Entschädigung per Smartphone

Flieger ausgefallen? Die „Flugärger-App“ hilft

Die neue "Flugärger-App" im App-Store. Sie soll Reisenden ab sofort mit wenigen Klicks helfen, ihre Ansprüche bei verspäteten oder annullierten Flügen durchzusetzen. Die von der Verbraucherzentrale NRW entwickelte Anwendungssoftware ist nach Angaben ihres Vorstands Schuldzinski mindestens bundesweit das einzige nicht-kommerzielle Angebot dieser Art. Foto:

Die neue "Flugärger-App" im App-Store. Sie soll Reisenden ab sofort mit wenigen Klicks helfen, ihre Ansprüche bei verspäteten oder annullierten Flügen durchzusetzen. Die von der Verbraucherzentrale NRW entwickelte Anwendungssoftware ist nach Angaben ihres Vorstands Schuldzinski mindestens bundesweit das einzige nicht-kommerzielle Angebot dieser Art. Foto:

Foto: Martin Gerten / dpa

Eine „Flugärger-App“ hilft bei Verspätungen und Flugausfällen. Beschwerden bei der Airline sind damit schnell und unkompliziert möglich.

Flugzeug zu spät gestartet? Anschlussflug verpasst? Flug annulliert? Hunderttausende Fluggäste in NRW machen jedes Jahr diese schlechten Reise-Erfahrungen. Wer seine Rechte in den drei genannten Fällen einfordern möchte, der scheitert meist an den Airlines. Oder greift auf die kostenpflichtigen Angebote von Profi-Inkassobüros zurück. In NRW geht das ab sofort auch anders und einfacher: Das Verbraucherministerium und die Verbraucherzentrale haben pünktlich vor Beginn der Herbstferien eine kostenlose „Flugärger-App“ freigeschaltet, die es Passagieren erlaubt, „mit ein paar Klicks Entschädigungsansprüche zu prüfen und geltend zu machen“, wie es heißt.

Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) erinnerte daran, dass „pünktliche Flüge gerade im Jahr 2018 eher die Ausnahme waren“. Für diese Fälle legt die EU-Fluggastrechteverordnung Entschädigungen für die Betroffenen fest. Zum Beispiel haben Reisende bei Verspätungen über drei Stunden und bei kurzfristigen Annullierungen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung zwischen 250 und 600 Euro. „Eigentlich müsste das ganz automatisch ablaufen“, erklärte Wolfgang Schuldzinski, Chef der NRW-Verbraucherzentralen. Aber manche Airlines lehnten Schadenersatz grundsätzlich ab, andere akzeptierten nur Beschwerden auf Englisch oder Französisch oder nur am Telefon.

„Bitter notwendiges“ Werkzeug

Die neue „Flugärger-App“, deren Einführung der Landtag vor einem Jahr unter dem Eindruck chaotischer Verhältnisse an den Flughäfen beschlossen hatte, gibt Betroffenen die Chance, ihre Rechte schnell, direkt, fristgerecht und formell korrekt einzufordern. Flugnummer, Abflugdatum und ein paar andere Daten werden benötigt, und dann geht die Beschwerde raus. Reagiert die Airline nicht, erinnert die App per „Fristenwecker“ daran, die Beschwerde zu erneuern. Auf dem Display erscheint sogar die mögliche Entschädigungssumme. „Bitter notwendig“ sei dieses Werkzeug für die Fluggäste, sagte Wolfgang Schuldzinski. Die App helfe bei Ärger mit allen Flügen, die in Deutschland starten.

Erfahrungsgemäß würden viele Airlines – besonders Billigflieger – auch nach einer korrekten Beschwerde noch die Entschädigung verweigern, mit Verweis auf angeblich „höhere Gewalt“ oder eine Verkettung unglücklicher Umstände. Wenn die Fluggesellschaft die Forderungen aus dem Anschreiben ablehnt, können die App-Nutzer den Fall an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr („söp“, für in Deutschland ansässige Fluggesellschaften) oder an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz senden. Bei verlorenen Koffern hilft die App nicht weiter. Sie soll aber weiter ausgebaut werden.

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