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Geld geschenkt: So finde ich das passende Stipendium

Nur rund vier Prozent der Studenten bekommen ein Stipendium. Eine Initiative von „RuhrFutur“ will die Zahl der Geförderten im Ruhrgebiet nun erhöhen.

Nur rund vier Prozent der Studenten bekommen ein Stipendium. Eine Initiative von „RuhrFutur“ will die Zahl der Geförderten im Ruhrgebiet nun erhöhen.

Foto: Foto: Uwe Anspach / dpa

Essen.  Viele Junge Menschen aus dem Ruhrgebiet scheuen eine Bewerbung für ein Stipendium. Die neue Initiative „Stipendienkultur Ruhr“ will das ändern.

Trotz der jüngsten Bafög-Reform reicht das Geld für ein Studium oft nicht aus. Vor allem steigende Mieten und der Mangel an billigen Wohnheimplätzen treiben die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Neben Bafög sind Eltern und Nebenjobs die Hauptfinanzquellen von Studierenden. Eine elegante Art, ein Studium zu finanzieren, sind Stipendien.

Doch gerade junge Menschen im Ruhrgebiet erhalten bedeutend weniger Förderung als im Bundesdurchschnitt. Die Initiative „Stipendienkultur Ruhr“ will das ändern und junge Menschen zu Bewerbungen ermuntern. Denn die Chancen, ein Stipendium zu erhalten, sind größer als viele denken.

Ziel der Initiative ist es, das Bewusstsein für die Stipendienmöglichkeiten zu stärken und langfristig die Gefördertenquote in der Region zu erhöhen. Studierende sollen zugleich besser dabei unterstützt werden, sich erfolgreich zu bewerben. „Stipendienkultur Ruhr“ ist eine Initiative von „RuhrFutur“, des NRW-Zentrums für Talentförderung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und der Talent-Metropole Ruhr. Gefördert wird sie durch die Stiftung Mercator und die RAG-Stiftung.

Chancen auch ohne Einser-Abi

„Junge Menschen aus dem Ruhrgebiet sind bei der Stipendienvergabe im bundesweiten Vergleich unterrepräsentiert“, sagt Oliver Döhrmann, Geschäftsführer von „RuhrFutur“. Viele Erstakademiker, Kinder aus einkommensschwachen oder aus zugewanderten Familien kennen die Angebote nicht oder scheuten vor einer Bewerbung zurück.

„Viele wissen nicht, dass sie sich für eine Förderung bewerben können – auch ohne Einser-Abi“, sagt Döhrmann. Wenn Studierende aus der Region aber erst einmal im Bewerbungsverfahren für ein Stipendium angekommen seien, hätten sie nahezu die gleichen Chancen auf Förderung, unabhängig von ihrer sozialen oder regionalen Herkunft.

An der von „RuhrFutur“ koordinierten hochschulübergreifenden Zusammenarbeit sind die Hochschule Bochum, Ruhr-Uni Bochum, Fachhochschule Dortmund, TU Dortmund, Uni Duisburg-Essen, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen sowie die Hochschule Ruhr West beteiligt. Gemeinsam wollen die sieben Hochschulen die Informations- und Beratungsangebote verbessern. Auf der Website www.stipendienkultur.de bündeln sie alle Informationen zum Thema.

Büchergeld, Reisekosten, Lebenshaltung

Denn das Angebot an Stipendien ist unübersichtlich und groß. Neben den 13 Begabtenförderungswerken gibt es rund 2500 Stiftungen mit teils sehr speziellen Angeboten und Anforderungen. Von A wie Adelhausstiftung für katholische Frauen bis Z wie Zentralverband des Deutschen Handwerks ist die Liste der Stipendiengeber riesig.

Die Förderangebote sind dabei sehr unterschiedlich. Die Begabtenförderungswerke geben Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten bis zu 744 Euro im Monat. Zusätzlich erhalten Stipendiaten eine monatliche Studienkostenpauschale von 300 Euro. Promovierende können eine Unterstützung von 1350 Euro erhalten. Die Initiative Arbeiterkind.de bietet auf ihrer Website Infos über Stipendien und Tipps für Bewerbungen für junge Leute an, die als erste in ihrer Familie studieren.

