Inklusion

Inklusion: Gesamtschulen greifen Gymnasien scharf an

In NRW gibt es rund 143.000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Der Inklusionsanteil an Regelschulen ist mit dem Rechtsanspruch deutlich gestiegen, doch es fehlt den Schulen ein Personal.

In NRW gibt es rund 143.000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Der Inklusionsanteil an Regelschulen ist mit dem Rechtsanspruch deutlich gestiegen, doch es fehlt den Schulen ein Personal.

Foto: Michael Gottschalk/getty

Essen.   Immer mehr Gymnasien verabschieden vom gemeinsamen Lernen. Gesamtschul-Verband: diese Aufgabe müssten nun die anderen Schulformen stemmen.

Der Verband der Gesamtschulen (GGG) wehrt sich gegen die Bevorzugung der Gymnasien in NRW bei der Inklusion. Die Gymnasien würden sich „mit dem Segen der Landesregierung aus der Inklusion verabschieden“ und überließen die aus ihrer Sicht gesamtgesellschaftliche Aufgabe den anderen Schulformen. Gemeinsam mit der Landeselternschaft der integrierten Schulen sowie der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen fordert der Verband von der Landesregierung gesetzliche Änderungen.

Nachdem zunehmend Gymnasien wegen Personallücken notgedrungen auf den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern verzichten, müssten nun die Gesamtschulen sowie Haupt- und Realschulen die ganze Last stemmen, sagt Rainer Dahlhaus vom GGG-Landesvorstand der WAZ. In einer ausreichenden Finanzierung der Inklusion sieht er „eine Gerechtigkeitsfrage“.

Es fehlen genügend Fachkräfte

Zuletzt hatten sich allein in Essen vier Gymnasien aus der Inklusion zurückgezogen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erwartet, dass zahlreiche weitere Schulen in NRW diesem Beispiel folgen werden.

Möglich macht dies ein Inklusions-Erlass des Schulministeriums aus dem letzten Jahr, der es Gymnasien freistellt, ob sie „zieldifferenzierten“ Unterricht für behinderte Kinder anbieten. Die Regel solle „zielgleicher“ Unterricht sein, der zum Schulabschluss führt.

Auch der Verband Lehrer NRW, der Schulen der Sekundarstufe I vertritt, kritisiert die mangelhafte Personalausstattung bei der Inklusion. „Der Unmut an den Schulen ist groß“, sagt die Vorsitzende Brigitte Balbach. „Es fehlen Lehrer, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Wir wollen nicht weg von der Inklusion, aber wir benötigen bessere Bedingungen.“

Maximal 25 Schüler in inklusiven Klassen

Auch das Ziel der Landesregierung, in inklusiven Klassen nur maximal 25 Schüler zu unterrichten, drei davon mit Förderbedarf, könne nicht erreicht werden, kritisieren die Verbände. „Das ist eine reine Wunschzahl“, so GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer. Wenn die Schulen ihre Klassengröße beschränkten, würden an Gesamtschulen Hunderte Plätze fehlen.

Unterdessen kritisiert auch das Berliner Institut für Menschenrechte die Inklusionspolitik der schwarz-gelben Landesregierung. Ziel müsse ein inklusives Schulsystem für alle Kinder bleiben.

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben