet fürchtet: „Wir ruinieren uns zurzeit alles, wofür uns die Welt beneidet.“

Unternehmer statt Holzfäller

Ins gleiche Horn stieß Gewerkschaftsboss Vassiliadis, der selbst Mitglied der Kohlekommission war. Die Auseinandersetzung über die Braunkohle sei „kampagnengetrieben“. Die „Kooperationsgesellschaft“, die den Grundstein für den Erfolg der Bundesregierung gebildet habe, drohe verloren zu gehen. Den emotionalen Streit über den Hambacher Forst nannte Vassiliadis absurd: „Das ist kein Urwald, das ist zum Symbol gemacht worden.“ Ob das 200 Hektar große Restwaldstück im rheinischen Braunkohle-Revier stehen bleiben könne, werde man erst noch sehen müssen. Bei RWE seien Braunkohle-Unternehmer am Werk „und keine Holzfäller“, so Vassiliadis.

RAG-Chef Tönjes machte deutlich, dass der Wirtschaft gerade „angst und bange“ werde. „Wenn wir eine gesicherte und kostengünstige Energieversorgung in NRW nicht mehr garantieren können, werden Investitionsentscheidungen gegen uns fallen“, warnte er. Als Industrienation darauf zu vertrauen, dass es in 19 Jahren die erneuerbaren Energien schon richten werden, finde er ziemlich mutig.

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