Umweltschutz

Diesel-Fahrverbot Quatsch? Heftiger Streit unter Fachärzten

Der Streit um Diesel-Abgase geht weiter: Nun ist unter Lungenärzten eine heftige Debatte ausgebrochen.

Der Streit um Diesel-Abgase geht weiter: Nun ist unter Lungenärzten eine heftige Debatte ausgebrochen.

Essen/Berlin.  Mehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide.

Unter Medizinern und Politikern ist ein heftiger Streit über die Schädlichkeit von Diesel-Abgasen entbrannt. Mehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide. Sie sehen keine wissenschaftliche Begründung, die die geltenden Obergrenzen rechtfertigen würde, heißt es in einer Stellungnahme. Viele Studien, die Gefahren durch Luftverschmutzung zeigen sollen, hätten erhebliche Schwächen. Zudem seien Daten in der Vergangenheit einseitig interpretiert worden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht den Vorstoß der Mediziner als wichtige Initiative, um „Sachlichkeit und Fakten“ in die Diesel-Debatte zu bringen. „Der wissenschaftliche Ansatz hat das Gewicht, den Ansatz des Verbietens, Einschränkens und Verärgerns zu überwinden“, sagte er der WAZ. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) verteidigte hingegen die bestehenden Grenzwerte. Dass Luftschadstoffe die Lebenszeit verkürzen und Krankheiten befördern, sei wissenschaftlich unumstritten.

Umweltschützer sprechen von „Effekthascherei“

Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) – der Jahresmittelwert darf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Außenluft nicht überschreiten – gelten in der EU seit 2010. Auch für Feinstaub gibt es je nach Partikelgröße Grenzwerte. An Orten, wo Grenzwerte über längere Zeit deutlich überschritten werden, drohen unter anderem Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge – wie etwa in Essen und Gelsenkirchen.

In dem Papier der Lungenexperten wird gefordert, dass relevante Untersuchungen neu bewertet werden. Dem schloss sich der Städte- und Gemeindebund an. Es sei notwendig, von der „zum Teil hysterisch geführten Auseinandersetzung zu Luftqualität und Fahrverboten“ wegzukommen, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der WAZ.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz bezeichnete den Vorstoß der Lungenärzte hingegen als unverantwortliche Effekthascherei. Mit ihrem Papier stellen sich die Ärzte auch gegen ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin aus dem vorigen Jahr. Darin heißt es: „Studien zeigen, dass die Feinstaub-Belastung durch Landwirtschaft, Industrie und Verkehr gesundheitsschädlich ist.“ Das jetzt veröffentlichte Papier wurde an 3800 DGP-Mitglieder verschickt, 113 Fachleute haben die Stellungnahme dann unterschrieben.

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