Flugverkehr

Drohnen und Lufttaxis stellen Flugsicherung vor Probleme

Elektro-Flugtaxis sollen künftig im Linienverkehr Flughäfen in NRW mit Städten im Umland verbinden. Das Bild zeigt das Fluggerät übrigens von hinten.

Elektro-Flugtaxis sollen künftig im Linienverkehr Flughäfen in NRW mit Städten im Umland verbinden. Das Bild zeigt das Fluggerät übrigens von hinten.

Foto: Foto: Lilium

Essen/Köln.  Mehr Verkehr am Himmel: Drohnen-Lieferdienste und Flugtaxi-Verkehr werden deutlich zunehmen. Luftkorridore sollen Kollisionen verhindern.

Wenn in einigen Jahren Hunderte Lufttaxis am Himmel über Nordrhein-Westfalen umherfliegen sollen, sind zuvor nicht nur technische und wirtschaftliche Probleme zu lösen. Die Frage der Flugsicherung und der Steuerung des Flugverkehrs sind derzeit noch weitgehend ungelöst. Denn Drohnen und Flugtaxis müssen sicher zum Ziel geleitet werden, ohne dem übrigen Flugverkehr oder gar Rettungshubschraubern in die Quere zu kommen. Wie eine zukünftige Lösung aussehen könnte, daran arbeitet ein Forscherteam des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR, Köln).

Bereits in fünf Jahren sollen in NRW die ersten Flugtaxis abheben. Bei entsprechender Nachfrage soll ihre Zahl rasch gesteigert werden. Dieses Ziel hat kürzlich NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) mit dem Technologie-Unternehmen Lilium ausgegeben. Die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf planen, beim Einsatz der Lufttaxis zusammenzuarbeiten.

Elektro-Jets für vier Personen

Die Elektro-Jets bieten Platz für vier Personen und können senkrecht starten und landen. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern sollen sie von den großen Flughäfen aus in weniger als einer Stunde die umliegenden Zentren erreichen können. Geplant ist demnach der Aufbau eines Flugtaxi-Linienbetriebs in NRW mit zunächst 20 regionalen Landeplätzen.

Wie ein solcher Flugbetrieb aber in der Praxis sicher geleitet werden kann, ist derzeit noch ungewiss. Denn neuartige Fluggeräte wie Drohnen oder Airtaxis kollisionsfrei in den bestehenden Luftverkehr einzufädeln, stellt die Flugsicherung vor Herausforderungen. „Für den normalen Flugverkehr gibt es international klare Regeln. Das funktioniert weltweit“, erklärt Prof. Dirk Kügler, Experte für Verkehrsmanagement und Leiter des Instituts für Flugführung am DLR. „Doch nun kommen unbemannte Drohnen und Lufttaxis hinzu.“

Für jeden Fluggerätetyp ist eigener Luftkorridor nötig

Drohnen operieren zwar nur in Höhen unter 150 Metern, wo sich außer bei Start und Landung kein Verkehrsflugzeug aufhält. Doch in niedrigen Flughöhen sind auch Rettungs- und Polizeihubschrauber unterwegs, „und das sind nicht wenige“, so Kügler. Lufttaxis wollen hingegen vor allem die großen Zentren und die innerstädtischen Bereiche anfliegen. Zwar versprechen diese Fluggeräte vor allem in Ballungsräumen Vorteile bis hin zum Überfliegen von Verkehrsstaus. Doch dazu müssen sie teilweise auch den Luftraum nutzen, in dem sich Privat- und Verkehrsmaschinen befinden, erklärt Kügler.

Die Lösung sieht der Experte in einer klaren Trennung der Lufträume. In einem ersten Schritt muss daher für jeden Flugzeugtyp ein eigener Korridor definiert werden. Aber auch das hat seine Grenzen: „Irgendwann ist der Luftraum voll wie eine Autobahn. Vor allem in urbanen Räumen“, sagt Kügler.

Die Nasa als Partner für neues Verkehrsleitsystem

Gemeinsam mit Partnern der US-Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa arbeiten die Experten des DLR daher an einem neuartigen Verkehrsleitsystem, das in einem zweiten Schritt sämtliche Fluggeräte am Himmel erfasst und sicher lenkt. Um das System zu erproben, werden mit Hilfe von „Schnellzeitsimulationen“ die Anforderungen eines solchen „Luftverkehrsmixes“ getestet. Ziel ist es, „neue Verkehrsteilnehmer sicher und effizient in den bestehenden Luftraum zu integrieren“.

Doch Kügler sieht noch weitere Hürden, die vor einem flächendeckenden Einsatz von Lufttaxis gemeistert werden müssen: „In Deutschland gilt die Flugplatzpflicht. Das bedeutet, dass Personentransporte nur von einem Flugplatz aus stattfinden dürfen. Nur im Notfall können Fluggeräte, etwa Rettungshubschrauber, auf privatem oder öffentlichem Gelände landen.“ Das bedeutet: Nach bisherigem Recht sind Pläne, senkrecht startende Flugtaxis zentral von einem Parkhausdach, von Bahnhöfen oder Hochhäusern abheben zu lassen, gar nicht möglich.

Und wie reagieren die Anwohner?

Über allen Plänen schwebt aber die noch unbeantwortete Frage der sozialen Akzeptanz. Ob Anwohner und Stadtbewohner davon begeistert sein werden, wenn Drohnen für Lieferdienste niedrig durch die Innenstädte kurven oder vermehrt Flugtaxis über die Vorstädte schwirren, ist noch offen. Die Erfahrung lehrt, wie schlagkräftig der Widerstand lokaler Initiativen im Umfeld von Flughäfen sein kann.

Noch entscheidender für die Zukunft der fliegenden Taxis sei allerdings die Frage: „Wie geht die Gesellschaft damit um, wenn der erste Unfall passiert?“, merkt Kügler an. Ausschließen könne man das nie.

>>>> Forschungsflughafen bei Aachen

Um die Entwicklung und Erprobung von Flugtaxis voranzutreiben, finanziert die Landesregierung des Ausbau des Regionalflughafens Merzbrück bei Aachen mit rund viel Millionen Euro zu einem Forschungsflughafen. Insbesondere der Betrieb mit geräuscharmen und elektrisch betriebenen Fluggeräten, die von der RWTH Aachen entwickelt werden, soll hier erprobt werden.

Bei der Bekanntgabe der Pläne sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet: „Dieses innovative neue Feld der Mobilität ist für Nordrhein-Westfalen mit seinen hochverdichteten Ballungsräumen von herausragender Bedeutung.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben