Wohnungsmarkt

Hohe Mieten: Darum leben Studenten wieder öfter zu Hause

Zwei Studentinnen betrachten die Wohnungsanzeigen am Schwarzen Brett in der Mensa. Die Suche nach günstigem Wohnraum wird immer schwieriger. Viele bleiben deshalb bei den Eltern wohnen oder gründen eine WG.

Zwei Studentinnen betrachten die Wohnungsanzeigen am Schwarzen Brett in der Mensa. Die Suche nach günstigem Wohnraum wird immer schwieriger. Viele bleiben deshalb bei den Eltern wohnen oder gründen eine WG.

Foto: Matthias Balk / dpa

Essen.   Wegen steigender Mieten leben immer mehr Studierende zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft. Höheres Bafög und mehr Studentenheime gefordert.

270 Euro zahlt die Essenerin Charlotte O. für ihre 18 Quadratmeter große Studentenbude im Berliner Osten. „Das ist noch günstig“, sagt die 21-Jährige. „Je nach Lage muss man 400 bis 500 Euro für weit kleinere Zimmer bezahlen.“ Doch ein Studium in ihrer Heimatstadt und ein Leben im „Hotel Mama“ komme für sie nicht in Frage. „Zu Hause wohnen – das könnte ich nicht mehr“, sagt sie.

Doch immer weniger Studierende können es sich leisten, in einem eigenen Zimmer oder einer kleinen Wohnung zu leben. Was vor Jahrzehnten Ausdruck einer alternativen Lebensform war, wird heute zur Notlösung: die Wohngemeinschaft. Die WG hat die private Studentenwohnung als häufigste Wohnform abgelöst. Im Vergleich zu 2003 stieg die WG-Quote bundesweit um rund neun Prozentpunkte auf über 30 Prozent, ergab eine Befragung von rund 150.000 Studierenden durch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).

Zugleich ging der Anteil an Privatwohnungen zurück. Gab vor 15 Jahren noch jeder dritte Befragte (35,8%) an, in einer Mietwohnung zu leben, war es 2018 nur noch ein gutes Viertel (26,9%). Laut der CHE-Erhebung leben zudem mehr Studierende bei ihren Eltern. Ein Viertel der jungen Leute wohnt weiter im Kinderzimmer.

Mehr Studenten und drastisch gestiegene Mieten

Einen Grund für diese Entwicklung sehen die Studienautoren in den drastisch gestiegenen Mieten. „Der Ausbau an Wohnheimplätzen und das Angebot an bezahlbarem Wohnraum hat mit dem Anstieg der Studierendenzahlen nicht Schritt gehalten“, sagt Studienautor Cort-Denis Hachmeister. Zudem konkurrieren die Studenten mit Familien und Geringverdienern um preiswerte Wohnungen.

Im Ruhrgebiet ist die Zahl der Studierenden, die zu Hause leben, traditionell hoch. Geringere Durchschnittsverdienste, eine enge Verbundenheit mit dem Stadtteil sowie kurze Distanzen zur nächsten Uni sind die Gründe. Aber auch hier geht der Trend zur elterlichen Wohnung oder zur WG. So stieg die WG-Quote etwa in Bochum von 9,7 Prozent im Jahr 2003 auf 19 Prozent, in Essen von 5,5 auf knapp 17 Prozent (siehe Grafik). Witten belegt einen Spitzenplatz, hier lebt sogar fast jeder zweite Student (47,1%) in einer WG. Denn auch im Revier steigen die Mieten kontinuierlich an. So gehört Essen nach Zahlen der Deutschen Studentenwerke (DSW) mit durchschnittlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten von 347 Euro zu den zehn teuersten Hochschulstädten. Um die Kosten zu stemmen, gehen 63 Prozent aller Studenten in NRW nebenher arbeiten.

Bundesregierung will Bafög anheben, doch es gibt Kritik

Nachdem die Zahl der geförderten Studierenden zuletzt deutlich gesunken ist, will die Bundesregierung die Bafög-Sätze zum Wintersemester 2019 anheben, zudem sollen mehr junge Leute durch höhere Freibeträge davon profitieren. Der Höchstsatz wird von 735 Euro in zwei Stufen bis 2020 auf rund 850 Euro steigen. Auch die Wohnpauschale soll von 250 Euro auf 325 Euro angehoben werden. Angesichts steigender Mieten reiche dies nicht, kritisiert DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde: „Die Bafög-Fördersätze müssen stärker steigen als von der Bundesregierung geplant.“ Zudem müsse der Bund den Bau von Wohnheimen besser fördern. „Das steht im Koalitionsvertrag. Doch es passiert nichts.“

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