Nahverkehr

Eine App für alle Verbundtickets in NRW kommt noch 2019

Bus- und Bahnfahren über Verbundgrenzen hinweg ist in NRW teuer und eine Wissenschaft für sich. Dass soll sich nach dem Willen der Landesregierung im Wege der Digitalisierung ändern.

Bus- und Bahnfahren über Verbundgrenzen hinweg ist in NRW teuer und eine Wissenschaft für sich. Dass soll sich nach dem Willen der Landesregierung im Wege der Digitalisierung ändern.

Foto: Dietmar Wäsche

Düsseldorf   Dass man per Smartphone Weltreisen buchen kann, aber innerhalb von NRW an Verbundgrenzen scheitert, will der Verkehrsminister nicht hinnehmen.

Noch in diesem Jahr sollen Bus- und Bahnfahrer in Nordrhein-Westfalen erstmals über eine mobile App zumindest Tickets der verschiedenen Verkehrsverbünde aus einer Hand kaufen können. Das verlautete am Freitag aus dem NRW-Verkehrsministerium. Die App gilt als erster Schritt auf dem Weg zu einem Digitalticket für das ganze Land.

Allen Fahrgästen, die Verbundgrenzen überqueren müssen, soll mit der neuen Softwareanwendung zumindest der Erwerb von Zusatztickets erleichtert werden. Mittelfristig erwartet Land allerdings von den Verkehrsverbünden ein einheitliches Tarifsystem nach der Länge der gefahrenen Kilometer. Seit Jahren tun sich die Verkehrsverbünde mit Absprachen über das Beförderungsentgelt schwer. Weil Zonentarife einfach addiert werden, sind für Fahrgäste selbst vergleichsweise kurze Fahrten über Verbundgrenzen hinweg unverhältnismäßig teuer.

Nur ein erster Schritt auf dem Weg zum Digitalticket

„Die junge Generation lässt uns die Unübersichtlichkeit und Komplexität im Nahverkehr nicht mehr durchgehen“, hatte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) bereits im Landtag kritisiert. Digital weltweit Reisen buchen zu können, aber vor der eigenen Haustüre an Verbundgrenzen zu stoßen, sei kein moderner und kundenfreundlicher öffentlicher Personennahverkehr. Wüsts Ziel ist ein landesweit einheitliches, verbundübergreifendes elektronisches Ticketsystem.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) experimentiert mit Förderung des Landes bereits innerhalb des Verbundgebietes mit dem Digitalfahrschein „nextTicket“. Dabei können Fahrgäste spontan Bus und Bahn nutzen, wenn sie sich über eine App einloggen. Der Fahrpreis wird nach dem Auschecken automatisch am Ziel entlang der Kilometerlänge berechnet und abgebucht. Im Verkehrsministerium registriert man zufrieden, wie groß die Resonanz ausgefallen ist: Statt der erwarteten 2.000 Teilnehmer an dem Pilotversuch seien es 8.000 Fahrgäste gewesen. „Das zeigt: Das Interesse an digitalen Angeboten im ÖPNV und an einem modernen Ticketsystem ist groß“, bilanzierte Wüst im Landtag.

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