Ex-NRW-Ministerpräsident

Erfolgreich und umstritten: Wolfgang Clement wird heute 80

Wird am Dienstag, 7. Juli, 80 Jahre alt: Wolfgang Clement, einst Ministerpräsident in NRW und "Superminister" unter Kanzler Gerhard Schröder.

Wird am Dienstag, 7. Juli, 80 Jahre alt: Wolfgang Clement, einst Ministerpräsident in NRW und "Superminister" unter Kanzler Gerhard Schröder.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Düsseldorf  Der Bonner blickt auf eine lange Karriere als Journalist, Politiker und Wirtschaftslobbyist zurück. Die SPD hadert mit ihm.

Wolfgang Clement, einer der bekanntesten und umstrittensten NRW-Landespolitiker, wird am 7. Juli 80 Jahre alt. Der Ex-Ministerpräsident wird in Bonn im kleiner, familiärer Runde feiern. Ein großes Fest ist coronabedingt nicht drin.

In der Sozialen Marktwirtschaft, dem deutschen Erfolgsrezept für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, kann sich ja fast jeder wiederfinden, in unterschiedlichen Nuancen. Die einen betonen lieber das Soziale, die anderen vertrauen doch eher den Kräften des Marktes. Wolfgang Clement ist einer, der sich in seinem Leben konsequent von dem einen Pol zum anderen bewegt hat, obwohl er dies selbst kaum so sehen dürfte. Er begann als klassischer Sozialdemokrat und gilt heute als Liberaler.

Beeindruckende Karriere im Land und im Bund

Der Blick auf die Vita lässt keinen Zweifel daran, dass Wolfgang Clement, geboren in Bochum, ein bedeutender Nordrhein-Westfale ist: Chef der Staatskanzlei unter Johannes Rau, NRW-Ministerpräsident von 1998 bis 2002, „Superminister“ für Wirtschaft und Arbeit im Kabinett Gerhard Schröder. Vor und während seiner politischen Karriere war Clement Journalist: Er begann als freier Mitarbeiter bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund und stieg dort auf in die Chefredaktion. Nach einer Zwischenstation als Sprecher des SPD-Bundesvorstandes wurde er Chefredakteur der Hamburger Morgenpost. Dann folgte er dem Ruf von Johannes Rau nach Düsseldorf.

Fleiß, Talent, Erfolg und Glück ziehen sich durch Clements Leben. Die Beziehung zwischen ihm und der SPD endete allerdings unglücklich. Die Partei und ihr Protagonist entfremdeten sich wie ein altes Ehepaar, das irgendwann feststellt, dass die Interessen doch fundamental verschieden sind. 2007 deutete Clement an, dass er an einen Parteiaustritt denke. 2008 brachte sein SPD-Ortsverein Bochum-Hamme ein Parteiaustrittsverfahren gegen Clement in Gang. Er sei kein richtiger Sozialdemokrat, schimpfte Ortsvereinsvorsitzender Rudolf Malzahn. Seine Genossen hatten von Clement „die Schnauze voll“.

Hessen-Wahl führte zum Bruch zwischen Clement und der SPD

Der Anlass für den Streit war ein ernster: Kurz vor der Landtagswahl in Hessen 2008 warnte Clement davor, die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zu wählen, weil die in der Energiepolitik und besonders in der Frage eines Atomausstiegs einen Kurs fuhr, der Clement missfiel. Ende 2008 trat Clement -- nach 38 Jahren Mitgliedschaft -- selbst aus der SPD aus, sah sich fortan als „Sozialdemokrat ohne Parteibuch“ und engagiert sich in der Arbeitgeber nahen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“.

Als Macher ist er vielen in Erinnerung, aber auch als „Grünenfresser“, Lobbyist der Energiekonzerne und Mit-Wegbereiter jener „Agenda 2010“, mit der Teile der SPD so sehr hadern.


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