Corona

Künstliche Hundenase soll Corona-Infektionen erschnüffeln

Bald so einfach und schnell wie ein Alkotest? Dortmunder Mediziner arbeiten an einer Methode, die eine Corona-Infektion in der Atemluft nachweisen kann.

Bald so einfach und schnell wie ein Alkotest? Dortmunder Mediziner arbeiten an einer Methode, die eine Corona-Infektion in der Atemluft nachweisen kann.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Dortmunder Mediziner entwickeln Verfahren zum Nachweis einer Infektion in der Atemluft. Erste Ergebnisse stimmen Forscher optimistisch

Müssen Patienten in Zukunft nur noch „ins Röhrchen pusten“, um einen Coronatest zu absolvieren? Mediziner des Klinikums Dortmund arbeiten daran, dass Coroantests künftig so schnell und unkompliziert ablaufen können wie Alkoholtests. Die Wissenschaftler erproben mit internationalen Kollegen ein Verfahren zum „Erschnüffeln“ von Covid-19 in der Atemluft.

Die ersten Ergebnisse sind so gut, dass die Forscher die Methode nun weiter verfeinern wollen. Demnach liegt die Treffgenauigkeit der Atemanalyse im Vergleich zum üblichen PCR-Abstrich bei rund 80 Prozent. „Das Verfahren ist bislang aber noch nicht sicher genug, um sie breit in der Praxis anzuwenden“, sagt Bernhard Schaaf, Direktor der Klinik für Infektiologie am Klinikum Dortmund, dieser Redaktion. Dazu seien weitere Forschungen nötig. Derzeit arbeiteten neben den Dortmunder Forschern international mehrere Arbeitsgruppen daran, das System zu verfeinern.

Spezialgerät analysiert die Atemluft

Die Dortmunder Mediziner haben bei Patienten Atemproben genommen und diese von einem Gerät auswerten lassen. Das Spezialgerät misst jedoch nicht die Virenlast in der Atemluft, sondern spezielle Entzündungs- und Stoffwechselmoleküle. Diese entstehen als Reaktionen des Körpers auf eine Corona-Infektion. Entwickelt wurde das Gerät von einer Spezialfirma für Sensorsysteme im Bio-Medizin-Zentrum Dortmund.

Der Apparat kann aufgrund seiner feinen Sensorik eine Hundenase nachahmen, erklärt Schaaf. „Hunde können zum Beispiel eine Unterzuckerung eines Patienten riechen, ehe er es selbst spürt.“ Auch bei Krebserkrankungen gebe es hierzu bereits positive Forschungsergebnisse. Es sei nicht auszuschließen, dass man Hunde auch auf das Erschnüffeln von Covid-19 trainieren könne. „Allerdings wäre das nicht zuverlässig genug“, gibt Schaaf zu bedenken.

Ziel: Sofort Ergebnisse wie beim Alkotest

In dem Forschungsprojekt wurde Corona-Verdachtsfällen bei der Erstaufnahme neben dem klassischen PCR-Abstrich auch aus dem Rachen mit einer Spritze eine Luftprobe entnommen. Bei Patienten mit einem positiven PCR-Test verglichen sie die Werte anschließend mit den Ergebnissen der Atemluft-Analyse. Ziel ist es, mit dieser Methode einen deutlich schnelleren Testablauf zu ermöglichen, vergleichbar mit dem bekannten „Ins Röhrchen pusten“.

Allerdings muss dazu auch das Spezialgerät noch praxisgerechter konstruiert werden, räumt Schaaf ein. „Als Ergebnis leuchtet bisher nicht einfach ein rotes oder grünes Licht auf. Das Gerät liefert eine große Datensammlung, die von Experten erst analysiert werden muss.“

Die bisherigen Forschungsergebnisse stießen international rasch auf große Beachtung. Neben einer Veröffentlich in dem renommierten Fachmagazin „The Lancet“ haben auch amerikanische Krankenhäuser und der Internetgigant Google Forschungsarbeiten mit den Dortmunder Geräten angekündigt, so Schaaf.

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