Rechtsextremismus

Gamer-Szene und Terror: So sieht es NRW-Innenminister Reul

Computerspiele, wie hier auf der Gamescom, sind in breiten Bevölkerungsschichten beliebt. Befördern sie eine Radikalisierung? Die NRW-Sicherheitsbehörden haben dazu eine Meinung.

Computerspiele, wie hier auf der Gamescom, sind in breiten Bevölkerungsschichten beliebt. Befördern sie eine Radikalisierung? Die NRW-Sicherheitsbehörden haben dazu eine Meinung.

Foto: Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Bundesinnenminister Seehofer will die Computerspiel-Community wegen Radikalisierungsgefahren beobachten. Jetzt gibt es eine Einschätzung aus NRW.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Bedeutung von Computerspielen für die rechtsextreme Szene relativiert. „Nach sicherheitsbehördlichen Erkenntnissen werden Gamingplattformen von einem sehr kleinen Teil der Szene genutzt, um rassistische, fremdenfeindliche und gewaltverherrlichende Äußerungen zu verbreiten und zu teilen“, heißt in einer Vorlage für den Innenausschuss des Landtags am Donnerstag.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich beim Austausch unter Gleichgesinnten auf den entsprechenden Plattformen eine erhebliche Radikalisierung bis hin zur Begehung konkreter Taten vollziehen könne. Doch die Sicherheitsbehörden befassten sich „nicht erst seit dem Anschlag in Halle mit Aktivitäten von Extremisten auf derartigen Plattformen“.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte vor zwei Wochen viel Kritik einstecken müssen, weil er nach dem Anschlag im Umfeld einer Synagoge in Halle behauptet hatte, viele Täter oder potenzielle Täter kämen aus der Gamer-Szene. Manche nähmen sich Spiel-Simulationen geradezu zum Vorbild für reale Verbrechen. „Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen“, sagte Seehofer. Danach hagelte es Kritik selbst aus der eigenen Partei wegen des Pauschalverdachts gegen die mittlerweile in breiten Bevölkerungsschichten beliebten Computerspiele.

Der rechtsextremistische Attentäter von Halle war ein Gamer und hatte sein Attentat mit zwei Toten wie ein Spiel inszeniert und live ins Netz gestreamt. Die Landesregierung hat die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen in NRW nach dem Anschlag in Sachsen-Anhalt weiter erhöht. Er habe veranlasst, so Innenminister Reul, dass der Objektschutz an allen Synagogen und Gemeindezentren „landesweit auf ein einheitliches Niveau rund um die Uhr erhöht wurde“.

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