Andere Stiftungen zahlen Büchergeld, größere Anschaffungen, den Druck der Dissertation oder Reisekosten für Auslandsaufenthalte. Doch es geht nicht nur um Geld. Viele Stiftungen bieten weiter gehende Unterstützungen an wie Seminare, Vorträge, Ferienakademien, Sprachkurse, Weiterbildungsangebote oder Praktika.

Die fünf größten Irrtümer über Stipendien:

Oftmals herrschen falsche Vorstellungen über die Voraussetzungen, ein Stipendium zu erhalten. Hier sind die fünf größten Irrtümer über Stipendien:

1.) Stipendien sind nur für Hochbegabte

Das ist falsch. Zwar wählen vor allem die Begabtenförderungswerke auch nach Leistungskriterien aus. Die meisten Stiftungen gehen aber nach anderen Kriterien vor, etwa nach Herkunft, Studien- oder Berufswahl, gesellschaftlichem Engagement oder Auslandsaufenthalten.

2.) Das Stipendiengeld reicht nicht zum Leben

Zunächst: Die Fördermittel sind keine Darlehen, sondern echte Zuwendungen. Die Förderhöhe ist je nach Stiftung unterschiedlich. Die Summen reichen von Einmalzahlungen von einigen hundert Euro bis zu monatlichen Überweisungen von 1500 Euro. Auch Bafög-Empfänger können ohne Einbußen mit bis zu 300 Euro gefördert werden.

3.) Eine Bewerbung ist langwierig und kompliziert

Das muss nicht sein. Gerade kleinere Stiftungen haben oftmals sehr unkomplizierte Verfahren, in machen Fällen ist eine Bewerbung per Email möglich. Andere Stiftungen fordern aufwendigere Bewerbungen samt Gutachten, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch. Verglichen mit einem Nebenjob ist der Zeitaufwand allerdings gering.

4.) Es bewerben sich so viele, da habe ich sowieso keine Chance

Bei den 13 Begabtenförderungswerken ist die Konkurrenz tatsächlich relativ groß, da sie die bekanntesten Stipendiengeber sind. Allerdings klagen unbekanntere Stiftungen oftmals darüber, das sie nicht genügend Bewerbungen erhalten, um ihr Fördervolumen auszuschöpfen. Daher lohnen auch mehrere Bewerbungen.

5. ) Um ein Stipendium zu erhalten, muss ich bedürftig sein

Auch das ist ein verbreiteter Irrglaube. Die Ziele der Stipendiengeber sind sehr verschieden. Während manche nur bedürftige junge Menschen unterstützten wollen, richten sich andere etwa speziell an Migranten, gesellschaftlich engagierte Personen, an Kinder aus Arbeiterfamilien oder bestimmte Berufsgruppen (etwa Mediziner).

Zudem gibt es teils sehr ungewöhnliche Förderzwecke, etwa Reisestipendien (Heinz-Schwarzkopf-Stiftung), für die Förderung der Gesangsausbildung (Anni-Eisler-Lehmann-Stiftung), für Abschlussarbeiten auf dem Gebiet der Wohnraumkultur (Ikea Stiftung) bis hin zu Begrüßungsgeldern für die Ummeldung des Wohnsitzes zu Studienzwecken, die einige Städte bezahlen. Ein guter Überblick lohnt sich also.

Weitere nützliche Links:

https://www.stipendienkultur.de/

www.mystipendium.de

https://studieren.de/dein-stipendium.0.html

https://www.stipendienlotse.de/

https://www.stifterverband.org/stiftungen

http://www.stipendiumplus.de/startseite.html

https://www.deutschlandstipendium.de/index.html

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/stipendium-fuers-studium-41-stipendien-im-ueberblick-a-985188.html

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