Nahverkehr

Gratis-Jobticket für alle 440.000 Landesbeschäftigten?

Im Ruhrgebiet nutzen Hunderttausende Berufspendler und Studenten den Nahverkehr – hier der neue RRX. Sollten sämtliche Landesbeschäftigte gratis Busse und Bahnen nutzen dürfen? Diese Diskussion nimmt grade in NRW Fahrt auf.

Im Ruhrgebiet nutzen Hunderttausende Berufspendler und Studenten den Nahverkehr – hier der neue RRX. Sollten sämtliche Landesbeschäftigte gratis Busse und Bahnen nutzen dürfen? Diese Diskussion nimmt grade in NRW Fahrt auf.

Foto: Olaf Fuhrmann

Düsseldorf.   Es klingt verrückt, aber Hessen macht es vor: Hunderttausende Landesdiener könnten gratis durch ganz NRW mit Bussen und Bahnen fahren.

Man stelle sich vor, alle rund 440.000 Landesbeschäftigten in NRW bekämen ein kostenloses Jobticket. Lehrer, Justizbeschäftigte, Polizisten und andere könnten jederzeit zu jedem Ziel in NRW fahren. Utopie? Im Landtag sprachen am Mittwoch im Verkehrsausschuss Experten ernsthaft über den Antrag der Grünen, Beamten und Angestellten zur kostenlosen Mobilität zu verhelfen.

Die Diskussion gehört nicht in die Kategorie „Wolkenkuckucksheim“. Denn in Hessen gibt es schon seit 2017 ein landesweites Gratisticket für die 150.000 Beschäftigten des Landes, inklusive Auszubildende und Referendare. Und Baden-Württemberg hat 2016 eine „Light“-Version des Jobtickets eingeführt: 240.000 Landesbeschäftigte können bei einem Verkehrsverbund oder der Bahn ein Ticket im Jahresabo bestellen. Das Land gibt einen Zuschuss von 25 Euro im Monat.

Verkehrsunternehmen: „Wer bestellt, muss bezahlen“

Sind das Vorbilder für NRW? Die Grünen finden, ein Landes-Jobticket oder auch kostenlose Dienst-Fahrräder dienten dem Klimaschutz, verbessere die Lebensqualität in Städten und mache den Landesdienst für Berufseinsteiger attraktiver. Die Verkehrsverbünde in NRW hätten im Prinzip nichts dagegen. Sie stehen aber auf dem Standpunkt: Wer bestellt, der bezahlt. Wenn das Land so etwas anbieten möchte, müsse es die Kosten „vollumfänglich“ ausgleichen.

Billig wäre dieses Angebot nicht. Schätzungen lassen Kosten von bis zu 150 Millionen Euro im Jahr für NRW erwarten. Das wäre etwa dreimal mehr als Hessen für sein Jobticket bezahlen muss. Der Verkehrsverbund VRR erinnerte daran, dass es schon vom Land subventionierte Ticketangebote in NRW gebe, zum Beispiel das Sozial-, das Schüler- und künftig das Azubi-Ticket. Noch ein Problem: Was passiert, wenn zu Stoßzeiten Tausende Landesbedienstete zusätzlich mit Bus und Bahn fahren wollen? Diese Verkehrsmitteln gleichen heute schon im Berufsverkehr Sardinenbüchsen.

Job-Ticket weckt Begehrlichkeiten

Matthias Engel, Beigeordneter der Stadt Mönchengladbach, schwärmte: Ein Jobticket könnte verödete Innenstädte mit Leben füllen. Dafür müsse aber erst das Tarif- und Landesbeamtenrecht geändert werden. Engel schlug vor, die kommunalen Angestellten mit ins Boot zu holen und ihnen auch ein Ticket-Angebot zu machen. Günter Hefner vom Hessischen Verkehrsministerium sagte, das Hessen-Ticket habe bei anderen Berufsgruppen gleich Begehrlichkeiten geweckt: „Die Mitarbeiter der Goethe-Uni in Frankfurt, der TU Darmstadt und Beschäftigte von Kommunen fragen auch danach.“

Steuerzahler-Bund winkt ab: „Nicht vermittelbar“

Der Bund der Steuerzahler NRW lehnt das Landes-Jobticket ab. Dem Steuerzahler als Finanzier sei das „nicht vermittelbar“.

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