Gladbecker Geiseldrama

Geiseldrama: Landtag bittet mit Resolution um Entschuldigung

Das Gladbecker Geiseldrama gilt als einer der bekanntesten Kriminalfälle der Nachkriegsgeschichte.

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Das Gladbecker Geiseldrama gilt als einer der bekanntesten Kriminalfälle der Nachkriegsgeschichte.

Düsseldorf.  Gerade für die SPD ist es ein Kurswechsel: Der Landtag gesteht Behördenfehler beim Gladbecker Geiseldrama ein - und bittet um Entschuldigung.

30 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama hat der Landtag erstmals die nordrhein-westfälischen Behördenfehler anerkannt und die Angehörigen der drei Todesopfer um Entschuldigung gebeten. In einer Schweigeminute gedachte der Landtag der Opfer, Hinterbliebenen und Verletzten.

«Dass es so weit kommen konnte, lag auch und vor allem an Fehlern der verantwortlichen Einsatzleitung in Nordrhein-Westfalen», heißt es in der Resolution. Die damalige NRW-Einsatzleitung habe in dem 54-stündigen Drama «mehrere Möglichkeiten verstreichen lassen, die Geiselnahme zu beenden und die Geiseln zu retten».

Die problematische Rolle der Medien und die politische Aufarbeitung des Falls hätten dazu beigetragen, dass die Opfer der Geiselnahme und die Hinterbliebenen vom Staat weitgehend unbeachtet geblieben seien, sagte Landtagspräsident André Kuper (CDU). «Dies erscheint im Nachhinein unverständlich, und es ist unverzeihlich.»

Während Bremen das Geiseldrama schnell politisch aufgearbeitet habe, sei in NRW erst 30 Jahre später ein Konsens erzielt worden. «Das Eingeständnis eigener Schuld, eigener Fehler, kam den nordrhein-westfälischen Behörden und Entscheidungsträgern damals nicht über die Lippen», sagte Kuper.

Kurswechsel der SPD

Am 16. August 1988 hatten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet in Gladbeck eine Bankfiliale überfallen und Geiseln genommen. Anschließend flohen sie durch Deutschland - live verfolgt von Fernsehen und Radio. In Bremen kaperten sie einen Linienbus. Die 18-jährige Silke Bischoff wurde von einem der Geiselnehmer erschossen. Ebenso der 15-jährige Emanuele de Georgi. Der Polizist Ingo Hagen kam bei dem Einsatz bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Für die NRW-SPD bedeutet die Resolution einen Kurswechsel in der Vergangenheitsbewältigung. Anders als Bremen, das seinen Anteil am Gladbecker Geiseldrama früh im parteiübergreifenden Konsens aufgearbeitet hatte, wurde dem damals mit absoluter Mehrheit regierenden NRW-Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) die fehlende Bereitschaft zur Fehleranalyse vorgeworfen. (tobi)

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