Umweltschutz

Grünen-Parteirat tagt am Widerstandsacker im Hambacher Forst

Der Landesverband NRW von Bündnis 90/Die Grünen veranstaltete am Sonntag seinen Landesparteirat in unmittelbarer Nähe zum Hambacher Forst.

Der Landesverband NRW von Bündnis 90/Die Grünen veranstaltete am Sonntag seinen Landesparteirat in unmittelbarer Nähe zum Hambacher Forst.

Foto: Felix Heyder

Kerpen.  Die NRW-Grünen trafen sich beflügelt von Umfragewerten, Rodungsstopp und Massendemo zum Landesparteirat am Tagebau-Rand.

Draußen wogt eine riesige Weltkugel mit der Aufschrift „Es gibt keinen Planet B“ im Wind, im Hintergrund gähnt der Braunkohle-Tagebau. Drinnen im nicht beheizten Zelt rufen die Delegierten begeistert „Hambi, Hambi, Hambi - bleibt, bleibt, bleibt!“.

Die NRW-Grünen sind mit ihrem Landesparteirat am Sonntag auf den „Widerstandsacker“ der Umweltorganisation BUND in Sichtweite des Hambacher Forstes gezogen. Man sitzt in Anoraks auf Bierbänken, aus den Lautsprechern träufelt die ewige Hippie-Hymne „American Pie“, und nur die dringende Durchsage „Bitte keine Kippen auf den Acker werfen“ stört die Selbstzufriedenheit. Das Oberverwaltungsgericht hat zwei Tage zuvor überraschend einen vorläufigen Rodungsstopp für den Hambacher Forst verhängt und damit die Pläne des Energiekonzerns RWE sowie das Argumentationsgerüst der Landesregierung ins Wanken gebracht.

Grüne liegen bei 17 Prozent in der Sonntagsfrage

Bis 2020 wird hier zumindest kein Baum mehr gefällt. Am Vortag haben Zehntausende vier Kilometer weiter östlich ein buntes Klima-Fest gefeiert. Nach einer neuen WDR-Umfrage lehnen 79 Prozent der NRW-Bürger die Rodung ab. Die Grünen werden in der Sonntagsfrage bei rekordverdächtigen 17 Prozent gemessen. So bei sich wirkte die Öko-Partei, die noch vor 17 Monaten bei der Landtagswahl abgestraft wurde, lange nicht mehr.

Die 72 Delegierten verabschieden einstimmig einen Antrag, der von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine neue Leitentscheidung für die Braunkohle fordert. Die aktuelle Gesetzeslage wurde von den Grünen selbst maßgeblich verantwortet. Sie gibt dem RWE-Konzern prinzipiell das Recht, den Hambacher Forst zu roden. Das ist der Stachel, daran erinnern BUND und Antje Grothuis von der Initiative „Buirer für Buir“. Grünen-Altmeister Reiner Priggen geht in die Vorwärtsverteidigung: Man habe 2016 gegen die SPD nur die Verschonung von drei zur Umsiedlung vorgesehenen Dörfer im Tagebau Garzweiler durchsetzen können, nicht aber Hambi: „Ich kann gerne zugeben, dass wir uns bei 1400 Leuten oder Wald für die Leute entschieden haben.“

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